Überschuldung

So kommen Verbraucher durch die Privat-Insolvenz

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Harald Czycholl

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Die Krise ist vom eigenen Geldbeutel nicht weit entfernt. Wenn der Job weg ist und fällige Rechnungen und Raten nicht mehr beglichen werden können, droht auch vielen Verbrauchern die Pleite. In einer völlig verfahrenen Situation bietet das Verbraucherinsolvenzverfahren letzte Hilfe und eine zweite Chance.

Werner H. hatte sich und seiner Familie einen Traum erfüllt: Ein schmuckes Häuschen im Grünen, vor den Toren Kölns. Gebaut vor acht Jahren, finanziert über einen Kredit, der mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 2200 Euro gut zu bedienen war. Rund 800 Euro gingen jeden Monat für Zins und Tilgung drauf. Doch dann kam die Finanzkrise. Werner H., angestellt als Verkäufer in einem Autohaus, verlor seinen Job und konnte die Kreditraten nicht mehr bezahlen. Einige Monate hielt die Familie durch, schränkte sich ein. Am Ende finanzierte Werner H. die laufenden Kosten seiner Familie über den teuren Dispo-Kredit – und überzog das Konto bis es nicht mehr ging. Da schuldete er seiner Bank bereits 20.000 Euro.


Ist der Job erst mal weg, galoppieren die laufenden Kosten schnell davon. Schulden sind fast unvermeidlich. Doch vielen Menschen wachsen sie über den Kopf. „Wenn das monatliche Einkommen nicht ausreicht, die fixen Lebenshaltungskosten sowie fällige Rechnungen und Raten zu bezahlen, ist man überschuldet“, erklärt Claudia Kurzbuch, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Kassel. Die gute Nachricht ist allerdings: Man muss dies nicht bis an sein Lebensende mit sich herumschleppen. Wenn gar nichts mehr geht, kann den Betroffenen immer noch ein Instrument aus der Misere helfen: Die Privatinsolvenz, offiziell Verbraucherinsolvenz genannt. Nach einer mehrjährigen so genannten Wohlverhaltensphase macht sie den Weg frei für einen Neuanfang ohne Schuldenlast. Grundsätzlich gilt: „Wer sechs magere Jahre durchhält, kann anschließend mit sich und seinen Gläubigern im Reinen sein“, so Kurzbuch.

Langer Weg aus den Schulden ist lang

Wer Schulden hat, sollte alle Unterlagen zusammenstellen, die die Zahlungsunfähigkeit belegen. Dazu gehören Mahn- und Vollstreckungsbescheide, Kontoauszüge und Vereinbarungen mit Gläubigern über Ratenzahlungen. Wer nachweist, dass ihm die Schulden über den Kopf gewachsen sind, hat dann die Chance, innerhalb von sechs Jahren belastungsfrei zu sein. Und das funktioniert nach einem fest vorgegebenen Schema: Zunächst muss der Schuldner versuchen, sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich zu einigen.

Dazu muss er die Hilfe einer „geeigneten Person“ in Anspruch nehmen. Dazu zählen Schuldnerberater, Steuerberater oder auch Rechtsanwälte. Wenn die außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht gelingt, hat der Schuldner die Möglichkeit, innerhalb von sechs Monaten beim zuständigen Amtsgericht die Eröffnung des gerichtlichen Insolvenzverfahrens zu beantragen. Auch das Gericht versucht zunächst, eine gütliche Einigung zwischen dem Schuldner und seinen Gläubigern herbeizuführen. Dazu wird ein Schuldenbereinigungsplan aufgestellt, bei dem die Gläubiger auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten müssen. Stimmen die Gläubiger zu, muss der betroffene Verbraucher nun die restlichen Schulden abstottern. Lehnen sie ab, kommt das Insolvenzverfahren in Gang.

Pfändbarer Teil geht an den Treuhänder

Nun muss der Schuldner, der die Befreiung von seinen Schulden beantragt hat, sechs Jahre lang den pfändbaren Teil seines Arbeitseinkommens an einen Treuhänder abführen, der dieses Geld anschließend auf die Gläubiger verteilt. Der Schuldner muss dabei auch Einkünfte wie Arbeitslosengeld, Renten und andere Sozialleistungen einsetzen.

Jede zumutbare Arbeit muss angenommen, jeder Stellen- und Wohnortwechsel, jede sonstige Einnahme wie etwa eine Erbschaft muss gemeldet werden. Erbschaften müssen allerdings nur zur Hälfte für die Schuldentilgung eingesetzt werden. Gewinne – etwa beim Lotto – gehören komplett dem Schuldner. Die Gläubiger dürfen während dieser sechs Jahre ihre Forderungen nicht vollstrecken lassen. Hat der Schuldner seine Verpflichtungen erfüllt, erlässt ihm das Amtsgericht die bisherigen Schulden. Damit kann er nun neu beginnen. Die alten Schulden ist er los.