Die Hängepartie im amerikanischen Schuldenstreit hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt vorsichtig gestimmt. Der Dax verlor 0,2 Prozent auf 7327 Zähler. „Im Grunde glaubt niemand, dass sich die Politiker in den USA nicht doch noch in letzter Minute auf eine gemeinsame Linie verständigen“, sagte ein Händler.

Doch bis es so weit sei, bleibe ein mulmiges Gefühl. Gibt es bis zur kommenden Woche keine Einigung darüber, dass die US-Regierung mehr Schulden machen darf als die gesetzlich festgeschriebenen 14,3 Billionen Dollar, droht die Zahlungsunfähigkeit. Auf dem Spiel steht auch die Top-Bonitätsnote „AAA“ für die Kreditwürdigkeit der USA.

Neben dem Schuldendrama in den USA hatten die Anleger aber auch die Bilanzen zahlreicher Unternehmen – allen voran der Deutschen Bank – im Blick. Das größte deutsche Geldhaus sieht sich auf Kurs, seine Rekordziele in diesem Jahr zu erreichen.

Analysten halten das allerdings für ambitioniert: „Das hat vorher schon kaum einer geglaubt, dass die Deutsche Bank ihr 10-Milliarden-Gewinnziel erreicht. Mit Rückenwind - also einer starken Erholung der Kapitalmärkte – ist das noch zu schaffen, aber sonst nicht“, sagte Philipp Hässler von Equinet. Die Aktien stiegen in der Spitze um zwei Prozent, notierten aber 1,1 Prozent schwächer bei 37,82 Euro.

Die Deutsche Bank hatte bereits die Nachfolge ihres Chefs Josef Ackermann geklärt: Top-Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen sollen dem Schweizer im nächsten Jahr an die Vorstandsspitze folgen. Ackermann soll dagegen in den Aufsichtsrat wechseln. „Auszuschließen ist es nicht, dass Josef Ackermann eine sehr aktive Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender einnehmen wird“, urteilte Equinet-Analyst Hässler.

Für Aufsehen sorgte auch die Schweizer Großbank UBS, die nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal ein milliardenschweres Sparprogramm plant. Die Aktien rutschten um bis zu 3,5 Prozent ab.

Am deutschen Aktienmarkt machten Metro von sich Reden. Mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 39,33 Euro waren die Titel größter Dax-Gewinner. Händler sagten, die Pläne für ein Online-Geschäft von Media-Saturn gäben Anlass zur Hoffnung für eine Erholung der schwierigen Sparte.

Auch die Bekräftigung einer Kauf-Empfehlung von Goldman Sachs sorgte laut Börsianern für Auftrieb. Deren Analysten gehen davon aus, dass die Aktie technisch gesehen derzeit auf einem guten Einstiegsniveau ist. Die mittelfristig zu erwartenden Fortschritte seien im aktuellen Kurs noch nicht berücksichtigt.

Ausgebremst wurden dagegen die Papiere der Autowerte und -zulieferer. Gewinnmitnahmen drückten Händlern zufolge Daimler, BMW und Volkswagen ins Minus. Sie verloren zwischen 1,8 und 1,2 Prozent. Leoni, die nach der Anhebung der Jahresprognose a mehr als fünf Prozent gewonnen hatten, büßten im MDax 3,5 Prozent ein.

Die heftigsten Einbußen mussten jedoch ElringKlinger wegstecken, die trotz einer Anhebung der Umsatzprognose um bis zu knapp sieben Prozent auf 21,82 Euro absackten. Sie waren damit so billig wie seit Mitte April nicht mehr. „Einige sind offenbar enttäuscht, dass nicht auch die Prognose für das Konzern-Ebit angehoben wurde“, sagte ein Händler.

dpa/Reuters/tat