Griechenland hält die Euro-Zone in Atem und lässt den Kurs der Gemeinschaftswährung weiter fallen. Der Euro sinkt unter 1,32 Dollar erreicht zwischenzeitlich ein Jahrestief. Das mag schlecht sein für Urlauber und Autofahrer, für die sich der Benzinpreis verteuert. Gut ist es dagegen für die Exportindustrie – und für all jene, die als Anleger auf diese Verschiebung gesetzt haben. Denn mit Investments auf Devisen lassen sich gute Renditen erzielen, egal, wohin die Reise an den Finanzmärkten gerade geht.
Ob nun Griechenland gerettet wird oder nicht, ob der Dollar in vier Wochen tiefer oder höher steht, das ist dabei gar nicht einmal entscheidend. "Die langfristigen Trends erlauben am Devisenmarkt oft am meisten Geld zu verdienen", sagt Andreas Utermann, Chef-Anlagestratege von RCM, einer Tochtergesellschaft von Allianz Global Investors. Und diese seien meist recht klar vorauszusehen.
Eine wesentliche Entwicklungslinie sieht er in der wachsenden Bedeutung der asiatischen Länder, allen voran China. "Der Wert des Yuan wird langfristig steigen und das gilt auch für die Währungen der Nachbarländer", glaubt er. Daher sei es sinnvoll, in Anleihen aus dieser Region zu investieren, um so an der Aufwertungstendenz teilzuhaben. Ähnliches gilt für jene Währungsräume, die vom Rohstoffboom profitieren, beispielsweise Australien und Norwegen.
Die norwegische Krone hat gegenüber dem Euro seit Anfang 2009 rund 20 Prozent zugelegt, parallel zum steigenden Ölpreis. Der australische Dollar legte sogar 30 Prozent zu. Auf der anderen Seite stehen die Währungen, die langfristig eher abwerten dürften, und dazu zählt auch der Dollar. Im Vergleich zum Euro hat er zwar in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt. Aber allein die Betrachtung seines Außenwertes im Vergleich mit einem Währungskorb aus sechs Währungen zeigt, dass der Grund dafür allein die Schwäche des Euro war.
Für Christian Apelt, Währungsexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen, gleicht daher der Vergleich von Dollar und Euro eher einem Wettbewerb zwischen einem Einäugigen und einem Blinden. Denn auch die USA stehen vor erheblichen Problemen und einem enormen Schuldenberg. "Welche der beiden Währungen langfristig nun die Blinde und welche die Einäugige ist, bleibt vorerst offen", sagt er. "Vor Kraft strotzen beide nicht."
Dies gilt für den japanischen Yen allemal. Denn Tokios Schuldenberg ist auch in Relation zur Wirtschaftskraft sogar noch größer als jener Griechenlands. Bisher ging dies gut, weil die Japaner ihre Schulden im eigenen Land finanzieren konnten. Das Nettofinanzvermögen der Japaner sinkt jedoch seit Jahren, so dass sie wahrscheinlich schon bald ausländische Gläubiger anzapfen müssen - und ob diese genug Vertrauen in Japans Finanzkraft haben, ist fraglich. "Der Yen müsste eigentlich deutlich abwerten", sagt daher Utermann.
Auf solch langfristige Trends setzen Devisenfonds, die meist in Anleihen jener Staaten investieren, bei deren Währung sie mit einer Aufwertung rechnen. Diese Fonds bringen sehr stetige Renditen, selbst die Finanzkrise konnte den meisten wenig anhaben, nach einem kleinen Knick stiegen die Kurse weiter. Daher weisen sie auch auf Sicht von drei Jahren ein Plus aus, während Aktienfonds für diesen Zeitraum meist noch im Minus sind.
Allerdings dürfen Anleger von diesen Fonds auch keine Wunder erwarten. Die Renditen liegen im niedrigen einstelligen Bereich. Das entscheidende Argument für sie ist daher die Stetigkeit des Vermögenszuwachses und die relative Sicherheit zu anderen Anlageformen, nicht ihre Wertentwicklung.
Wer mit Devisen mehr gewinnen und auch ganz konkret auf die aktuellen Entwicklungen setzen möchte, der muss mehr riskieren. Dies ist einerseits über spezielle Indexfonds möglich, beispielsweise von DB x-trackers. Sie bilden verschiedene Strategien ab. So setzt Currency Momentum auf jene Währungen, die in den vergangenen zwölf Monaten die beste Wertentwicklung aufwiesen, Currency Carry setzt auf Zinsunterschiede in den Währungsräumen und Currency Returns setzt auf ein Kombination verschiedener Strategien.
Daneben gibt es eine Reihe von Zertifikaten mit denen Anleger verschiedene Szenarien spielen können, indem sie auf einen sinkenden (short) oder steigenden (long) Euro-Kurs im Vergleich zu anderen Devisen setzen. Wer dies tut, sollte aber eine klare Meinung über den Devisenmarkt haben und bereit sein, das Risiko zu tragen. Wer keiner Währung mehr vertraut und ein Anhänger der Theorie ist, wonach Griechenland nur der erste Schritt in eine Welt voller Staatspleiten und Finanzkrisen ist, der dürfte mit Investments in Gold am besten bedient sein.
Immerhin ist das Edelmetall die einzige Währung, die in den letzten Jahren im Vergleich zu sämtlichen Devisen gewonnen hat. In Euro gerechnet pendelt der Preis pro Feinunze derzeit sogar um das Allzeithoch. Doch auch hier können sich Anleger verzocken. Denn bisher galt noch stets: Jede Krise geht einmal zu Ende.

