Eine Ausweitung der EU-Regeln gegen unfaire Handelspraktiken auf große internationale Lebensmittelkonzerne könnte nach Einschätzung des Handelsverbandes Deutschland (HDE) die Verbraucherpreise erhöhen, ohne die Lage der Landwirte zu verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom HDE in Auftrag gegebene Studie der Düsseldorf Competition Economics GmbH (DCE), die dieser Redaktion vorab vorlag. Die in der politischen Debatte angeführte Annahme, dass ein stärkerer Schutz der Lebensmittelindustrie auch den Bauern zugutekomme, sei ökonomisch nicht plausibel, heißt es in der Veröffentlichung, die der HDE an diesem Mittwoch in Berlin präsentieren will.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Unter den EU-Mitgliedsstaaten wird derzeit über die Ausweitung der sogenannten UTP-Richtlinie debattiert. Die Abkürzung steht für „Unfair Trading Practices“, also unlautere Handelspraktiken. Die Richtlinie soll Lieferanten in der Agrar- und Lebensmittelkette vor unfairen Geschäftspraktiken mächtiger Abnehmer schützen. Dazu zählen etwa verspätete Zahlungen, kurzfristige Stornierungen verderblicher Ware oder einseitige Änderungen von Vertragsbedingungen.
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Gutachten zweifelt Kaskadeneffekt in der Lebensmittelkette an
Künftig sollen demnach auch große internationale Lebensmittelkonzerne wie Unilever, Nestlé oder Coca-Cola stärker unter die Regeln fallen. Die Befürworter versprechen sich davon einen sogenannten Kaskadeneffekt: Werden die Verhandlungsbedingungen für Hersteller gegenüber dem Handel verbessert, könnten diese Vorteile über die Lieferkette bis zu den landwirtschaftlichen Erzeugern weitergegeben werden. So sollen am Ende auch Bauern höhere Preise erzielen.
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Das Gutachten hingegen stellt diesen Mechanismus in Frage. „In unserer Studie wird deutlich, dass ein solch allgemeiner, verlässlich zugunsten der Landwirtschaft wirkender Kaskadeneffekt nicht zu erwarten ist“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler und Gründungsdirektor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie, Justus Haucap, unserer Redaktion.
Laut Gutachten würden Preise auf jeder Stufe der Lebensmittelkette in eigenständigen Geschäftsbeziehungen ausgehandelt. Ein Hersteller, der gegenüber dem Handel entlastet werde, müsse deshalb nicht automatisch mehr für seine Rohstoffe zahlen. Ob ein Vorteil weitergegeben werde, hänge von der Verhandlungsmacht und den Ausweichmöglichkeiten der jeweiligen Lieferanten ab. „Soll die wirtschaftliche Situation landwirtschaftlicher Erzeuger gezielt verbessert werden, sollten Maßnahmen möglichst unmittelbar und ausschließlich bei den landwirtschaftlichen Betrieben ansetzen“, so Haucap.
Handelsverband warnt vor steigenden Preisen durch neue EU-Regelung
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth kritisierte die mögliche Ausweitung gegenüber dieser Redaktion. Der Einzelhandel beziehe seine Waren nur in wenigen Fällen direkt von Landwirten. Meist seien Molkereien oder andere verarbeitende Unternehmen zwischengeschaltet. Eine stärkere Verhandlungsposition der Industrie komme deshalb nicht automatisch den Bauern zugute. „Die Verhandlungen zwischen Handel und Industrie zulasten der Einzelhändler einzuschränken, bringt den Bauern gar nichts“, sagte Genth.

Stattdessen könnten die Hersteller ihre Margen verbessern und die zusätzlichen Kosten an die Verbraucher weitergeben. „Am Ende wird sich das auch in den Regalen bemerkbar machen“, warnte Genth. Die EU-Kommission müsse verhindern, dass große Industriekonzerne auf Kosten der Verbraucher profitierten.







