Börsen-Bericht

US-Einigung bedeutet für Märkte keine Entwarnung

Die Kursgewinne zum Handelsbeginn verflüchtigten sich rasch. Analysten sind sich nicht einig, ob die USA ihre Bestnote beim Rating behalten werden.

Der Kompromiss im US-Schuldenstreit ist bei den europäischen und asiatischen Finanzmärkten gut angekommen. Von Euphorie allerdings war nach der großen Verunsicherung der letzten Wochen nichts zu spüren. Der US-Kongress muss die Einigung noch billigen, die eine Anhebung der Schuldenobergrenze im Tausch für eine graduelle Senkung des Defizits vorsieht.

„In der Bewertung dieses Kompromisses werden sich heute wohl alle Beobachter einig sein: Die Gefahr einer unmittelbaren Staatspleite konnte abgewendet werden. Aber die Bedrohung einer Abwertung der amerikanischen Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen bleibt bestehen“, erklärte Rentenstratege Kornelius Purps von der Unicredit.

Dem Dax ging nach einer festen Eröffnung schnell die Puste aus und er notierte am späten Vormittag mit rund 7200 Punkten nur noch 0,6 Prozent höher. Auch die meisten übrigen europäischen Börsen zogen zunächst kräftig an, bröckelten dann aber wieder ab. In Asien das gleiche Bild: Während in Tokio der Nikkei-Index 1,3 Prozent höher schloss, fiel das Plus in Shanghai mit 0,1 Prozent schon deutlich magerer aus.

Euro bleibt fest

Der Dollar profitierte kaum von der Aussicht auf eine Anhebung der Schuldenobergrenze. Der Euro verharrte bei 1,44 Dollar und lag damit auf dem Niveau des Schlusskurses aus der Vorwoche. Da die Anleger wieder stärker in Aktien investierten, fielen die Kurse der Staatsanleihen. Der Bund-Future, den viele in den vergangenen Wochen als sicheren Anlagehafen angesteuert hatten, rutschte um 33 Ticks auf 130,03 Punkte.

DZ-Bank-Analyst Christian Kahler warnte aber, dass die Erholungsrally von kurzer Dauer sein könnte. „Der angekündigte Plan ist vermutlich nicht ausreichend, das AAA-Rating der USA mittelfristig aufrecht zu erhalten. Eine erneute Diskussion der US-Staatsverschuldung gegen Jahresende dürfte die Märkte erneut belasten.“

Zudem mache die Entwicklung der großen Volkswirtschaften vielen Anlegern weltweit derzeit Sorgen. So fiel das Bruttoinlandsprodukt in den USA im zweiten Quartal USA schwächer als erwartet aus. In China, der Wirtschaftsmacht Nummer zwei hinter den USA, schwächte sich einer Umfrage zufolge im Juli das Industriewachstum ab.

In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone, geht der Industrie allmählich ebenfalls die Puste aus. Erstmals seit rund zwei Jahren verbuchte sie im Juli einen Auftragsrückgang, wie ebenfalls aus einer Umfrage unter Unternehmen hervorging. „Die Berichtssaison der Unternehmen zum zweiten Quartal ist auch nicht so gut gelaufen, wie ich mir das erhofft hatte“, erklärte ein ernüchterter Börsianer.

Bank-Aktien geben Gewinne wieder ab

Im Dax profitierten zunächst vor allem die Finanzwerte von der Aussicht auf ein Ende des US-Schuldendramas: Die Aktien der Deutschen Bank legten in der Spitze 2,5 Prozent, die der Commerzbank 6,6 Prozent und die der Allianz 2,5 Prozent zu. Auch die meisten europäischen Banken- und Versicherungswertenwerte zogen zunächst kräftig an. Im Verlauf des Vormittags gaben aber viele ihre Gewinne wieder ab oder notierten nur noch knapp im Plus.

Mit Käufen reagierten die Anleger auf das Zwischenergebnis der HSBC , deren Aktien drei Prozent zulegten. Das Bankhaus hatte in London überraschend seinen Gewinn im ersten Halbjahr gesteigert. Die Titel kletterten um 3,2 Prozent.

Einige Anleger setzten auch wieder auf Unternehmen, die stark an der Konjunktur hängen. „Viele Anleger hoffen, dass mit der Einigung von Washington eine Hürde für die Weltkonjunktur aus dem Weg geräumt wurde“, fasste ein Händler zusammen. So zählten MAN, BMW, VW, Adidas sowie Linde mit Kurssteigerungen von bis zu zwei Prozent zu den größten Gewinnern im Dax.