Gut zwei Monate vor dem 1. Mai ist immer noch nicht klar, ob das traditionelle Myfest auch in diesem Jahr stattfinden kann. Der Plan des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, das alljährliche Bürgerfest von Veranstalter Willy Kausch ausrichten zu lassen, ist alles andere als sicher. Wie die Berliner Morgenpost aus dem Umfeld des Unternehmers erfuhr, soll es zwar Gespräche über eine mögliche Organisation durch Kausch gegeben. Er habe auch Interesse gezeigt. Eine feste Zusage gebe es bisher aber nicht. Kausch selbst war am Sonnabend für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), hatte am Freitag bestätigt, mit Kausch, dessen Firma seit vielen Jahren die Silvester-Partymeile am Brandenburger Tor organisiert, zu verhandeln. In der kommenden Woche solle es weitere Gespräche geben.

So verlief der 1. Mai in Berlin

Feiern bei bestem Feiertagswetter: Zehntausende Menschen sind am Freitag zu verschiedenen 1.-Mai-Veranstaltungen in Berlin geströmt.
Feiern bei bestem Feiertagswetter: Zehntausende Menschen sind am Freitag zu verschiedenen 1.-Mai-Veranstaltungen in Berlin geströmt.© Getty Images
Rund 40.000 Besucher kamen nach Angaben der Polizei zum  "Myfest" nach Kreuzberg.
Rund 40.000 Besucher kamen nach Angaben der Polizei zum "Myfest" nach Kreuzberg.© dpa
Am Abend begann die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" am Spreewaldplatz.
Am Abend begann die "Revolutionäre 1. Mai-Demonstration" am Spreewaldplatz.© dpa
Rund 7000 Polizisten waren im Einsatz.
Rund 7000 Polizisten waren im Einsatz.© dpa
Knackpunkt der großen Demo: der Vorbeizug an der Gerhart-Hauptmann-Schule, die von Flüchtlingen besetzt ist. Dort legte sich ein Flüchtling aus Protest auf den Boden.
Knackpunkt der großen Demo: der Vorbeizug an der Gerhart-Hauptmann-Schule, die von Flüchtlingen besetzt ist. Dort legte sich ein Flüchtling aus Protest auf den Boden.© REUTERS
Zunächst blieb die Situation in Kreuzberg friedlich.
Zunächst blieb die Situation in Kreuzberg friedlich.© REUTERS
Später kam es zu vereinzelten Würfen von Feuerwerkskörpern und Steinen.
Später kam es zu vereinzelten Würfen von Feuerwerkskörpern und Steinen.© AFP
Bis 22 Uhr wurden 38 Personen festgenommen.
Bis 22 Uhr wurden 38 Personen festgenommen.© dpa
Bei den Zwischenfällen gingen einige Fensterscheiben zu Bruch.
Bei den Zwischenfällen gingen einige Fensterscheiben zu Bruch.© AFP
Laut Schätzungen der Berliner Polizei waren rund 18.000 Teilnehmer auf der abendlichen Demonstration.
Laut Schätzungen der Berliner Polizei waren rund 18.000 Teilnehmer auf der abendlichen Demonstration.© dpa
Ein vermummter Demonstrant hantiert mit einem Verkehrsschild.
Ein vermummter Demonstrant hantiert mit einem Verkehrsschild.© dpa
Ein anderer Demonstrant hat sich geschminkt.
Ein anderer Demonstrant hat sich geschminkt.© dpa
Der Innenexperte der Berliner Grünen, Benedikt Lux, sprach von einem "besonnen Auftreten" der Berliner Polizei.
Der Innenexperte der Berliner Grünen, Benedikt Lux, sprach von einem "besonnen Auftreten" der Berliner Polizei.© dpa
Ein gewohntes Bild auf dem "Myfest": Rauchschwaden, die von den vielen Grill-Imbissen in und rund um die Oranienstraße aufsteigen.
Ein gewohntes Bild auf dem "Myfest": Rauchschwaden, die von den vielen Grill-Imbissen in und rund um die Oranienstraße aufsteigen.© Getty Images
Kita mit Polizeischutz: eine Hundertschaft vor dem Kinderladen "Kunterbunt" in Kreuzberg.
Kita mit Polizeischutz: eine Hundertschaft vor dem Kinderladen "Kunterbunt" in Kreuzberg.© dpa
Nach einer überwiegend friedlichen Walpurgisnacht zeigte sich die Berliner Polizei vor der großen Demo am Abend verhalten optimistisch.
Nach einer überwiegend friedlichen Walpurgisnacht zeigte sich die Berliner Polizei vor der großen Demo am Abend verhalten optimistisch.© dpa
Ein Teilnehmer der 18-Uhr-Demo hinter einem Transparent.
Ein Teilnehmer der 18-Uhr-Demo hinter einem Transparent.© dpa
Besonderer Service beim "Myfest": eine "Selfie-Leiter", auf die Besucher steigen konnten, um einen besseren Überblick zu erhalten.
Besonderer Service beim "Myfest": eine "Selfie-Leiter", auf die Besucher steigen konnten, um einen besseren Überblick zu erhalten.© Getty Images
Auch im Görlitzer Park wurde ausgiebig gefeiert.
Auch im Görlitzer Park wurde ausgiebig gefeiert.© AFP
Entspannte Stimmung am Nachmittag auf dem "Myfest".
Entspannte Stimmung am Nachmittag auf dem "Myfest".© Getty Images
Tausende "Myfest"-Besucher genießen am Nachmittag das milde Wetter.
Tausende "Myfest"-Besucher genießen am Nachmittag das milde Wetter.© REUTERS
Die Kehrseite des 1. Mai: zahlreiche Müllberge.
Die Kehrseite des 1. Mai: zahlreiche Müllberge.© dpa
"Keine Revolution auf nüchternen Magen!" steht auf dem Transparent, das hinter Senem und ihrem Verkaufsstand beim "MyFest"  hängt.
"Keine Revolution auf nüchternen Magen!" steht auf dem Transparent, das hinter Senem und ihrem Verkaufsstand beim "MyFest" hängt. © dpa
In umgebauten Fässern werden Hühnerbeine gegrillt.
In umgebauten Fässern werden Hühnerbeine gegrillt.© dpa
"Wir sind überall" lautete in diesem Jahr das Motto der "Revolutionären 1. Mai-Demo".
"Wir sind überall" lautete in diesem Jahr das Motto der "Revolutionären 1. Mai-Demo".© dpa
Eine Hundestaffel beim Einsatz in Hohenschönhausen, wo bereits am Nachmittag Hunderte gegen eine Neo-Nazi-Demo auf die Straße gingen.
Eine Hundestaffel beim Einsatz in Hohenschönhausen, wo bereits am Nachmittag Hunderte gegen eine Neo-Nazi-Demo auf die Straße gingen.© Christian Mang
So geht's auch am 1. Mai: Eine ältere Frau liegt zum Auftakt der Badesaison im Strandbad Wannsee in einem Strandkorb und genießt die Frühlingssonne.
So geht's auch am 1. Mai: Eine ältere Frau liegt zum Auftakt der Badesaison im Strandbad Wannsee in einem Strandkorb und genießt die Frühlingssonne.© dpa

Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, er begrüße das Myfest als Beitrag zu einem friedlichen 1. Mai und er arbeite daran, dass eine Lösung gefunden wird. Die Verantwortung sieht er aber beim Bezirk. „Nun liegt es bei der Bezirksbürgermeisterin, ob das Fest stattfinden kann“, sagte Henkel.

Charakter als politische Demonstration verloren

Das Myfest war 2003 von Bezirkspolitikern und Anwohnern ins Leben gerufen worden, um den ritualisierten Ausschreitungen von Linksextremisten ein buntes, politisches und friedliches Fest entgegenzusetzen. Seinen Charakter als politische Demonstration hatte die zunehmend von Caipirinha-Ständen geprägte Meile jedoch immer mehr verloren. Zuletzt kamen zudem so viele Besucher, dass der Bezirk Sicherheitsbedenken hatte, die Veranstaltung weiterhin in Eigenregie durchzuführen. Die Polizei betonte, dass bei einem Volksfest der Veranstalter und nicht die Polizei für Sicherheit sorgen müsse. Das Myfest drohte somit zum Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden.

In Feiertagslaune: Tausende Menschen beim Myfest und im Görlitzer Park in Kreuzberg
In Feiertagslaune: Tausende Menschen beim Myfest und im Görlitzer Park in Kreuzberg© Getty Images

Bei einem Ausfall, so befürchten Politiker im Bezirk und auch im Senat, könnten Linksextremisten versuchen, in dem Gebiet rund um das Kottbusser Tor und den Görlitzer Bahnhof erneut Straßenschlachten anzuzetteln. Unbegründet scheint die Sorge nicht. So kündigten die Veranstalter der traditionellen „Revolutionären 1. Mai Demo“ in der vergangenen Woche an, in diesem Jahr durch das Gebiet ziehen zu wollen, in dem bisher das Myfest stattfand. Man wolle für „einen radikalen Bruch mit den herrschenden Verhältnissen“ demonstrieren.

Die Polizei bestätigte die Anmeldung. Der Veranstalter wolle vom Oranienplatz über Wiener Straße, Sonnenallee, Karl-Marx-Straße, Hermannplatz, Kottbusser Damm, Kottbusser Tor und Adalbertstraße zum Heinrichplatz ziehen. Die Route könne aber, etwa bei Sicherheitsbedenken, noch geändert werden. Es werde Gespräche mit dem Veranstalter geben. Der Anmeldung zufolge rechnet dieser mit 20.000 Teilnehmern.

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