Größter Tagesgewinn seit zweieinhalb Jahren.

Mehr als fünf Prozent – Dax legt weiter rapide zu

Gerüchte um eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms EFSF wirken sich positiv auf die Stimmung der Aktienmärkte aus. Der Dax stieg um bis zu 5,5 Prozent auf 5638,04 Punkte und verbuchte damit seinen größten Tagesgewinn seit zweieinhalb Jahren.

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Die Hoffnung auf Fortschritte im Kampf gegen die Schuldenkrise hat den Leitindex beflügelt.

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Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat am Dienstag weiter rapide zugelegt. Kurz vor Handelsschluss kletterte der deutsche Leitindex um 5,2 Prozent auf 5627 Zähler nach oben. Am deutlichsten legten dabei die Kurse von Finanzinstituten zu. Die Deutsche Bank und die Commerzbank gewannen zwischenzeitlich mehr als zwölf Prozent hinzu. Der Kurs des Versicherers Allianz kletterte um acht Prozent ins Plus.

Auch an den übrigen europäischen Handelsplätzen kletterten die Indizes deutlich nach oben. Der CAC-40 in Paris gewann zwischenzeitlich ebenfalls mehr als fünf Prozent. Der FTSE-100-Index an der Londoner Börse legte 3,7 Prozent zu. Der Leitindex FTSE Mib an der Mailänder Börse gewann bis kurz vor Handelsschluss 4,5 Prozent. Auch am Handelsplatz in Madrid kletterte der Index für die 35 größten Aktiengesellschaften des Landes, der Ibex-35, um 4,1 Prozent in die Höhe.

Seit Montag hellt sich die Stimmung an den Börsen nach mehreren Wochen der Abwärtsbewegung wieder auf. Binnen zwei Tagen machte der Dax seinen Kursabsturz aus der vergangenen Woche wieder wett. Ursache für den Wiederaufstieg sind Gerüchte, wonach der Euro-Rettungsschirm EFSF noch weiter aufgestockt werden soll. Diesen Spekulationen erteilte die Bundesregierung am Dienstag zwar eine Absage, die Anleger zeigten sich von dem Dementi aber unbeeindruckt.

Hoffnung auf Krisen-Lösung

Die Hoffnung auf effektivere Instrumente gegen die Euro-Schuldenkrise lassen die Aktienkurse in Deutschland und Europa in die Höhe schießen. „Die Börsen leben derzeit ausschließlich von der Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Griechenlandproblems“, sagte Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Investoren nutzten jede optimistische Äußerung, um teils stark unterbewertet erscheinende Aktien zu kaufen. Bei negativen Stimmen setzten aber sofort wieder Gewinnmitnahmen – also Verkäufe – ein. Die Stimmung sei also sehr fragil.

Die neue Euphorie an den Märkten stützt sich zum einen auf kräftige Kursgewinne an der Wall Street. Außerdem begrüßen Händler die Idee eines neuen „Hebel“-Konzepts, wonach sich der Rettungsfonds EFSF noch weiteres Geld – zum Beispiel mit Hilfe der Europäischen Zentralbank – leihen könnte. Dies würde seine Feuerkraft in der Schuldenbekämpfung noch einmal drastisch erhöhen, so die Hoffnung.

Für viele Anleger ist dies eine sehr gute Idee, wie Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank kommentierte. Immerhin sei zuvor wochenlang eine Pleite Griechenlands befürchtet worden. Doch der Experte warnte auch: „Letztlich ist das noch keine Lösung.“ Börsianer sähen weiter große Risiken: Wenn die Bundesregierung am Donnerstag bei der Abstimmung im Bundestag über den Rettungsschirm EFSF keine eigene Mehrheit bekomme, „würde sie sich als in der Eurokrise politisch handlungsunfähig erweisen“, lautet seine Befürchtung.

Dax-Spitzenreiter waren die Papiere der Deutschen Bank (mehr als 10 Prozent im Plus) und Allianz (mehr als 8 Prozent). Der Euro gewann wieder etwas an Kraft, und zwar um knapp einen Cent auf 1,3579 Dollar. Auch der Goldpreis stoppte seine jüngste Talfahrt, die Feinunze verteuerte sich zwischenzeitlich um rund 50 Euro auf mehr als 1670 Dollar.

US-Präsident Barack Obama mahnte unterdessen ein besseres Krisenmanagement der Europäer an. Wenn es der Weltwirtschaft nicht gut gehe, habe Europa seinen Anteil daran: „Sie bemühen sich, verantwortungsvoll zu handeln, aber diese Aktionen waren nicht ganz so schnell, wie es nötig gewesen wäre“, bemängelte Obama am Montag (Ortszeit) bei einer Veranstaltung des Business-Netzwerks LinkedIn. Europa habe sich niemals von der Krise 2007 erholt: „Und sie haben nie umfassend auf all die Herausforderungen reagiert, denen ihr Bankensystem ausgesetzt war.“ So vernetzt wie die Welt sei, „trifft dies auch uns“.

Zugleich ermahnte die „Washington Post“ in einem Kommentar Bundeskanzlerin Angela Merkel zu entschlossenem Handeln in der Eurokrise. „Die Weltwirtschaft könnte davon abhängen wie Frau Merkel die Krise in den nächsten Tagen anpackt.“ Deutschland müsse Verantwortung und Solidarität zeigen, heißt es in dem Kommentar mit dem Titel „Deutschlands Aufgabe“.