Altersvorsorge

Das sind die wichtigsten Tipps für Lebens-Policen

Das liebste Altersvorsorgeprodukt der Deutschen steckt in der Krise. Morgenpost Online beantwortet die zentralen Fragen zur Lebensversicherung.

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Einmal einen Vertrag abschließen, 30 Jahre zahlen und sich dabei sorgenfrei auf den Ruhestand freuen. Das Rundum-sorglos-Paket Lebensversicherung soll Policen-Sparern eigentlich das Kümmern um die Altersvorsorge abnehmen. Sorgenfrei ist das Dasein eines Lebensversicherten jedoch nicht mehr. Morgenpost Online hat die wichtigsten Fragen und Antworten für Leser zusammengestellt, die über den Abschluss einer Versicherung als Geldanlage nachdenken oder bereits einen solchen Vertrag in Händen halten.

Soll ich jetzt noch eine Privatrente abschließen, weil 2012 Garantiezins und Steuervorteil geringer ausfallen?

Als erste Wahl für die Altersvorsorge raten Verbraucherschützer von einer Lebensversicherung ab – unabhängig davon, wie hoch Garantiezins oder Steuervorteil ausfallen. „Der Neuabschluss einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung ist so gut wie nie empfehlenswert“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender beim Bund der Versicherten (BdV).

Renditen von über sieben Prozent, die viele Kunden noch positiv in Erinnerung haben, gehören lange der Vergangenheit an. Vor allem die niedrigen Zinsen machen Versicherern zu schaffen: Wenn zehnjährige Bundesanleihen bei kaum mehr als zwei Prozent rangieren, fällt es den auf langfristige Anlagen setzenden Versicherern schwer, ihr (Kunden-)Kapital mit Auskommen anzulegen. Die durchschnittliche Garantieverpflichtung der Branche beträgt 3,4 Prozent – die müssen erst mal erwirtschaftet werden.

Wichtig ist immer, persönlichen Bedarf und Möglichkeiten zu überprüfen. „Nur wer bereits so fest im Leben steht, dass er sicher ist, auch über zehn, 20 oder 30 Jahre seine Beiträge zahlen zu können, zu dem passt eine Lebensversicherung eventuell“, sagt Kleinlein. Wer kündige, mache Verlust. „ Aus ganz individueller Sicht kann sich Riester lohnen – wenn der Sparer sicher ist, auch in Zukunft das Geld zu haben, um genug einzuzahlen und wenn er möglichst hohe Zulagen vom Staat erhält.“

Die Gesellschaften senken ihre Überschussbeteiligung. Macht das die Policen noch unattraktiver?

Für 2012 haben viele Anbieter angekündigt, dass sie ihre laufende Verzinsung unter die Vier-Prozent-Marke senken müssen. Beim klassischen Produkt ist diese als Teil der Überschussbeteiligung ein wichtiger Faktor. Alleinbestimmender Punkt ist die laufende Verzinsung allerdings nicht.

„Bei vielen neuen Produkten weiß der Kunde meist gar nicht, ob er überhaupt einen Anspruch auf die gesamte Überschussbeteiligung hat“, sagt Kleinlein. Wer sich jetzt für eine Lebensversicherung entscheide, dürfe sich daher nicht von der Werbung in die Irre leiten lassen. Viel wichtiger sei immer die Höhe der Kosten – das Einzige, worauf sich Versicherungskunden heute noch verlassen können.?

Sollten Frauen noch schnell eine Lebensversicherung abschließen, weil Unisex-Tarife diese teurer machen?

Ohnehin gilt: Mal schnell eine Bindung für den Großteil seines Lebens einzugehen ist so gut wie nie empfehlenswert. Zudem müssen Unisex-Tarife erst ab Dezember 2012 angeboten werden. Es stimmt, d ass dann einige Policen für Frauen, andere wiederum für Männer kostspieliger werden.

Dabei unterscheiden sich Risikolebensversicherung und Kapitallebensversicherung. Beiden gemein ist, dass der Anbieter verspricht, einen vereinbarten Betrag zu zahlen, wenn der Versicherte stirbt. Bei der Kapitallebensversicherung geht es jedoch zusätzlich um das Ansparen von Geld.

Diese Kombination von Risikoschutz und Kapitalanlage ist in den allermeisten Fällen nicht empfehlenswert. Für Frauen dürfte rein rechnerisch nur die Risikolebensversicherung teurer werden. Sie profitieren heute noch von der statistischen Wahrscheinlichkeit, älter zu werden als Männer – und dem damit einhergehenden geringeren Risiko eines frühzeitigen Todes.

Soll ich meine Lebenspolice kündigen? Ich traue dem Produkt nicht mehr und möchte mein Geld lieber anders anlegen.

Ein großes Problem bei Lebenspolicen ist, dass die Anbieter unflexibel reagieren, wenn Kunden nicht länger an ihren Verträgen festhalten können oder wollen. Ob Krankheit, Jobverlust, oder andere Notsituationen – aus Sicht der Versicherer ist es verständlich, dass sie ihre Kunden nicht einfach aus dem Versichertenkollektiv entlassen wollen. Schließlich müssen die Gesellschaften in langen Zeiträumen denken und kalkulieren.

Für Kunden, die ihre Police kündigen müssen, bedeutet das vor allem im ersten Drittel ihres Vertrages, dass sie Gefahr laufen, ihre bislang eingezahlten Prämien zu verlieren. Selbst wer über Jahre hinweg eingezahlt hat, erhält von seinem Anbieter selten einen zufriedenstellenden Rückkaufswert. Auch bei einer Kündigung ist der Kunde also Verlierer – doch er ist zumindest raus aus seinen Verpflichtungen.

Die oft empfohlene Beitragsstellung ist nur selten eine Alternative. Auch hier fallen meist Stornokosten an – zumal es sein kann, dass ursprünglich vereinbarte Konditionen beim Wiederaufnehmen des Vertrages verloren gehen. Ein Vorteil ist, dass der Kunde einen Teil seines Versicherungsschutzes behält.

Bei der Frage nach der Kündigung muss es darum gehen, ob der Kunde seine Altersvorsorge alternativ besser betreiben kann. Wer einen Vertrag aus den 90er-Jahren hat, mit noch vier Prozent garantierter Verzinsung auf den Sparanteil, wird Schwierigkeiten haben, eine entsprechende, relativ sichere, Anlageform zu finden. „Das ist jedoch nur ein ganz geringer Teil der Policen-Sparer“, sagt Kleinlein.

Gibt es andere Optionen, als den Vertrag zu kündigen?

Wer erst in den letzten Wochen einen Vertrag unterzeichnet hat und merkt, dass er eine falsche Entscheidung getroffen hat, kann widerrufen: 30 Tage nach Erhalt von Police, Versicherungsbedingungen und Widerrufsbelehrung.

Wer diese Möglichkeit nicht mehr hat, kann seinen Vertrag beitragsfrei stellen und muss so immerhin keine Prämien mehr zahlen – Stornokosten können dennoch anfallen. Diese Option lohnt daher allenfalls, wenn der Ablauf desVertrages nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt. Dann heißt es: Zähne zusammenbeißen. In Ausnahmefällen ist auch der Verkauf der Police möglich. Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten belebt sich der Zweitmarkt mit Lebenspolicen wieder etwas. Wer die Möglichkeit eines Verkaufs seiner Kapitallebenspolice in Erwägung zieht, sollte darauf achten, dass der Risikoschutz für seine Hinterbliebenen bestehen bleibt.

Es ist jedoch ohnehin problematisch, einen Anbieter zu finden. Die Gesellschaften wollen vor allem bereits lang laufende und fett angesparte Verträge kaufen. Bei denen jedoch lohnt es sich für den Policen-Halter in der Regel, selbst durchzuhalten.

Verbinden Sie sich mit den Morgenpost Online-Autoren auf Twitter. Holger Zschäpitz hat vor allem die weltweite Verschuldung der Staaten im Blick .