Die Menschen hatten einfach keine Lust mehr auf das Gewaltritual. Das ist die wirklich gute Nachricht nach dem 1. Mai 2011. Den Kreuzbergern ist die früher durchaus vorhandene Solidarität mit den selbst ernannten autonomen Klassenkämpfern abhanden gekommen. Selbst Menschen, die Klagen über steigende Mieten und verdrängte Kulturprojekte teilen, geht die Besserwisserei der linksextremen Demonstranten auf die Nerven.

Die gewaltbereiten Autonomen haben damit ihr angestammtes Gebiet verloren. Für eine Bewegung, die ihre Kraft immer auch aus dem Kampf um konkrete „Freiräume“ schöpfte, ist das verheerend. Diese Schwäche der extremen Linken, ihre fehlende Rückendeckung durch die Kreuzberger, weckt die Hoffnung, dass der Mai 2011 der Anfang vom Ende der Mai-Krawalle gewesen sein könnte.

Die umsichtige Polizeitaktik hat viel dazu beigetragen, den Straßenkämpfern die Unterstützung zu entziehen. Diskreter, als sich die Polizei beim Kreuzberger Myfest verhielt, geht es fast nicht mehr. Parolen gegen die „bösen Polizisten“ verhallten dort im Nichts.

Dass die Beamten sich aber auch entschlossen den Randalierern bei der 18-Uhr-Demonstration entgegenstellten und Verantwortliche herausgriffen, ist der zweite Grund für diesen Erfolg. Nach Sonntag hat sich die Debatte über die richtige Polizeitaktik am 1. Mai erledigt: Zu der Mischung von Deeskalation und konsequentem Eingreifen, wenn es zu Übergriffen kommt, gibt es keine sinnvolle Alternative.