Börsen-Bericht

Versöhnliches Ende eines schwarzen Monats

Der August ist aber der schlechteste Börsenmonat seit 2002. Telekom-Aktie bricht ein, weil der T-Mobile-Verkauf in den USA auf der Kippe steht.

Für die Anleger am deutschen Aktienmarkt geht ein schwarzer August mit einem Hoffnungsschimmer zu Ende. Ungeachtet eines massiven Kurssturzes bei der Telekom-Aktie schloss der Dax 2,5 Prozent höher bei 5784,85 Punkten. Die Monatsbilanz wird durch das Kursplus aber nur wenig aufgehellt: Mit einem Minus von 19,2 Prozent war es für den deutschen Leitindex einer der schwächsten Monate seiner Geschichte.

Nur der September 2002 fiel wegen der Furcht vor einem Konjunkturabschwung und dem heraufziehenden zweiten Irak-Krieg mit einem Minus von 25,4 Prozent ein höherer Verlust an.

Die Angst vor einem Rückfall in eine globale Rezession sowie die Schuldenkrisen in Europa und den USA haben nicht nur dem Dax schwer zugesetzt. Auch der EuroStoxx50 fuhr mit einem Minus von gut 14 Prozent im August die höchsten monatlichen Verluste seit Oktober 2008 ein.

Besonders groß war der Vertrauensverlust bei den Finanzinstituten. Der Index der europäischen Bankaktien fuhr mit einem Abschlag von 17,4 Prozent ebenfalls seinen höchsten Monatsverlust seit Oktober 2008 ein. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank rauschten im August rund 26,7 Prozent in die Tiefe, die Papiere der Commerzbank um rund 22,2 Prozent.

Fed-Protokoll nährt Hoffnung

Am Mittwoch sorgte das am Vorabend veröffentlichte Protokoll zum jüngsten Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) sowie neue Konjunkturdaten aus den USA jedoch für Kauflaune unter den Anlegern. Aus den Protokollen der Fed-Sitzung ging hervor, dass sich einige Notenbanker für drastischere Schritte gegen die Flaute in der US-Wirtschaft ausgesprochen hatten.

Deshalb stiegen die Erwartungen an das Treffen der Fed im September, sagte Helaba-Aktienstratege Christian Schmidt. „Man glaubt, dass die Fed der Heilsbringer sein wird.“ Die US-Notenbank hat ihr September-Treffen auf zwei Tage verlängert, um ausführlich über neue Stützungsmaßnahmen zu beraten.

Unterstützend wirkten zudem Daten vom US-Arbeitsmarkt: Zwar blieben die August-Zahlen des privaten Anbieters ADP hinter den Prognosen zurück, an den Finanzmärkten sei aber mit noch schlechteren Daten gerechnet worden, sagte ein Börsianer. Nun warte man gespannt auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht am Freitag. Auch weitere US-Zahlen machten den Anlegern Mut. So stiegen die Aufträge der Industrie im Juli um 2,4 Prozent und damit stärker als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex aus Chicago überraschte mit 56,5 Punkten ebenfalls positiv. „Vorboten einer Rezession sehen anders aus“, sagte Analyst Heinrich Bayer von der Postbank. „Vielmehr deuten die Daten der letzten Tage auf eine gewisse Beschleunigung des US-Wachstums hin – bei allerdings sehr, sehr großer Unsicherheit.“

US-Justizministerium will T-Mobile-Verkauf verbieten

Ein Kurssturz von 7,6 Prozent auf 8,80 Euro der Telekom-Aktie trübte die Gesamtstimmung allerdings etwas. Das US-Justizministerium klagt Gerichtsunterlagen zufolge gegen den geplanten 39 Milliarden Dollar schweren Verkauf der Mobilfunk-Tochter T-Mobile USA an AT&T . Die Aktien von AT&T sackten in New York um vier Prozent ab. „Das ist eine Überraschung, mit der AT&T sicher nicht gerechnet hat“, sagte Steve Clement, Analyst von Pacific Crest. „Damit wird T-Mobile USA womöglich auch wieder Übernahmekandidat für Sprint Nextel.“ Die Sprint -Aktien schossen um fast zehn Prozent nach oben.

Auf der Gewinnerseite im Deutschen Leitindex standen die Aktien der Lufthansa ganz oben. Sie stiegen um 5,7 Prozent auf 11,79 Euro. „Das sind Anschlusskäufe, nachdem die Aktien bereits am Dienstag wegen der Aussagen von Konzernchef Christoph Franz nach oben gegangen sind“, sagte ein Händler. Franz hatte die Gewinnprognose für dieses Jahr bestätigt und will die Abspaltung defizitärer Geschäfte prüfen.

Allianz -Papiere verteuerten sich um 5,3 Prozent auf 71,73 Euro. Goldman Sachs hat die Titel zum Kauf empfohlen. Der Blick des Marktes auf das Lebensversicherungsgeschäft sei übertrieben skeptisch, die Aktien zu stark verkauft worden, hieß es zur Begründung.