Staatsanleihen

Euro-Sorgenkinder bieten fabelhafte Renditen

Mit Italien und Spanien lässt sich an der Börse viel mehr verdienen als mit deutschen Anleihen. Doch dafür brauchen Anleger starke Nerven.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wird zum Patron der Investoren. Bei einer europapolitischen Grundsatzrede präsentierte er sich als Garant der Anlegerinteressen: „Kein Sparer wird einen einzigen Cent mit europäischen Staatsanleihen verlieren“, rief Sarko, wie ihn seine Fans nennen, in die Kameras. Der Schuldenschnitt in Griechenland werde die Ausnahme bleiben.

Sarkozys Auftritt bestärkte jene, die nun eine Trendwende in der Euro-Krise sehen. Seit Montag kehren die Investoren wieder in die Anleihenmärkte der Region zurück: Die Kurse der Papiere gingen nach oben, die Risikoaufschläge (Spreads) schmurgelten zusammen: Den Mehrzins, den Belgien auf deutsche Bundesanleihen zahlen muss, ging um enorme 120 Basispunkte (1,20 Prozentpunkte) zurück. Das entsprach einem Kursgewinn von neun Prozent.

Bei Anleihen bedeuten zurückgehende Renditen steigende Notierungen – und umgekehrt. Nach oben schnellende Anleihenkurse sahen auch Spanien, Österreich, Irland, Frankreich und Italien . Trotz der jüngsten Rallye liegen die potenziellen Erträge der meisten Euro-Staatsanleihen noch immer deutlich über denen deutscher Anleihen . Die Rendite des zehnjährigen Bunds betrug am Freitag 2,1 Prozent, einjährige brachten nicht mal 0,1 Prozent. Dieser Zinsnotstand lässt Risikobereite mehr und mehr bei nichtdeutschen Titeln Ausschau halten. Die Hoffnungen richten sich auf die EZB.

Viele setzen darauf, dass am 9. Dezember die Vorstufe einer Fiskalunion vereinbart wird. „Die Zentralbank könnte dieses Signal zum Anlass nehmen, ihre Bondkäufe zu intensivieren, um der Politik Rückendeckung zu geben“, sagt Sarah Hewin, Strategin bei Standard Chartered.

Zwar hat die Institution schon jetzt Problembonds für mehr als 200 Milliarden Euro am Markt erworben. Die Interventionen der EZB könnten eine Hausse auslösen. Manche Privatanleger wittern daher jetzt das große Geschäft mit den heruntergeprügelten Euro-Staatsanleihen . Schon am Montag, wenn Sarkozy auf Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft , könnten die Eckpunkte der neuen Euro-Konstruktion bekannt gegeben werden. Kehrt das Vertrauen in den Markt zurück, könnten italienische, spanische oder irische Papiere ihre üppigen Renditeaufschläge zu Bundesanleihen weiter deutlich abbauen.

Mutige würden dann einen guten Schnitt machen. Denn werden die Papiere, die jetzt teils deutlich unter 100 Prozent ihres Nennwerts (unter pari) notieren, später ohne Abstriche getilgt, sacken Anleger zusätzlich zu dem festen Zins (Kupon) noch einen Kursgewinn ein. Wie bei allen anderen Orders mit Peripherie-Bonds sollten Investoren streng limitiert ordern, damit sie nicht zu überhöhten Notierungen kaufen.

141 Prozent Gewinn mit Griechenland

Ein extremes Beispiel ist die Griechenland-Anleihe, die nächsten März ausläuft und am Markt als „My Big Fat Greek Bond“ (WKN: A0T6US) bekannt ist. Aktuell notiert das Papier bei 43 Prozent. Tilgt Athen die Anleihe bei Fälligkeit am 20. März 2012 zu 100 Prozent, fahren Anleger einen Gewinn von 141 Prozent ein. Das entspricht einer Jahresrendite von 476 Prozent.

Allerdings kommt der Griechen-Bond nur für hochspekulative Investoren in Frage. Wenn es schlecht läuft, sind selbst auf dem jetzigen Kursniveau hohe Verluste möglich. Die jüngste Marktentwicklung sendet Warnsignale: Obwohl die Europäer in dieser Woche die nächste Hilfstranche von acht Milliarden Euro bewilligt und damit die Gefahr der Staatspleite erst mal abgewendet haben, gingen die Notierungen der Anleihe weiter nach unten.

Der zweite Faktor, der stutzig macht, sind die neuen Forderungen Griechenlands an die Banken: Anders als noch im Oktober vereinbart sollen die Institute nicht nur auf 50 Prozent ihrer Kredite verzichten, sondern auf 75 Prozent. Privatanleger sind von diesen Verhandlungen zwar nicht betroffen; enden die Gespräche jedoch in der Sackgasse, droht doch noch ein unkontrollierter Staatsbankrott . In diesem Fall würde am 20. März womöglich kein Cent an die Anleger zurückgezahlt.

Ob die Sparer ihr Kapital dann je wiedersehen, ist völlig ungewiss. Bei anderen Staatsbankrotten in der Geschichte dauerte es bis zu 24 Jahren, bis überhaupt wieder Geld floss. In einigen Fällen mussten Anleger 90 Prozent abschreiben. Bei der spektakulärsten Pleite der jüngeren Zeit, dem Argentinien-Default von 2001, mussten die Halter der Bonds bis 2005 warten, dann bekamen sie 37 Prozent des Nennwerts wieder. Ebenfalls spekulativ sind die portugiesischen Papiere. Staatsanleihen, hinter denen Lissabon als Schuldner steht, werfen bis zu 17 Prozent Jahresrendite ab. Das ist beachtlich, beachtlich ist aber auch das Risiko.

Manche Strategen sehen Portugal als zweiten Kandidaten für eine Umschuldung. An den Märkten für Kreditderivate gilt Portugal als unsicherer denn Argentinien oder Venezuela. Irland hingegen scheint aus Sicht der Kapitalmarktteilnehmer Chancen zu haben, ohne einen Schuldenschnitt auszukommen.

Zwar musste Dublin ebenso wie Athen und Lissabon um Hilfsgelder aus Brüssel nachsuchen, doch hat der frühere keltische Tiger noch am ehesten die Substanz, sich aus eigener Kraft aus der Misere zu befreien. Bis zu neun Prozent werfen die Iren-Bonds aktuell ab.

Optimisten hoffen, dass auch Spanien und Italien die Wende schaffen. In Rom wird der neue Premier Mario Monti am Montag sein Sparpaket vorstellen. Zuletzt warfen italienische Anleihen rechnerisch rund sieben Prozent ab. Allerdings ist es schwer, Italien-Bonds in Deutschland direkt zu handeln. Freunde italienischer Schulden können auf Rentenfonds mit einem hohen Italien-Anteil ausweichen. Und auf Sarkozy hoffen.

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