Zum Verschnaufen bleibt nur wenig Zeit. Weder für die Spieler, noch für die Zuschauer. Knapp sechs Wochen nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft rollt die Bundesliga-Saison wieder an. Viele der WM-Stars wie Schweinsteiger, Robben oder Neuer können die deutschen Fans auch weiterhin sehen. Und das nicht nur in den Stadien.

Mittlerweile gibt es viele Wege, die Spiele seines Lieblingsclubs am Bildschirm zu verfolgen. Vor einigen Jahren noch gab es nur den Bezahlkanal Premiere, der jedes Wochenende für Live-Bilder aus den Arenen sorgte. Mittlerweile heißt der Sender Sky und zum Start der neuen Saison ködert er Neukunden mit einem verbilligten Abopreis. Bis Ende des Jahres zahlt der Fußballfan 19,90 Euro pro Monat für die Spiele und spart damit 13 Euro gegenüber dem regulären Preis.

Allerdings schließt der Zuschauer gleich einen Jahresvertrag mit dem Sender ab. Für die Restlaufzeit des Kontrakts im kommenden Jahr zahlt er dann den vollen Betrag von 32,90 Euro. In dem Preis enthalten sind jedoch schon allein 16,90 Euro für das Paket "Sky Welt" mit einigen Spartensendern. Davon getrennt können Kunden die Bundesliga nicht buchen. Wer also den Bundesligaspielern ab dem 20. August beim Kicken auf Sky zuschauen möchte, zahlt für ein Jahr etwa 330 Euro. Daneben bietet der Sender auch erstmals die Möglichkeit an, dass seine Kunden die Live-Bilder bis Ende August zunächst kostenlos über das iPad verfolgen können.

Doch anders als früher muss sich der Fußballfan nicht mehr allein zwischen einem Sky-Abo und der Kneipe nebenan entscheiden, um die Live-Spiele zu sehen. Denn mit der Telekom ist seit vergangenem Jahr ein weiterer großer Anbieter auf den Markt getreten. Liga Total heißt das Programm, dass der Konzern als so genanntes IPTV ausstrahlt: statt über Kabel oder Satellit empfängt der Abonnent das Signal über das Internet. Doch das merkt er nicht, da er sich das Bild über einen Receiver am Fernseher anschauen kann. Ab der kommenden Saison können die Zuschauer ihre eigene Konferenz zusammenstellen. Zudem soll es die Bilder in Zukunft auch in 3D geben. Derzeit verhandelt die Telekom mit der Deutschen Fußball Liga (DFL), die das Signal zur Verfügung stellt. Zum Ende der vergangenen Spielzeit entschieden sich 100 000 Kunden für ein solches Abo.

14,95 Euro kostet derzeit das günstigste Bundesliga-Signal bei Liga Total. Wer die Spiele in HD-Qualität sehen möchte, zahlt mehr. Allerdings verkauft auch die Telekom die Spiele nicht separat. Will der Fan die Tore verfolgen, muss notgedrungen eines der so genannten Entertain-Pakete des Bonner Konzerns abonnieren, in denen meist Telefon- und Internetanschluss enthalten sind. "Wer bereits in einem Telefon- und Internetvertrag bei der Konkurrenz steckt und noch länger gebunden ist, kann nicht sofort wechseln", sagt Rafaela Möhl vom Verbraucherportal teltarif.de. Ein Entertain-Paket mit Telefon- und Internetflatrate kostet knapp 45 Euro im Monat bei einer Vertragslaufzeit von zwei Jahren. Allein für ein Jahr Bundesliga-Fußball übers Internet fallen somit im günstigsten Fall laufende Kosten von rund 719 Euro im Jahr an. Allerdings spart sich der Kunde auch die Gebühren des Kabelanschlusses, weil er sein Fernsehprogramm von der Telekom bezieht.

"Vorraussetzung für einen Entertain-Anschluss ist ein spezieller DSL-Anschluss mit einer Bandbreite von mindestens zehn Megabit pro Sekunde", sagt Möhl. "Das gibt es aber momentan noch nicht flächendeckend." Für das HD-Signal benötige der Zuschauer sogar einen VDSL-Anschluss mit 25 Megabit pro Sekunde, den es derzeit sogar nur in 50 Städten gebe.

Auch die Rechte für das mobile Internet hat sich die Telekom gesichert, so dass Liga Total auch unterwegs über UMTS-fähige Handys wie dem iPhone oder aber Netbooks zu sehen ist. Voraussetzung dafür ist allerdings ein entsprechender T-Mobile-Vertrag und das Abo der Bundesligaspiele für 4,95 Euro pro Monat. "Grundsätzlich wird das für viele aber eher eine Notlösung sein, da es auf dem recht kleinen Handy-Display nur begrenzt Spaß macht", sagt Möhl. Nur eingefleischte Fußballfans stehen schließlich mit glänzenden Augen auf Hochzeiten und Taufen - einen Knopf im Ohr und den Blick auf ein kleines Display gerichtet, auf dem bereits die Spieler nur zu erahnen sind. Vom Ball ganz zu schweigen. Den meisten anderen Zuschauern sind die Spiele dann doch nicht so viel wert, sich Augen und Freundschaften zu verderben.

Und einige andere wollen nicht für das Anschauen bezahlen. Deshalb wandern sie aus. Zumindest virtuell: Mit Hilfe einer speziellen Software lässt sich übers Internet das Live-Bild der Partien von chinesischen Fernsehsendern einfangen, die ihrerseits die Rechte für die Übertragung der Spiele besitzen. Computerbild Online hat die kostenlose Software getestet. "Der Haken ist, dass die Spiele auf Chinesisch kommentiert werden", sagt Redakteur Moritz Zielenkewitz. Viele Nutzer stellen deshalb den Ton aus und lassen einen deutschen Radiokommentar nebenher laufen.

Auch die Bildqualität ist schlechter als bei Sky und Telekom. "Den Ball kann man noch erkennen, die Rückennummern schon nicht mehr", kommentiert der Experte. Dafür sei die Bedienung relativ einfach. Über die Computerbild-Homepage lässt sich die Software mit dem Namen SopCast kostenlos herunterladen. Nach dem Öffnen des Programms und der Einwahl als Gastnutzer sucht sich der Zuschauer einen Stream aus. Allerdings sind jedes Wochenende nur ausgewählte Spiele zu sehen. Und welche das sind, entscheiden die Chinesen: "Nach meiner Beobachtung ist es aber nicht so, dass jede Woche nur Bayern München läuft." Welche Begegnungen gezeigt werden, lasse sich vorher wenigstens im Internet herausfinden.

Juristen bezweifeln allerdings, dass diese Art des Fußball-Konsums legal ist. Da die Software ähnlich funktioniert wie jene bei Filesharing-Tauschbörsen, stellt der Nutzer die gerade empfangenen Daten selbst wieder für andere bereit - eine klare Urheberrechtsverletzung. "Die Nutzer haben nicht das Recht, das Fernsehsignal weiter zu verbreiten", sagt Christian Solmecke, Rechtsanwalt bei Wilde Beuger & Solmecke. Das gelte auch unabhängig davon, ob die chinesische Einspeisung rechtmäßig war oder nicht. Abmahnungen sind ihm zwar bisher nicht bekannt: "Ich gehe aber fest davon aus, dass diese Art des Fernsehens bereits in naher Zukunft von den Sendern verfolgt werden wird." Wer dann erwischt wird, dem drohen zumindest Anwaltskosten von rund 1000 Euro, sagt der Jurist.

Die deutschen Platzhirsche sind sich aber uneins, ob sie gegen das Ausweichen auf chinesische Anbieter vorgehen wollen. "Es liegt selbstverständlich im Interesse von Sky, dass die illegale Übertragung von Programminhalten wie der Bundesliga über das Internet unterbunden wird", sagt ein Unternehmenssprecher. Die Telekom hingegen will nichts unternehmen. "Die Mitglieder dieser Community werden wahrscheinlich sowieso nicht unsere Kunden", sagt ein Sprecher des Konzerns. Außerdem, der Verdacht liegt nahe, soll das Schwarzsehen nicht noch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen.

Eine absolut legale Alternative zu den teuren Livebildern von Sky und Telekom bieten die Vereine selbst. Von den 18 Erstligisten senden mittlerweile 16 ein eigenes Web-TV. Wer sich dort registriert, bekommt in der Regel das Spiel in voller Länge zu sehen - allerdings erst nach dem Schlusspfiff. Pressekonferenzen, Freundschaftsspiele und Trainingsberichte gibt es obendrauf. Die Fans zeigen ein stetig steigendes Interesse an dem Angebot. Der Hamburger SV zählt derzeit bis zu 8000 Abonnenten, der Stadtrivale St. Pauli rund 2000. Eintracht Frankfurt, bisher ohne Web-TV unterwegs, plant einen entsprechenden Auftritt im kommenden halben Jahr. Einige Vereine wie Borussia Dortmund statten die Fans sogar mit einer vereinseigenen E-Mail-Adresse aus. Die Kosten dafür liegen zwischen 36 und knapp 50 Euro im Jahr. Rekordmeister Bayern München bietet interessanterweise den günstigsten Tarif.

Wer aber nur die Höhepunkte der Begegnungen sehen möchte, sollte auf die Ausstrahlung im frei empfangbaren Fernsehen warten. Oder am Montag nach dem Bundesligawochenende auf die Sky-Homepage surfen. Denn dort sind alle Tore kostenlos in kleinen Minutenschnipseln aufbereitet. Egal für welchen Weg sich der WM-verwöhnte Zuschauer entscheidet, auf eines muss er wohl in der kommenden Saison verzichten: Einen aktuellen Weltmeister bekommt er nicht zu sehen. Denn kein einziger Spieler der spanischen Nationalmannschaft verdient sein Geld derzeit in Deutschland.