Geldanlagen

Absturz der Papierwährungen treibt Goldpreis hoch

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D. Eckert und H. Zschäpitz

Foto: picture-alliance / PA/chromorange

Die Leitwährungen Dollar und Euro treiben einen absurden Wettlauf um die schnellste Abwertung. Gold gewinnt als "sicherer Hafen".

Gold ist gekommen, um zu bleiben. Wer die Edelmetall-Rallye einst für eine kurzlebige Modeerscheinung hielt, sieht sich Jahr für Jahr, Monat für Monat eines Besseren belehrt. Gold als Geldanlage ist längst mehr als ein Tick spleeniger Investoren, die sich mit Barren und Münzen im Keller auf die ökonomische Apokalypse vorbereitet wähnen. Jenseits aller Kurzfrist-Wirren der Rohstoffmärkte lässt sich Gold aus der Anlagewelt nicht mehr wegdenken.

"Gold übernimmt in immer mehr Portfolios die Funktion einer Versicherung", sagt Bart Melek, Stratege bei BMO Capital Markets. Selbst Investoren, die früher alles andere als positiv zu Gold eingestellt waren, können sich jetzt für diese traditionelle Form der Geldanlage erwärmen. So zum Beispiel die Investmentlegende Barton Biggs vom Vermögensverwalter Traxis Partners. Jüngst empfahl er seinen Kunden, einen gewissen Anteil ihres Vermögens in Edelmetall umzuschichten. Die Logik dahinter: Gold fungiert ähnlich wie eine Kaskoversicherung. Jeder hofft, den Unfall zu vermeiden, aber wenn der Schaden eintritt, will man abgesichert sein.

Der Goldpreis hat dieses Jahr bereits um gut zwölf Prozent zugelegt. In Euro gerechnet betrug das Plus sogar rund 26 Prozent. Setzt sich der Trend fort, wird sich das Edelmetall 2010 das zehnte Jahr in Folge verteuert haben. Gold hat damit alle anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen deutlich geschlagen. Am 21. Juni erreichte der Unzenpreis mit 1265,30 Dollar ein Allzeithoch. Eine Feinunze entspricht 31,1 Gramm. Aktuell notiert das Metall rund drei Prozent unter seiner Bestmarke.

Gold steigt und steigt, doch die Gründe für den Anstieg sind immer wieder neue. Vergangenes Jahr war es die krisengeschüttelte US-Wirtschaft, die zu einem Anstieg des Goldpreises führte. Anleger sicherten sich mit dem Edelmetall gegen einen Kollaps des Dollar ab. In der ersten Hälfte 2010 war es dann das Euro-Debakel, das die Notierungen in noch lichtere Höhen steigen ließ.

Selbst als beide Krisen dies- und jenseits des Atlantiks im Juli zwischenzeitlich aus dem Bewusstsein der Kapitalmarktakteure schwanden, korrigierte der Preis nur wenig: Um lediglich 7,6 Prozent gab der Unzenpreis nach. Nach dem vorherigen starken Anstieg war das ein Klacks.

Die jüngste Stärke des Goldpreises hängt nun wieder mit einem Dollar-Flimmern zusammen. "Spekulationen, dass die amerikanische Notenbank und die US-Regierung Verzweiflungstaten begehen werden wie ein neues Konjunkturpaket oder den direkten Aufkauf von Staatsanleihen, kommen dem Edelmetall zugute", sagt James Steel, Stratege bei der britischen Großbank HSBC. Allein in dieser Woche haben institutionelle und private Anleger Gold im Volumen von rund 13 Tonnen gekauft. Der größte spezialisierte Fonds, der SPDR Gold Fund, hortet mittlerweile rund 1300 Tonnen und damit mehr als die Schweiz oder China.

Die Aussichten für den Dollar sind auch weiter mau: Am Donnerstag fiel die amerikanische Währung unter die psychologisch wichtige Schwelle von 85 Yen je Dollar. Das liegt nahe an einem 15-Jahres-Tief. Obwohl die japanische Wirtschaft seit nunmehr zwei Dekaden dahinsiecht, wird das japanische Geld im Vergleich zum Dollar als stabiler angesehen. Zwischen Euro und Dollar findet ein negativer Wettbewerb statt, nach dem Motto: Wer ist der Schwächste auf dem Planeten?

Am Donnerstag ließen schwache US-Arbeitsmarktdaten und Frühindikatoren den Dollar wackeln. Am Freitag war es dann der Euro, der sein Fett abbekam: Frankreich musste seine Wachstumsprognose zurücknehmen, und die Schuldenkrise in der Peripherie der Währungsunion flammte wieder auf. Ausfallversicherungen verteuerten sich. Um sich gegen einen Zahlungsausfall Italiens abzusichern, müssen Investoren inzwischen zwei Prozent auf den Nennwert des Bonds zahlen, bei irischen Papieren sind es drei Prozent.

"Gold profitiert von der gestiegenen Risikoscheu der Akteure", sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Stratege bei der Commerzbank. Bei allen zwischenzeitlichen Schwankungen: Die Gold-Notierungen bewegen sich in sehr langen Zyklen, die stark von der weltpolitischen Großwetterlage mitbestimmt werden.

"Der Goldpreisanstieg der Siebziger- und Achtzigerjahren war nicht etwa auf Verschiebungen zwischen Angebot und Nachfrage zurückzuführen, sondern auf eine Vertrauenskrise ins Papiergeld und ein wirtschaftspolitisches Versagen in den Industrieländern", sagt HSBC-Mann Steel. Erst die Ernennung Paul Volckers zum Chef der Federal Reserve wendete das Blatt. Der Neue repräsentierte ein klares Bekenntnis zur Geldwertstabilität. Zwischen 1971 und 1980 stieg der Unzenpreis von 42 auf 850 Dollar. Danach bröckelt er bis 1999 in Etappen auf 250 Dollar pro Unze ab.