Hintergrund

Rohstoffklassen folgen ihren eigenen Gesetzen

Die Märkte von Industriemetallen, Erdöl, Agrarprodukten und Edelmetallen folgen unterschiedlichen Regeln. Anleger sollten das beachten, bevor sie in diesen komplexen Markt einsteigen. Morgenpost Online gibt Hinweise, wie die verschiedenen Rohstoffmärkte funktionieren.


1. Industriemetalle

Der Wert von Industriemetallen hängt stark von der Konjunktur ab. Fragt eine boomende Industrie große Mengen an Kupfer, Aluminium oder Zink nach, schießen die Preise in die Höhe. Deutet sich jedoch eine wirtschaftliche Abkühlung an, können sämtliche Gewinne schnell wieder dahin sein. Wie 2008 geschehen: Binnen sechs Monaten verbilligte sich Kupfer an den Weltmärkten um fast 70 Prozent.

Langfristig geben Industriemetalle ein uneinheitliches Bild ab. Manche sind teurer andere billiger als in den 80er-Jahren. Da diese Erze in der Erdkruste in großer Menge vorhanden sind, lautet die Frage nicht, ob es genügend Kupfer, Eisen oder Aluminium gibt, sondern wann und zu welchem Preis diese Rohstoffe auf den Markt kommen. Investmentprofis wie Berlenbach oder Paech setzen jedoch daher nicht so sehr auf die Metall-Kontrakte, sondern auf die Aktien der Minengesellschaften, denen diese Herkulesaufgabe unweigerlich zufällt. Sie sind die wahren Profiteure.

2. Erdöl

Öl hat alles, was ein heißes Investment ausmacht: Es ist nur begrenzt verfügbar, es gilt als unerlässlich für die Weltwirtschaft, es kann nicht ohne Weiteres ersetzt werden und es wird an den Börsen rege gehandelt. Allerdings hat das schwarze Gold schon viele Investoren ins Unglück gestürzt. Der Energiemarkt ist voller Tücken. Neben dem Ölkartell Opec mischen auch Spekulanten kräftig mit. Immer wieder treiben sie die Preise nach oben oder unten - bis hinein in völlig irrationale Regionen. Allein die vergangenen zwei Jahre sahen Preisspannen von 147 bis 34 Dollar. Fast schon tragikomisch muten die Versuche von Analysten an, die Notierungen vorherzusagen. Auf lange Sicht ist die Bilanz ernüchternd. Inflationsbereinigt liegt der jetzige Preis nicht nur kaum über dem Stand von vor 30 Jahren. Selbst seit dem späten 19. Jahrhundert haben sich die Notierungen gemessen an der Kaufkraft nicht wesentlich von der Stelle bewegt. Hiesige Öl-Investoren müssen zudem bedenken, dass Wertsteigerungen bei Brent oder WTI häufig durch einen schwachen Dollar konterkariert werden. Währungsabsicherungsgeschäfte wiederum verursachen zusätzliche Kosten.

3. Agrarrohstoffe

"Agrarrohstoffe können sich vom Prinzip des Schweinezyklus nie befreien, mal steigen die Preise stark, dann stürzen sie ab und stagnieren auf Jahre oder Jahrzehnte", umreißt Investmentbanker Paech die Situation in diesem Marktsegment. Mit dem Wort Schweinezyklus spielt er darauf an, dass sich Phasen starker Über- und starker Unterproduktion abwechseln wie früher die Schweine-Populationen. Immer wieder ist in der Geschichte die Gefahr einer Lebensmittelknappheit beschworen worden. Aber bisher konnte die landwirtschaftliche Effizienz immer wieder so sehr verbessert werden, dass es zu keiner globalen Knappheit kam. Die großen Preissprünge der Jahres 2007/08 waren durch Biosprit-Subventionen mitverursacht. Mais und andere Feldfrüchte wurden zu Energierohstoffen pervertiert. Selbst ein breit aufgestellter Index wie der Rogers Internationale Agriculture Index lässt von einem Superzyklus nichts erkennen.

4. Edelmetalle

Gold ist der Star unter den Rohstoffen. Mit keiner anderen Geldanlage war in den vergangenen zehn Jahren so viel zu verdienen wie mit dem gelben Metall. Zehn Prozent Rendite jährlich brachte es Sparern ein. Gold ist daher das Symbol für eine neue Investmentära: die Ära des Superzyklus. Doch auch bei Gold ist die langfristige Vermögensbilanz nicht ganz so phänomenal, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Anfang des 20. Jahrhunderts kostete die Unze 20,67 Dollar. Ein heute Hundertjähriger könnte sich also rein optisch über eine Verfünfzigfachung des Wertes freuen - bis er sich daran erinnert, wie stark die Inflation seither den Geldwert verminderte hat: Die 20,67 Dollar von damals entsprechen nach heutiger Kaufkraft 440 Dollar.

Real hätte der Methusalem sein Vermögen mit Gold also allenfalls um den Faktor 2,5 steigern können. Passabel, aber nicht galaktisch. Dennoch hat das gelbe Metall das vielleicht größte Potenzial. Die industrielle Bedeutung von Gold ist zwar gering, dafür wird es mehr und mehr als Währungsersatz nachgefragt. Dieses Absicherungsbedürfnis schafft eine zusätzliche Nachfrage, die den Unzenpreis in den nächsten Jahren Richtung 2000 Dollar treiben könnte.