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Wie Anleger von Rekordwerten des Yuan profitieren

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Thomas Koch

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Um das Wirtschaftswachstum zu drosseln, wertet China seine Währung zum Dollar schrittweise auf. Analysten sehen gute Chancen für Anleger.

Während in den Vereinigten Staaten fleißig über neue Schulden gestritten wird und einige Analysten bereits vor einem erneuten Rückfall in die Rezession warnen, kann sich China vor Wirtschaftswachstum kaum retten. Trotz aller Bremsversuche der Notenbank erhöhte sich die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal erneut um 9,5 Prozent. Ein Nachteil des anhaltenden Booms ist jedoch die steigende Inflation, durch die sich die Kaufkraft der Chinesen spürbar reduziert.

Um das Wachstum etwas zu drosseln, haben die Chinesen schon vor rund einem Jahr mit einer schrittweisen, kontrollierten Aufwertung ihrer Währung begonnen. Zuvor war der Wechselkurs durch Interventionen am Devisenmarkt über einen langen Zeitraum stabil bei rund 6,83 Dollar je Yuan gehalten worden. Mittlerweile ist der Kurs des Dollar auf 6,442 Yuan gefallen, ein Minus von rund sechs Prozent auf Jahressicht.

Dass sich dieser Trend weiter fortsetzt, ist unter Analysten Konsens. Die Frage lautet lediglich, in welchem Umfang und in welchem Tempo die Aufwertung des Yuan voranschreitet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat jetzt noch einmal gefordert, dass der Yuan weiter an Stärke gewinnen müsse , um weltweite konjunkturelle Schockwellen zu verhindern. Nach einem IWF-Bericht ist die Währung um drei bis 23 Prozent unterbewertet. Eine sehr breite Range, die viel Raum für Spekulationen lässt.

Risikolos Geld verdienen lässt sich trotz der nahezu sicheren Fortsetzung des Abwärtstrends beim Dollar/Yuan-Kurs aber nicht. Denn die Aufwertung des Yuan ist in den Kursen der entsprechenden Produkte in einem gewissen Maße bereits berücksichtigt. Dennoch könnten sich im aktuellen Umfeld entsprechende Investments lohnen. Nach einer Analyse von Goldman Sachs ist an den Terminmärkten auf Jahressicht nur noch ein einprozentiger Anstieg der chinesischen Währung eingepreist.

Pro Monat erwarten die Marktteilnehmer im Durchschnitt damit also einen Anstieg des Yuan um nicht einmal zehn Basispunkte (0,1 Prozent). Das ist nach Angaben der Devisen-Strategen weniger als der geringste monatliche Zuwachs seit Beginn der Aufwertung im Juli 2010. Goldman Sachs selbst rechnet auf Jahressicht mit einem Yuan-Anstieg von über fünf Prozent.

Behalten die Analysten Recht, haben die von der US-Bank selbst aufgelegten Put-Optionsscheine auf den Dollar-Yuan-Kurs beträchtliches Potenzial. Ein bis Juni 2012 laufender Put mit einem Basispreis von 6,45 Yuan kostet aktuell rund 1,60 Euro. Wenn der Dollar, wie von Goldman Sachs erwartet, bis zur Fälligkeit auf 6,10 Yuan fällt, hat der Schein einen inneren Wert von 0,35 Yuan. Unter der Annahme, dass der Euro gegenüber dem Dollar stabil bleibt, würde der Kurs damit bis zur Fälligkeit auf knapp vier Euro steigen, was einen Gewinn von 150 Prozent bedeuten würde.

Sollte es jedoch, wie momentan am Terminmarkt eingepreist, nur zu einem Rückgang des Dollar um ein Prozent auf 6,38 Yuan kommen, fällt der Put bei sonst identischen Annahmen auf rund 0,80 Euro, was Anlegern einen Verlust von 50 Prozent des eingesetzten Kapitals einbringen würde (WKN: GS5C6D).

Eine deutlich konservativere Möglichkeit, auf die chinesische Währung zu setzen, bieten die von einigen Banken aufgelegten Anleihen mit eingebautem Kapitalschutz. Zum Ende der Laufzeit wird von den Instituten die 100-prozentige Rückzahlung des Nennwertes garantiert. Das Risiko ist damit auf eine mögliche Pleite der Emittenten begrenzt. Daneben partizipieren Anleger in vollem Umfang an einer Aufwertung des Yuan gegenüber dem Dollar, in den meisten Fällen sogar überproportional stark.

Bei der gerade neu aufgelegten Renminbi Kapitalschutz Anleihe der RBS liegt der Partizipationsfaktor bei 130 Prozent. Sollte der Dollar bis zur Fälligkeit in vier Jahren etwa 20 Prozent gegenüber dem Yuan verlieren, wird die Anleihe zu 126 Prozent (100 plus 20 mal 1,3) des Nennwertes fällig. Eine Begrenzung der Gewinnchancen gibt es nicht und die Bewegungen des Euro gegenüber den beiden Währungen spielen für die Rückzahlung auch keine Rolle.

Die Kursentwicklung während der Laufzeit ist allerdings noch von anderen Einflussfaktoren wie dem Zinsniveau und der Bonität der Emittenten abhängig. Dadurch ist etwa die im Mai aufgelegte Anleihe der RBS um rund sechs Prozent gefallen, obwohl der Yuan in diesem Zeitraum um über fünf Prozent aufwerten konnte. Der „faire“ Wert ist genau wie der Kapitalschutz immer nur für den Tag der Fälligkeit garantiert (WKN: AA19VA).

Fazit: Nach Einschätzungen von Analysten wird der chinesische Yuan gegenüber dem US-Dollar in den kommenden Monaten deutlicher an Wert gewinnen, als dies momentan am Markt eingepreist ist. Mit Put-Optionsscheinen können Anleger auf dieses Szenario setzen, müssen dabei aber