Die Mietwagenbranche ist derzeit auf Achterbahnfahrt. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2008 sind die Anmietungen drastisch zurückgegangen. Vor allem das Geschäftsreisesegment rutschte im Sog der Finanzkrise ab. Große Vermieter rieben sich verdutzt die Augen. Und in der Folge haben fast alle Rental-Car-Anbieter ihre Flottengröße reduziert.
Und manche der der Big Player wie Avis, Europcar, Hertz oder Sixt dachten über neue Geschäftsmodelle nach und führten vereinzelt eine Kilometerbegrenzung ein – jeder über 200 Kilometer pro Miettag gefahrene zusätzliche Kilometer muss vom Kunden extra bezahlt werden.
Deutschlands größter Autovermieter Sixt hatte dabei wenig Durchhaltevermögen bewiesen: Nur zehn Tage nachdem der Münchener Konzern begann, einen Zuschlag für jeden zusätzlichen Kilometer ab einer Distanz von 200 Kilometern einzuführen, wurde das Preismodell wieder abgeschafft.
Doch Europcar hält an dieser Usance weiter fest und verlangt zwischen 25 und 49 Cent für jeden Mehrkilometer. Begründung: Der Wertverlust eines Mietwagens richte sich vor allem nach der Kilometerleistung. Auch Hertz hat ähnliche Pläne wie Europcar.
Budget hingegen plant keine Einführung einer Kilometerpauschale. Avis Europe will zunächst die Entwicklung des Marktes abwarten.
Doch den Ferien-Fahrer drückt ein ganz anderes Problem, er sollte dieses Jahr nämlich frühzeitig sein Urlaubsauto reservieren, will er am Ferienort tatsächlich mobil sein und nicht nur am Strand rumliegen: Die Mietwagen könnten knapp werden.
So rät etwa der Mietwagenvermittler Sunny Cars aktuell zur raschen Buchung, da sich aufgrund der Finanzkrise die Anzahl an Ferienmietwagen in den Zielgebieten deutlich reduziere. "Schon jetzt", so Kai Sannwald, Geschäftsführer von Sunny Cars, "gibt es auf Mallorca, dem Top-Mietwagenziel schlechthin, Ausbuchungen für Pfingsten." Dies sei zu solch einem frühen Zeitpunkt einmalig.
Allein in Spanien rechnet Sunny Cars in diesem Jahr mit bis zu 40.000 weniger Fahrzeugen, die für die Vermietung zur Verfügung stehen. Selbst für die USA werden an die 20 Prozent weniger Mietautos verfügbar sein. Und auch in vielen weiteren Urlaubsländern werden die Flotten reduziert.
20.000 weniger Autos auf Mallorca
Allein auf Mallorca wird damit gerechnet, dass 2009 die gesamte Flotte an "coches de alquiler" von zu Jahresbeginn 50.000 auf maximal 30.000 Fahrzeuge sinken wird. Im Gegensatz zu früher klettert das Durchschnittsalter der Autos nach oben. Die Leute reservieren seltener und kurzfristiger, berichtet die Zeitung Diario de Mallorca in ihrer Ausgabe vom 13. April. Die Zahl der offiziell zugelassenen Mallorca-Mietwagen ist 2009 um 80 Prozent gesunken. Aufgrund der Flottenverringerung seien auch schon Preiserhöhungen festgestellt worden.
Der Hauptgrund für die geringeren Verfügbarkeiten in den Urlaubszielen: Die Autohändler und Hersteller von Fahrzeugen garantieren vielerorts keine Rücknahme der in der Vermietung befindlichen Autos mehr. Bislang gingen die Wagen nach drei bis sechs Monaten im Rahmen so genannter "Buy Back"-Vereinbarungen mit Händlern oder Herstellern zurück, der Vermieter war fein raus. Doch die Zahl der Buy-Backs ist stark rückläufig.
Hier macht sich die Zurückhaltung von Banken bei der Kreditvergabe bemerkbar: Da wegen fehlender Finanzierungen immer mehr Händler aus dem Geschäft aussteigen, Mietwagengesellschaften nicht mehr das sichere Netz der "Buy Backs" unter sich wissen, nimmt die Spirale ihren Lauf.
Denn die Nachfrage in den Ferienzielen ist da und ein Vermieter braucht nun mal neue Autos. Kauft er diese nun komplett auf eigenes Risiko, wird auch für ihn die Frage des Kredits vorrangig. Aber wer finanziert schon 1000 Autos auf einen Schlag? Die Banken übernehmen aufgrund der wirtschaftlichen Krise die Finanzierung solcher Geschäfte nicht mehr im großen Stil. Der Vermieter kann also womöglich nur 700 bis 800 Stück erwerben, und schon wird das Angebot für den Verbraucher knapper.
Der Mietwagenunternehmer steht zudem vor dem Problem – will er denn das Flottenalter ähnlich jung halten – seine gebrauchten Fahrzeuge loszuwerden, doch gerade der Gebrauchtwagenmarkt ist derzeit hoffnungslos übersättigt. Die Abwrackprämie (nicht nur in Deutschland) lässt grüßen …
Für den Urlauber könnte das Szenario also folgendermaßen aussehen: Er bekommt (wenn er denn frühzeitig reserviert hat) im Zweifel ältere Modelle, mit mehr Laufleistung zu erhöhten Preisen.





