Die Rentner in spe müssen ihren Gürtel deutlich enger schnallen, wenn sie in jungen Jahren nicht ausreichend Geld in ihre private Altersvorsorge investieren. Denn das Rentenniveau wird in den kommenden Jahren sinken, Sozialabgaben und Steuern für Ruheständler werden steigen. Zudem schmälert die Inflation die Kaufkraft der ohnehin geringen gesetzlichen Rente zusätzlich. Das an sich ist keine neue Erkenntnis.
Doch nun warnt das von der Deutschen Bank finanzierte Deutsche Institut für Altersvorsorge in Köln in einer aktuellen Studie davor, dass steigende Preise insbesondere in den Bereichen Freizeit, Gesundheit und Pflege das Haushaltsbudget von Ruheständlern deutlich stärker schmälern als das junger Menschen. Denn wie die Studie zeigt, fragen Rentner insbesondere die Dienstleistungen nach, die sich in den vergangenen Jahren überproportional verteuert haben. Heute gibt ein Haushalt im Vergleich zu 1978 rund 31 Prozent mehr für Miete sowie sechs Prozent mehr für Bildung, Freizeit und Unterhaltung aus. Auch die Ausgaben für die Gesundheit haben sich in diesem Zeitraum um rund 30 Prozent verteuert.
Deutlich weniger Geld benötigen die Haushalte heute hingegen für Kleidung, Möbel oder Nahrungsmittel. Dieser Trend bei den Preisentwicklungen wird sich bis 2030 weiter fortsetzen. Die Experten gehen davon aus, dass die Mietpreise in den kommenden Jahren um sechs Prozent und die Ausgaben für Freizeit und Unterhaltung um vier Prozent steigen werden.
„Unterm Strich bedeutet das, dass Arbeitnehmer künftig einen höheren Anteil ihres Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge zurücklegen müssen als bislang angenommen – sofern sie im Alter ihren Lebensstandard halten wollen“, sagt Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. Die Berechnungen der Experten zeigen jedoch auch, dass Besitzer von Häusern und Appartements weniger Geld für die Altersvorsorge abzwacken müssen als Mieter.
Ein Beispiel: Heute verfügt ein zweiköpfiger Rentnerhaushalt nach Abzug von Abgaben und Steuern über eine Rente von 1700 Euro. Wer sich 2030 in den Ruhestand verabschiedet und seinen Lebensstandard halten möchte, muss bis dahin eine private Altersvorsorge von monatlich 329 Euro aufgebaut haben. „Das Rentenniveau wird bis 2030 von heute rund 48 auf unter 40 Prozent sinken. Zudem werden die nachgelagerte Besteuerung und das höhere Renteneintrittsalter zu deutlichen Einkommenslücken führen“, sagt Katzenstein.
Der Anteil der gesetzlichen Rente, den Ruheständler versteuern müssen, steigt in den kommenden Jahren sukzessive an. Der steuerfreie Anteil wird dann zeitlebens festgeschrieben. Rentner, die sich im laufenden Jahr aus dem Erwerbsleben zurückziehen, müssen 60 Prozent ihrer gesetzlichen Altersbezüge steuerlich veranschlagen. Wer sich 2040 oder später zur Ruhe setzt, muss die kompletten Auszahlungen aus der gesetzlichen Rente versteuern. Auch Arbeitnehmer, die sich früher als vom Gesetzgeber vorgesehen zur Ruhe setzen, müssen mit Einbußen bei der Rente rechnen. Die Rentenversicherung reduziert die Altersbezüge pro Monat, die der Arbeitnehmer früher in Rente geht, um 0,3 Prozentpunkte.
Berücksichtigt man nun auch noch den von den Autoren der Studie errechneten typischen Kaufkraftverlust für Ruheständler, wächst die Lücke von 329 auf 508 Euro. Um diese zu schließen, müssen Arbeitnehmer ab dem 20.Lebensjahr je nach Höhe des Einkommens zwischen 7 und 12 Prozent ihres Bruttoeinkommens in die private Vorsorge investieren. Für Wohneigentümer liegt die Quote zwischen 5,5 und 10,5 Prozent. Bislang gingen Experten davon aus, dass es reicht, 4,1 bis 5,5 Prozent seiner Einkünfte in die private Vorsorge zu investieren.
In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass die vom Gesetzgeber eingeführte Riester-Rente unterm Strich für die private Vorsorge nicht reicht. Denn die Riester-Rente sieht vor, dass die Sparer vier Prozent ihres Vorjahreseinkommens abzüglich der Zulagen in den Vertrag einzahlen – maximal 2100 Euro. Im Gegenzug belohnt der Staat die Anleger mit Zulagen und Steuerersparnissen. Jeder Riester-Sparer erhält eine Grundzulage von 154 Euro. Für jedes Kind gibt es 185 Euro. Und für jeden Sprössling, der nach 2007 das Licht der Welt erblickt hat, zahlt der Staat sogar 300 Euro. „Nur mit einer Riester-Rente privat fürs Alter vorzusorgen, reicht also nicht“, sagt der Autor der Studie Reiner Braun.
Verbraucherschützer haben indes einen anderen Ansatz. Nicht die mögliche Versorgungslücke sollte im Fokus stehen, sondern jeder Haushalt sollte zunächst seine Kredite begleichen. „Damit sichern sich Sparer die höchsten Zinsen“, sagt Niels Nauhauser, Altersvorsorgeexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Zudem sollte jeder eine Haftpflicht- und eine Berufunfähigkeitsversicherung abschließen, um sich vor existenziellen Risiken zu schützen. Ist dann Geld übrig, sollte über eine Altersvorsorge nachgedacht werden.
Wer sich dann im Alter zur Ruhe setzen möchte und feststellt, dass das Geld nicht reicht, um den Lebensstandard auch nur annähernd zu halten, dem bleibt zu guter Letzt nichts anderes übrig, als einige Jahre länger zu arbeiten.



