1. Mai

Liveticker zum Nachlesen - Rund 30 Polizisten verletzt

45.000 Menschen feierten beim Myfest, das wegen Überfüllung geschlossen wurde. Bei der „Revolutionären 1. Mai Demo“ kam es zu Zwischenfällen. Rund 120 Anzeigen wurden gestellt. Die Nacht blieb ruhig.

>> Mobilnutzer kommen hier zum Liveticker <<

Vom 1. Mai berichten Andreas Abel, Andreas Gandzior, Sergej Glanze, Patrick Goldstein, Paul Hertzberg, Reto Klar, Ulrich Kraetzer, Judith Luig, Hans H. Nibbrig, Peter Oldenburger, Steffen Pletl, Philip Volkmann-Schluck

Zehntausende Berliner strömten am Freitag nach Kreuzberg, um dort friedlich beim traditionellen „Myfest“ in den Mai zu feiern. Wegen des großen Andrangs wurden am Nachmittag die ersten Eingänge geschlossen. Erst am Abend kam es dann bei der sogenannten „Revolutionären 1. Mai Demo“ zu Ausschreitungen: Gegen 21 Uhr, am Ende des Aufzugs, flogen in Kreuzberg Steine und Flaschen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei habe es sich um vermummte Autonome gehandelt.

Die „Revolutionäre 1. Mai Demo“ war mit etwa 19.000 Demonstranten, weit weniger als vom Veranstalter erwartet, vom Spreewaldplatz in Kreuzberg zum Hermannplatz in Neukölln und von dort wieder zurück nach Kreuzberg zum Endpunkt am Lausitzer Platz gezogen. Polizeisprecher Stefan Redlich sprach von einem weitgehend störungsfreien Aufzug, verwies allerdings zugleich auf vereinzelte Zwischenfälle.

So flogen auf das Gebäude des Polizeiabschnitts 54 an der Sonnenallee Steine und Farbbeutel, einige Demonstranten versuchten an der Karl-Marx-Straße ein leer stehendes Kaufhausgebäude zu stürmen, mehrfach gingen Fensterscheiben von Geschäften zu Bruch. Insgesamt gab es bis Freitagabend um 22 Uhr 40 Festnahmen, teilte die Polizei mit.

„Eine überwiegend friedliche Demonstration“

„Bislang ist das hier eine überwiegend friedliche Demonstration“, berichtete der Innenexperte der Grünen im Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux am Freitagabend. Es habe zwar die „üblichen Straftaten“ wie Steinwürfe und Einsatz von Pyrotechnik gegen Polizisten gegeben, aber der Funke sei nicht auf die große Masse der friedlichen Demonstranten übergesprungen, sagte Lux, der sich gegen 21.40 Uhr am Lausitzer Platz befand.

Die Polizei reagiere besonnen, fügte er hinzu. Von einer weitgehend friedlichen Party auf dem Lausitzer Platz berichtete auch der CDU-Abgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses Peter Trapp gegen 22 Uhr. Lediglich kleinere „Scharmützel“ wie Böller- und Flaschenwürfe im Zuge der Demo-Auflösung seien zu beobachten. „Alle wollen hier feiern, etliche verschiedene Sprachen sind zu hören“, sagte Trapp der Berliner Morgenpost.

Freiwillige Rettungssanitäter hätten berichtet, in den vergangenen Jahren nie so einen problemlosen Abend des 1. Mai erlebt zu haben. Die Übergänge zum Myfest seien von der Polizei immer noch geschlossen, weil es dort nach wie vor sei voll sei, so Trapp.

Friedliches Happening mit Jugendgruppen und Touristen

Die Demo in Kreuzberg werde immer mehr zu einem überwiegend friedlichen Happening, an dem auch viele Jugendgruppen und Touristen aus dem Ausland teilnehmen, befand auch der SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber. Damit werde das Ziel der linksautonomen Szene für diese Demo ad absurdum geführt.

Dabei wurde am Freitag von Beginn an Pyrotechnik gezündet, immer mal wieder flogen Flaschen und Farbbeutel. Nachdem die von Flüchtlingen bewohnte ehemalige Gerhart-Hauptmann-Schule an der Ohlauer Straße noch friedlich passiert worden war, demolierten Demonstranten an der Reichenberger Straße mehrfach die Scheiben von Werbetafeln und brachen Spiegel geparkter Autos ab.

Vermummte wollten C&A-Gebäude stürmen

Als der Aufzug an der Sonnenallee den Polizeiabschnitt 54 passierte, flogen Flaschen und Steine gegen das Gebäude. Daraufhin bezogen Einsatzkräfte an beiden Seiten des Aufzugs Position, um weitere Zwischenfälle zu verhindern. Dennoch versuchten vermummte Demonstranten an der Karl-Marx-Allee, das leer stehende ehemalige C&A-Gebäude zu stürmen. Die Polizei konnte dies jedoch verhindern.

Nach ersten Einschätzungen gingen die vereinzelten Ausschreitungen von den etwa 600 vermummten Mitgliedern des gewaltbereiten schwarzen Blocks aus, der an der Spitze des Aufzuges lief. Im mittleren und hinteren Teil war die Stimmung nach Darstellung von Beobachtern dagegen weitgehend friedlich und entspannt.

Die Polizei war erstmals gefordert, als am späten Nachmittag etwa 150 Linke von der Waldemarstraße den Versuch einer Spontandemo unternahmen. Ihr Ziel war das Myfest-Gelände. Weit kamen sie angesichts der Menschenmassen allerdings nicht.

30 Teilnehmer bei rechter Demonstration

Eine fast schon klägliche Resonanz fanden zuvor am Freitagmittag die beiden zeitversetzten Demonstrationen, zu denen die NPD aufgerufen hatte. Zu einer Veranstaltung am Prerower Platz in Neu-Hohenschönhausen kamen gerade einmal 30 Sympathisanten der rechtextremen Partei. Sie sahen sich etwa 500 Gegendemonstranten gegenüber, die Polizei hielt beide Gruppen mit einem größeren Aufgebot auf Abstand. Auch hier folgte die Berliner Polizei ihrem Konzept einer hohen Eingriffsschwelle bei gewaltlosen Aktionsformen und sofortigem Zugriff bei Ausschreitungen.

So wurden die aggressiven Sprechchöre auf beiden Seiten, insbesondere auch die teils menschenverachtenden Parolen der NPD, geduldet. Und gewalttätige Ausschreitungen blieben hier vorerst aus. Kritisch wurde es, als die Polizei den NPD-Aufzug an einer spontanen Sitzblockade von etwa 90 Linken vorbeiführen musste. Aber auch dabei blieb alles ruhig.

Kurz nach dem NPD-Aufmarsch zog der kleine Trupp Rechter per S-Bahn weiter zum nächsten geplanten Kundgebungsort am Bahnhof Ahrensfelde. Auch dort standen den wenigen NPD-Anhängern Hunderte Gegendemonstranten gegenüber. Die Polizei hatte zuvor dafür gesorgt, dass Linke und Rechte in verschiedenen S-Bahn-Zügen nach Ahrensfelde gelangten. Einen Zwischenfall gab es dort, als Linke versuchten, einen Lautsprecherwagen der NPD anzugreifen und dabei auch Polizeibeamte attackierten.

Verletzte und Festnahmen bei Demos in Hamburg und Weimar

Anders verlief der Tag in Hamburg. Dort kam es bereits kurz nach Beginn einer Demonstration von Linksextremen zu Zusammenstößen mit der Polizei. Teilnehmer warfen Böller und Gegenstände auf die Beamten. Mehrere Polizisten seien verletzt worden. Die Versammlung der rund 700 Demonstranten wurde unter Einsatz einer Reiterstaffel aufgelöst.

Auch in Weimar kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen. Rechtsextreme überfielen die Maikundgebung der Gewerkschaften und verletzten mehrere Menschen. In der Türkei gab es Ausschreitungen während einer regierungskritischen Demonstration. 203 Menschen wurden festgenommen.