Noch zum Wochenbeginn hatte die GfK nach einer Auftragsumfrage berichtet, 2010 wollten wieder mehr Menschen reisen. Ein GfK-Sprecherin begründete die widersprüchlichen Aussagen damit, die Studie im Auftrag eines Lastminute-Reiseveranstalters habe nur auf den Aussagen von rund 1000 Befragten basiert, die neueste Umfrage dagegen auf der Befragung von 20.000 Bundesbürgern.
„Die Anzeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs führen noch nicht dazu, dass die Verbraucher zu ihrem gewohnten Urlaubsverhalten zurückkehren“, betonte die GfK unter Berufung auf neueste, umfassende Umfrageergebnisse. Für das Reisejahr 2010 – es dauert von November 2009 bis Oktober 2010 – seien bisher 55,4 Millionen Urlaubsreisen ab fünf Tagen Länge geplant.
Dabei steht bei der Wintersaison (November bis April) ein Minus von 3,1 Prozent und bei der Sommersaison sogar ein Minus von 4,1 Prozent. Um in wirtschaftlich unsicheren Zeiten zu sparen, werden Ziele im Inland immer beliebter. Schon 2009 gab es hier ein Plus von 4,1 Prozent. Doch die Reisebranche profitiert davon nur begrenzt, denn oft handelt es sich um spontane Kurzreisen mit nur wenigen Übernachtungen.
Außerdem organisieren sich die Urlauber ihre Unterkunft häufig selbst vor Ort oder übernachten bei Freunden - Reisebüros und Online-Portale werden nicht benötigt. Reisefreudig zeigen sich weiterhin die Senioren: Die über 65- Jährigen planen in diesem Jahr zehn Prozent mehr Reisen als 2009. Profitieren dürften davon vor allem Kreuzfahrten, hieß es.
Nicht einschränken müssen sich auch gut situierte Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von mehr als 3250 Euro: Sie liegen mit rund sechs Prozent im Plus. Dagegen sind 37 Prozent der Deutschen im vergangenen Jahr ganz zu Hause geblieben und haben ihren Urlaub auf Balkonien verbracht.
Für die Studie beobachtet die GfK das Mobilitätsverhalten von rund 20.000 repräsentativ ausgewählten Haushalten.
Nach einer Prognose der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen hingegen werden die Deutschen 2010 ebenso häufig verreisen und ebenso viel Geld dafür ausgeben wie 2009. Demnach planten 21 Prozent sogar mehr Reisen als im vergangenen Jahr, sagte Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen vor Beginn der Urlaubs-Messe CMT in Stuttgart. 22 Prozent wollten weniger verreisen als im Vorjahr. 57 Prozent planten gleich viele Reisen.
Diese Zahlen erlaubten Optimismus, sagte der Geschäftsführer der Messe Stuttgart, Roland Bleinroth. „Man verzichtet eher auf etwas anderes als auf Urlaub.“
Auf dem Gelände der neuen Landesmesse am Stuttgarter Flughafen öffnet am Samstag die CMT. Sie gehört zu den größten Publikumsmessen für Touristik und Freizeit in Europa und dient der Reisebranche als Trendbarometer für das neue Jahr. Wie in den Vorjahren ist die Veranstaltung ausgebucht. Nach Messe-Angaben präsentieren vom 16. bis 24. Januar 1850 Aussteller aus 95 Ländern ihr Angebot. Die Veranstalter erwarten rund 200.000 Besucher.
dpa/ddp/heg





