Die Talfahrt an den Aktiemärkten hat am Donnerstag an Tempo gewonnen. Besonders stark kam dabei der deutsche Aktienindex Dax unter die Räder. Der deutsche Leitindex brach am späten Nachmittag um fast sieben Prozent. In New York hatte der Dow-Jones-Index zum Handelsstart um 15.30 Uhr MESZ zwei Prozent verloren. Dies beschleunigte die Talfahrt des Dax, der ohnehin bereits schwach gestartet war. Als Grund für die schlechte Stimmung nannten Händler schwache Konjunkturdaten.

Der Dax hatte bereits gegen Mittag binnen Minuten fast 100 Zähler abgegeben. Was diesen plötzlichen Kursrutsch auslöste, war unter Anlegern umstritten. Einige Börsenprofis sprachen von reinen charttechnischen Signalen, die Anschlussverkäufe ausgelöst hätten. Andere Börsianer tippten auf eine größere Verkaufsorder am Terminmarkt als Auslöser für den Kursrutsch.

Darüber hinaus könne sich das Verbot von Leerverkäufen in einigen europäischen Staaten negativ auf den deutschen Leitindex auswirken. Da dort das so genannte Short Selling zu rein spekulativen Zwecken untersagt sei, wichen einige Anleger offenbar auf den Dax aus. Bei Leerverkäufen leihen sich Anleger Aktien, um diese sofort zu verkaufen. Sie wetten darauf, dass der Kurs weiter fällt und sie die Papiere billiger zurückkaufen können.

Auf jeden Fall ist die Verunsicherung weiter groß. Anleger waren sich nach wie vor im Unklaren, ob es sich bei der gegenwärtigen Konjunkturabschwächung lediglich um ein temporäres Nachlassen der Wachstumsdynamik oder den Beginn einer Rezession handelt. So hieß noch am Morgen an der Frankfurter Börse, es gebe derzeit einfach keine Kaufgründe.

Auch das Treffen von Nikolas Sarkozy und Angela Merkel sorgt weiter für ratlose Anleger. „Die Anleger sind durch das unbefriedigende Ergebnis des deutsch-französischen Gipfels in dieser Woche verunsichert“, erläuterte ein Händler. „Einige fürchten vor allem die Finanztransaktionssteuer.“ Präsident Sarkozy und Angela Merkel hatten diese, auch als „Tobin Tax„ bekannte Abgabe auf Börsengeschäfte wieder ins Gespräch gebracht. Unter dieser Diskussion litten vor allem die Börsenbetreiber wie die Deutsche Börse, ihr Fusionspartner Nyse Euronext und die Londoner Börse LSE. Unter Verkaufsdruck standen auch die Banken. Der europäische Branchenindex verlor 5,5 Prozent.

dpa/Reuters/ap