Kreuzberg

Zukunft des Myfestes soll kommende Woche geklärt werden

Der Plan des Bezirksamtes, das Myfest von Veranstalter Willy Kausch ausrichten zu lassen, ist alles andere als sicher.

 Bunte Luftballons und zahlreiche Besucherbeim "Myfest" in Kreuzberg

Bunte Luftballons und zahlreiche Besucherbeim "Myfest" in Kreuzberg

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Gut zwei Monate vor dem 1. Mai ist immer noch nicht klar, ob das traditionelle Myfest auch in diesem Jahr stattfinden kann. Der Plan des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, das alljährliche Bürgerfest von Veranstalter Willy Kausch ausrichten zu lassen, ist alles andere als sicher. Wie die Berliner Morgenpost aus dem Umfeld des Unternehmers erfuhr, soll es zwar Gespräche über eine mögliche Organisation durch Kausch gegeben. Er habe auch Interesse gezeigt. Eine feste Zusage gebe es bisher aber nicht. Kausch selbst war am Sonnabend für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Die Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), hatte am Freitag bestätigt, mit Kausch, dessen Firma seit vielen Jahren die Silvester-Partymeile am Brandenburger Tor organisiert, zu verhandeln. In der kommenden Woche solle es weitere Gespräche geben.

Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, er begrüße das Myfest als Beitrag zu einem friedlichen 1. Mai und er arbeite daran, dass eine Lösung gefunden wird. Die Verantwortung sieht er aber beim Bezirk. „Nun liegt es bei der Bezirksbürgermeisterin, ob das Fest stattfinden kann“, sagte Henkel.

Charakter als politische Demonstration verloren

Das Myfest war 2003 von Bezirkspolitikern und Anwohnern ins Leben gerufen worden, um den ritualisierten Ausschreitungen von Linksextremisten ein buntes, politisches und friedliches Fest entgegenzusetzen. Seinen Charakter als politische Demonstration hatte die zunehmend von Caipirinha-Ständen geprägte Meile jedoch immer mehr verloren. Zuletzt kamen zudem so viele Besucher, dass der Bezirk Sicherheitsbedenken hatte, die Veranstaltung weiterhin in Eigenregie durchzuführen. Die Polizei betonte, dass bei einem Volksfest der Veranstalter und nicht die Polizei für Sicherheit sorgen müsse. Das Myfest drohte somit zum Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden.

Bei einem Ausfall, so befürchten Politiker im Bezirk und auch im Senat, könnten Linksextremisten versuchen, in dem Gebiet rund um das Kottbusser Tor und den Görlitzer Bahnhof erneut Straßenschlachten anzuzetteln. Unbegründet scheint die Sorge nicht. So kündigten die Veranstalter der traditionellen „Revolutionären 1. Mai Demo“ in der vergangenen Woche an, in diesem Jahr durch das Gebiet ziehen zu wollen, in dem bisher das Myfest stattfand. Man wolle für „einen radikalen Bruch mit den herrschenden Verhältnissen“ demonstrieren.

Die Polizei bestätigte die Anmeldung. Der Veranstalter wolle vom Oranienplatz über Wiener Straße, Sonnenallee, Karl-Marx-Straße, Hermannplatz, Kottbusser Damm, Kottbusser Tor und Adalbertstraße zum Heinrichplatz ziehen. Die Route könne aber, etwa bei Sicherheitsbedenken, noch geändert werden. Es werde Gespräche mit dem Veranstalter geben. Der Anmeldung zufolge rechnet dieser mit 20.000 Teilnehmern.