Börsen-Bericht

Rätselhafter Kurssturz stoppt Dax-Erholung

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Ohne bisher ersichtlichen Grund bricht der deutsche Leitindex Dax erneut um rund vier Prozent ein. Zum Handelsschluss erholen sich die Kurse allerdings.

Ein überraschender Kurssturz hat die Erholung des deutschen Leitindex Dax gestoppt. Es kam zu einem regelrechten Absturz im Index, der am Markt für Kopfschütteln und Staunen sorgte.

Nachdem der Dax am Morgen noch bis auf 5777 Punkte gestiegen war und seit seinem Tief aus der vergangen rund acht Prozent gutgemacht hatte, brach er rund eineinhalb Stunden vor Handelsschluss ohne ersichtlichen Grund um rund vier Prozent oder 200 Punkte ein.

Mit einem Abschlag von 1,71 Prozent auf 5584,14 Punkten beendete das Börsenbarometer schließlich einen schwankungsreichen Handelstag. Der MDax verlor 0,48 Prozent auf 8705,91 Punkte und der TecDax sank um 0,29 Prozent auf 717,22 Punkte.

Auch der Euro gibt nach

Eine Fülle von Gerüchten hat den Euro unter Druck gesetzt. Spekulationen auf ein allgemeines Leerverkaufsverbot in Deutschland und auf mögliche Probleme mit einer neuen Tranche des Hilfspakets für Griechenland belasteten die Gemeinschaftswährung.

Zur US-Währung sackte der Euro um fast einen halben US-Cent auf 1,4344 Dollar ab. Der Internationale Währungsfonds (IWF) teilte mit, dass das Direktorium über die nächste Tranche für Griechenland Ende September sprechen werde. „Am Markt wird jedoch befürchtet, dass das Paket so nicht durchgehen könnte“, sagte Devisenanalyst Mario Mattera vom Bankhaus Metzler.

Dass der Euro darauf reagiere, habe viel mit der aktuellen Nervosität an den Finanzmärkten zu tun: „Wir handeln sehr viel Gerüchte.“ Nach Angaben des IWF hat Griechenland kein weiteres Kreditprogramm angefordert. Die Unsicherheit trieb Anleger wieder in Bundesanleihen; der Bund-Future stieg um 27 Ticks auf 134,82 Zähler. Der Dax verzeichnete zugleich herbe Verluste und stürzte zeitweise um vier Prozent ab.

Die anhaltende Debatte um die Hinterlegung von Sicherheiten für Kredithilfen an Griechenland trieb zudem die Renditen von Anleihen des hoch verschuldeten Landes auf neue Rekordhöhen. Zweijährige griechische Papiere warfen mit bis zu 46,931 Prozent so viel ab wie noch nie seit Einführung des Euro (spätes Vortagesgeschäft: 44,107 Prozent).

Auch die Versicherungen gegen den Ausfall griechischer Staatsanleihen (CDS) legten erneut zu. Um eine Summe von zehn Millionen Euro abzusichern, mussten nach Angaben des Datenanbieters Markit 2,3 Millionen Euro gezahlt werden -162.000 Euro mehr als am Mittwoch. Zum Gerücht über ein allgemeines Leerverkaufsverbots in Deutschland erklärte das Bundesfinanzministerium, es gebe keine solchen Pläne.

Börsianer warten auf Bernanke

Dem Dollar half zudem die Milliardeninvestition von Warren Buffett in die Bank of America auf die Sprünge . Investoren hatten sich in den vergangenen Tagen immer mehr Sorgen um die Kapitalausstattung der größten US-Bank gemacht, die mit Hypothekenklagen nur so überzogen wird.

Am Devisenmarkt wurde zudem mit Spannung auf die Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke in Jackson Hole gewartet. Die meisten Analysten waren sich darin einig, dass der Chef der Federal Reserve beim dem jährlichen Treffen der Notenbanken keine neue Runde der geldpolitischen Lockerung bekanntgeben werde. Ein „Quantitative Easing 3„(QE3) zur Ankurbelung der US-Wirtschaft würde nach Analystenmeinung den Dollar schwächen und andere Währungen wie den Euro stützen.

Wall Street rutscht ins Minus

Die Wall Street ist dem Deutschen Aktienindex ins Minus gefolgt. Der Dow-Jones-Index notierte mit 11.180 Punkten 1,2 Prozent niedriger. Der S&P500 verlor ebenfalls 1,2 Prozent auf 1163 Punkte und der Nasdaq-Composite 1,3 Prozent auf 2436 Stellen zu. In Frankfurt schloss der Dax 1,7 Prozent im Minus bei 5584 Punkten. Im Blickpunkt blieben zudem Bankaktien nach der dramatischen Talfahrt der vergangenen Wochen.

Die Titel der Bank of America setzten die Erholung der vergangenen Tage mit einem Kurssprung von elf Prozent fort. Außerdem bremste eine unerwartet hohe Zahl von US-Anträgen auf Arbeitslosenhilfe die Wall Street.