Neuvermietung

Makler treiben beim Abschluss Mieten in die Höhe

Die Zahl der provisionspflichtigen Wohnungsvermittlungen steigt immer mehr an. Die Wohnung bekommt der, der am meisten bezahlt.

Foto: picture-alliance / Wolfram Stein / picture-alliance / Wolfram Stein/dpa

So hat sich Sarah die Wohnungssuche nicht vorgestellt. Eigentlich will die 19-Jährige nur eine Bleibe für das Studium finden. Was sie dabei erlebt, erinnert an den Massenandrang bei Facebook-Partys. Viele Interessenten tummeln sich in überfüllten Treppenhäusern, Menschenschlangen reichen bis auf die Straße. Der alltägliche Wahnsinn bei Besichtigungsterminen in Hamburg. "Den Zuschlag für die Wohnung", erzählt die Studentin "hat einfach derjenige erhalten, der dem Makler am meisten entgegen kommt."

Offizielle Statistiken gibt es nicht, doch ohne Makler geht in der Vermittlung oft nichts. Nach Erhebungen des Portals immobilienscout24.de nehmen die gebührenpflichtigen Wohnungsangebote in deutschen Großstädten deutlich zu. In Berlin ist demnach im vergangenen Jahr über das Online-Portal fast jede dritte Wohnung durch einen Makler vermittelt worden. 2008 war es noch jede fünfte. In Hamburg und Köln wurde 2010 bereits bei mehr als der Hälfte aller Angebote eine Provision fällig. In München fiel bei drei von vier Angeboten eine Maklercourtage an. Tendenz steigend. Anbieter wie immonet.de , eine Tochter von Axel Springer, und immowelt.de haben sogar noch höhere Werte ermittelt.

In Regionen, in denen das Angebot begrenzt ist, kann die Maklergebühr schnell zum Preissteigerungsfaktor werden. Mieterbundsprecher Ulrich Ropertz beklagt deshalb, dass Mieter mitunter "hohe Kosten für eine schmale Leistung" zu tragen hätten. Mitunter reiche die Nennung einer Adresse, und die Provision werde fällig, kritisierte Ropertz.

Sven Johns, Bundesgeschäftsführer des Immobilienverbands Deutschland, will die Zunahme der provisionspflichtigen Wohnangebote allerdings nicht bestätigen. "Unserer Einschätzung nach werden deutschlandweit 35 bis 40 Prozent der Mietwohnungen von Maklern vermittelt", sagte der Bundesgeschäftsführer des Maklerverbandes Morgenpost Online. Durch die Zahlen der Online-Anbieter könne subjektiv der Eindruck vermitteln, dass es eine größere Anzahl an Maklerangeboten gebe. In Wirklichkeit scheuten sich jedoch viele Privatanbieter ihre Angebote ins Internet zu stellen. "Wir gehen davon aus, dass die Quote provisionspflichtiger Wohnungen konstant bleibt", sagte Johns.

Nach geltendem Recht dürfen Makler bei Abschluss eines Mietvertrages eine Provision für die erfolgreiche Vermittlung des Wohnraums veranschlagen. Das ist im Gesetz zur Regelung der Wohnvermittlung geregelt. Das Problem: Die Maklergebühren fallen in den meisten Fällen überwiegend auf die Mieter zurück. Versuche, diese Regelung auf politischer Ebene anzupassen, sind bisher gescheitert. Die SPD wollte in der Vergangenheit schon mal die Maklerprovision ganz abschaffen, "die Ausübung des Gewerbes zur Vermittlung von Grundstücken und Wohnungen" unterbinden und stattdessen eine öffentliche Vermittlungsstelle einzurichten.

Maklergebühr wird nicht aufgeteilt

Mehrheitsfähig war der Vorstoß der Genossen jedoch ebenso wenig wie zwei jüngste Gesetzesinitiativen von SPD und Grüne im Bundestag. Sie wollten die Maklerkosten aufteilen bzw. auf die Vermieter übertragen. Ihre Anträge wurden abgelehnt. Das Regierungslager sträubt sich gegen einen Eingriff in die Vertragsautonomie. Ulrich Ropertz: "Dabei ist der Vermieter der eigentliche Auftraggeber der Wohnvermittlung. Er lässt sich seine Dienstleistung durch Dritte bezahlen. Das ist einmalig in unserem Wirtschaftsleben."

Zu spüren bekommen die Maklerprovisionen vor allem diejenigen Interessenten die nur auf kurze Zeit mieten wollen. Ein Beispiel aus Berlin: Joshua (25) absolviert ein dreimonatiges Praktikum in der Hauptstadt. Eine Wohnung vermittelt bekommen hat er im Bezirk Prenzlauer Berg. Dort schnellen Mietpreise in die Höhe, provisionsfreie Angebote gibt es so gut wie kaum noch, Makler können sich austoben wie auf einer Spielwiese. Für seine 36-Quadratmeter-Wohnung muss Joshua nicht nur 580 Euro Miete und 1200 Euro Kaution, sondern zusätzlich noch zwei Monatsmieten Maklerprovision zahlen.

Verbandschef Sven Johns warnt aber davor, die Provisionen auf die Vermieter zu übertragen: "In engen Märkten mit hoher Nachfrage ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Maklerkosten durch höhere Mieten abgefedert werden."

Provision umgehen

Wer teure Courtagen bei der Wohnungssuche dennoch von vornherein umgehen möchte, findet im Internet eine interessante Alternative. Auf der Onlinebörse " yoom.de " treffen Vormieter und Wohnungsinteressenten aufeinander und können Wohnungen direkt untereinander vermitteln. Der Vorteil: Anstatt zwei Monatsmieten Maklergebühr zahlt der Wohnungssuchende lediglich eine Art Ablösebetrag in Höhe von einer Nettokaltmiete an den Vormieter. Diese Summe kann sich der Interessent zurückholen, wenn er nach Ablauf der Wohnzeit einen Nachmieter über das Portal anwirbt. Mitgliedschaft und Inserieren bei "yoom.de" sind kostenlos.

So einfach hat es Sarah nicht gehabt. Über Umwege ist sie schließlich doch noch eine Wohnung in Hamburg gekommen. Ein Makler, den sie durch Zufall kennengelernt hat, hat ihr die neue Bleibe vermittelt. Zuvor hatte die Studentin mehr als 100 Wohnungen besichtigt – erfolglos. "Ich hätte fast schon aufgeben", sagt sie. In Großstädten mit einer angespannten Marktsituation ist ein Makler eben hilfreich.

Auf dem Land sieht es anders aus

Außerhalb von Ballungsräumen wird die Zahlung der Maklerprovision zum Teil anders gehandhabt. In einkommensschwachen Regionen wie in Ostdeutschland, dem Ruhrgebiet oder dem Breisgau, in denen die Nachfrage nach Wohnraum deutlich abfällt, wird die Vermittlungsgebühr teilweise aufgeteilt oder vom Vermieter gezahlt. Viele Interessierte hätten kein Geld für eine Provision, bestätigte Erwin Meier vom Vermieterverein Deutschland (VVD).

Daher müssten oft die Vermieter die Maklerkosten tragen. "Das ist eine Frage von Angebot und Nachfrage. In diesen Regionen gibt es zudem viele Leerbestände an Wohnungen", sagte Meier. Deshalb übernähmen viele Mieter die Vermittlung gleich auf eigene Faust. Diese Einschätzung deckt sich mit Zahlen von immobilienscout24.de. In weniger dicht besiedelten Regionen verzeichnet das Immobilien-Portal einen deutlich geringeren Anteil von provisionspflichtigen Wohnangeboten als in Ballungsräumen. Mecklenburg-Vorpommern kam 2010 demnach auf einen Anteil von 38 Prozent, Brandenburg auf 23 Prozent, Sachsen-Anhalt gar nur auf 15 Prozent.