Von Privaten zu Gesetzlichen

Tricksen beim Kassenwechsel kann teuer werden

Laut GKV wechseln immer mehr Privatpatienten in eine ihrer Kassen. Die privaten Versicherer halten solche Berichte jedoch für "unseriös".

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Der Verband der privaten Krankenversicherungen (PKV) hat einem Medienbericht widersprochen, wonach die privaten gegenüber den gesetzlichen Kassen ins Hintertreffen geraten seien. „Tatsache ist, dass jedes Jahr weitaus mehr gesetzlich Versicherte in die private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt“, sagte PKV-Sprecher Stefan Reker den „Stuttgarter Nachrichten“.

Wenn die gesetzlichen Krankenversicherungen einen anderen Anschein zu erwecken suchten, sei das „unseriös“. Reker fügte hinzu, die gesetzliche Krankenversicherung müsste ihre Beiträge um zehn Prozent erhöhen, „bekäme sie nicht 15 Milliarden Euro jährlich Zuschuss auf Kosten der Steuerzahler, ganz zu schweigen von Praxisgebühren, Zuzahlungen und Leistungskürzungen“.

Die gesetzlichen Krankenkassen hingegen begrüßen nach eigenen Angaben den Zustrom von Interessenten aus PKV. „Es scheint sich langsam herumzusprechen, dass das schöne Werbebild der PKV von ‚stets besser und billiger’ der Realität nicht entspricht“, sagte ihr Verbandssprecher Florian Lanz: „Im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben ist uns jeder willkommen.“

Der „Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass immer mehr Privatpatienten in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln wollen. „Bei uns häufen sich die telefonischen Anfragen von Privatversicherten, die zur AOK kommen wollen“, so Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland/Hamburg.

Von der privaten Konkurrenz zur Barmer GEK wechselten demnach im vergangenen Jahr rund 27.600 Versicherte, neun Prozent mehr als im Jahr zuvor. Hauptgrund für viele Wechsler sind die hohen Kosten für Privatversicherte mit steigendem Alter. Ulrike Steckkönig, Gesundheitsexpertin der Zeitschrift „Finanztest“, rechnet vor, dass wer sich mit Anfang 30 privat krankenversichere, damit rechnen müsse, dass sich seine Beiträge bis zum Eintritt ins Rentenalter mindestens verdreifachen.

Regulatorische Hürden sollen einen Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung erschweren – wenn nicht gar verhindern. Der Gesetzgeber will damit ausschließen, dass sich junge Menschen günstig während ihres Arbeitslebens bei einer privaten Kasse versichern und später – wenn die Beiträge stark anziehen – in die gesetzliche Kasse wechseln. Denn sonst fallen sie in schlechten Jahren einer Solidargemeinschaft zur Last, der sie sich in guten Jahren entzogen haben.

Schlupflöcher und Tricks

Es gibt für Wechselwillige nur wenige Schlupflöcher und Tricks, um von der Privaten auf die Gesetzliche umzusatteln. Viele dieser Möglichkeiten liegen zudem in einer Grauzone. Verbraucherschützer warnen eindringlich vor Schummelei: Privatversicherte sollten ehrlich sein, wenn sie wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurück wollen.

„Sich ein Wechselrecht mit Tricks zu erschleichen, ist gefährlich“, sagte Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Fliege der Schwindel auf, verlören die Versicherten unter Umständen ihren Schutz in der gesetzlichen Krankenversicherung und müssten sich wieder privat versichern. Auch Schadenersatzforderungen seien eine Folge.

Der Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ist an strenge gesetzliche Vorgaben geknüpft. „Wer im Jahr weniger als 50.850 Euro brutto verdient, wird wieder in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert“, erklärte Rudnik. Auch Bezieher von Arbeitslosengeld könnten sich eine gesetzliche Kasse suchen. „Bezieher von Arbeitslosengeld II müssen allerdings in der privaten Krankenversicherung bleiben.“ Auch wer älter als 55 Jahre ist, könne nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung zurück.

Daneben gibt es noch Tricks, die allerdings mit empfindlichen Gehaltsverlusten einhergehen können: So kann bei einer Neueinstellung das Anfangsgehalt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze vereinbart und erst nach dem dann möglichen Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung auf das eigentlich ausgehandelte Niveau angehoben werden.

Eine andere Möglichkeit ist, seine Arbeitsstunden zeitweise soweit zu reduzieren, dass das Gehalt unter die Versicherungspflichtgrenze fällt. Der Arbeitgeber muss dabei allerdings mitspielen und im Sinne des Gesetzgebers ist ein solches Vorgehen sicher auch nicht.

Nicht empfehlenswert sei es, zu einem anderen Versicherungsunternehmen zu wechseln. „Das ist der schlechteste Rat, den man geben kann“, sagte Rudnik. Denn damit sei meist eine neue Gesundheitsprüfung verbunden. Zudem gingen die bisher erworbenen Altersrückstellungen verloren.