Zertifikate

Sparpläne mit Derivaten sichern den Ruhestand

Fonds und Zertifikate sind eine gute Alternative für die private Altersvorsorge. Vor allem die geringen Verwaltungsgebühren sind attraktiv für Anleger.

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Nach Berechnungen der Stiftung Warentest wird die monatliche Rentenlücke eines heute 46-Jährigen verheirateten Alleinverdieners mit einem Bruttolohn von 30.000 Euro später einmal bei rund 850 Euro liegen. Bezieht man die Riester-Rente in die Betrachtung mit ein, werden es immer noch gut 600 Euro sein. Diese Lücke kann der Normalverdiener – Lottogewinne oder umfangreiche Erbschaften einmal ausgeschlossen – nur durch intensive Sparbemühungen in Anlageprodukte mit attraktiven Renditen schließen.

Steuerlich gefördert werden hierzulande aber im Wesentlichen Kapitallebensversicherungen, die ab dem kommenden Jahr gerade noch eine garantierte Mindestverzinsung von 1,75 Prozent bieten und zudem auch nicht mit übermäßig niedrigen Kosten glänzen.

Analysten fordern mehr Wettbewerb

Auf dem Anfang der Woche in Frankfurt abgehaltenen Deutschen Derivate Tag forderte der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Derivate Verbands (DDV) Hartmut Knüppel, dass im Rahmen der privaten Altersvorsorge alle Finanzprodukte, die sparplanfähig sind, den Kapitallebensversicherungen steuerlich gleichgestellt werden müssten.

Dies würde den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Anlageformen erhöhen und dazu beitragen, dass mehr Anleger auch Fonds-, ETF- oder Zertifikatesparpläne in ihre Planungen für die Altersvorsorge einbeziehen würden.

Denn es lässt sich leicht zeigen, welche Erfolge sich mit diesen Produkten auf lange Sicht bereits bei relativ überschaubaren Einzahlungsraten erzielen lassen. Dazu wird die monatliche Investition in ein Produkt unterstellt, das sich ähnlich entwickelt wie der Deutsche Aktienindex, also beispielsweise ein entsprechendes Indexzertifikat auf den Dax.

Der Index für die 30 wichtigsten heimischen Blue Chips wurde Ende 1987 auf 1000 Punkte normiert. Heute notiert er bei rund 5600 Zählern. Trotz Kursverlusten von über 25 Prozent seit Anfang Mai entspricht dies immer noch einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 7,5 Prozent. Zieht man hiervon einen halben Prozentpunkt für unterstellte Einzahlungs- und Verwaltungskosten ab, bleiben sieben Prozent übrig.

Nur geringe Verwaltungsgebühren

Beim Fortschreiben dieser Rendite und monatlichen Sparraten von lediglich 200 Euro sammelt sich innerhalb von zehn Jahren inklusive Zins und Zinseszins sowie unter Berücksichtigung der bei Auszahlung fällig werdenden Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent ein Betrag von immerhin 31.669 Euro an.

Auch wenn es sich hierbei nur um eine theoretische Betrachtung handelt, da Kursbewegungen der Vergangenheit niemals als Indikator für die zukünftige Entwicklung herangezogen werden dürfen, sicherlich ein guter Anfang.

Wird der Sparvorgang nicht nur über zehn, sondern über 30 Jahre konsequent fortgeführt, erhöht sich das auf diese Weise angehäufte Vermögen unter den gleichen Voraussetzungen sogar auf 192.231 Euro. Bei einer unterstellten Verzinsung in Höhe des garantierten Mindestsatzes für Kapitallebensversicherungen von 1,75 Prozent per annum beliefe sich der Gesamtbetrag bei vergleichbaren Einzahlungen dagegen gerade einmal auf 94.529 Euro – und zwar ohne Abzug jeglicher Steuern.

Aufgrund ihrer geringen Verwaltungsgebühren und den bei diesen Produkten nicht erhobenen Ausgabeaufschlägen eignen sich Exchange Traded Funds (ETF) und Anlagezertifikate besonders gut für den langfristigen Vermögensaufbau.

Große Auswahl an Zertifikatesparplänen

So führt bereits eine jährliche Managementgebühr von einem Prozent, wie sie bei vielen klassischen Fonds erhoben wird, im obigen Beispiel zu einer Reduzierung des Endvermögens um 29.000 Euro, wiederum nach Berücksichtigung der Abgeltungsteuer. Auch bei der Wahl der Bank ist der Kostenaspekt deshalb unbedingt im Auge zu behalten. Bei geringen Sparraten empfiehlt es sich zudem, von monatlichen auf quartalsweise Einzahlungen mit entsprechend höheren Summen auszuweichen.

Mit rund 140 Varianten verfügen die Comdirect und die DAB Bank derzeit über die größte Auswahl an Zertifikatesparplänen. Neben klassischen Indexpapieren umfassen die Produktpaletten dabei auch eine Vielzahl von Basket-, Themen- und Strategiezertifikaten. Auch bezüglich der Basiswerte bleiben kaum Wünsche offen. So ist selbst die Daueranlage in Edelmetalle und Rohstoffe oder auf Zinsen, Währungen und Hedgefonds mit regelmäßigen Einzahlungen möglich.

Trotz der hohen Vielfalt drängen sich für den langfristigen Vermögensaufbau in der hier beschriebenen Form allerdings nur wenige Produkte wirklich auf. Zu nennen sind dabei insbesondere Zertifikate auf den Dax oder den Euro-Stoxx-50-Total-Return-Index, bei denen ausgeschüttete Dividenden im Index verrechnet werden und damit dem Anleger und nicht dem Emittenten zugutekommen.

Komplexere Varianten oder Papiere auf sehr exotische Anlagetrends erfüllen indes in der Regel nicht die Anforderungen, die im Rahmen eines langfristigen Sparplans an Diversifikation, Transparenz und Kostenstruktur zu stellen sind. Nachvollziehen lässt sich der historische Investitionserfolg der verschiedenen Zertifikatesparpläne übrigens anhand des DDV-Zertifikate-Sparplanrechners, der beim Deutschen Derivate Verband, www.derivateverband.de, kostenlos bestellt werden kann.

Noch umfangreicher ist das Angebot an ETF-Sparplänen, bei denen es Anbieter wie die DAB Bank sogar auf mehr als 200 unterschiedliche sparplanfähige Produkte bringt. Auch hierbei sollten sich Anleger aber auf die Flaggschiffe der Anbieter fokussieren und auf die anfallenden Managementgebühren achten.

Fazit: Obwohl es sich bei ETF- und Zertifikatesparplänen aufgrund ihrer geringen Kosten, der einfachen und flexiblen Handhabung sowie des sehr überschaubaren Verwaltungsaufwands um überaus geeignete Mittel zum langfristigen Vermögensaufbau handelt – und eine steuerliche Diskriminierung gegenüber Kapitallebensversicherungen deshalb unangebracht ist –, kommen Anleger um die Überwachung nicht vollkommen herum.

So sollte zur Vermeidung von Klumpenrisiken in größeren Abständen über einen Wechsel des Sparplans nachgedacht werden. Aufgrund des langen Zeithorizontes ist bei Zertifikatesparplänen zudem ein regelmäßiger Blick auf die Bonität der Emittenten zu werfen.