Schweden gilt seit Jahren als einer der Vorreiter, wenn es um bargeldloses Bezahlen geht. Selbst kleine Beträge werden meist mit Karte oder per Handy bezahlt, viele Geschäfte akzeptieren inzwischen überhaupt kein Bargeld mehr. Jetzt gilt jedoch ein neues Gesetz, das Lebensmittelgeschäfte und Apotheken grundsätzlich verpflichtet, wieder Münzen und Scheine anzunehmen.
Schweden setzt bei Krisenvorsorge auf Bargeld als sicheres Zahlungsmittel
Hintergrund der Neuregelung ist vor allem die Krisenvorsorge. Nach Einschätzung der schwedischen Regierung und der Zentralbank soll Bargeld auch dann als Zahlungsmittel verfügbar sein, wenn digitale Bezahlsysteme etwa durch Stromausfälle, technische Störungen oder Cyberangriffe ausfallen. Die Zivilschutzbehörde empfiehlt Erwachsenen deshalb bereits seit einiger Zeit, rund 1000 Kronen, umgerechnet etwa 90 Euro, in bar zu Hause aufzubewahren.
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„In manchen Situationen, wenn die Technik streikt, können Münzen und Scheine die einzige Bezahlform sein, die funktioniert“, sagt Carlos Cancino von der Supermarktkette Coop der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Auch die Zentralbank verweist auf die veränderte geopolitische Lage und betont, dass Bargeld ein wichtiger Bestandteil der gesellschaftlichen Resilienz sei.
Neben der Krisenvorsorge spielt auch der Aspekt der Inklusion eine Rolle. Menschen, die mit digitalen Bezahlmethoden nicht zurechtkommen, wie zum Beispiel ältere Menschen oder Personen mit Behinderungen, sollen weiterhin problemlos einkaufen können. Der Vorsitzende der schwedischen Initiative „Kontantupproret“, zu Deutsch: „Bargeldaufstand“, Björn Eriksson, begrüßt deshalb die Gesetzesänderung. „Ich finde, dass die Verbraucher selbst entscheiden sollten. Wer digital bezahlen will, soll das gerne tun. Aber es muss doch trotzdem möglich sein, mit Bargeld zu bezahlen, wenn man das möchte“, sagt er.
Bargeld bleibt Ausnahme: Schweden zahlt weiterhin meist digital
Von einer Rückkehr zum Bargeld kann dennoch keine Rede sein. Die große Mehrheit der Schwedinnen und Schweden bezahlt ihren Alltag weiterhin digital. Nach einer Umfrage der schwedischen Reichsbank gaben im vergangenen September lediglich fünf Prozent der Befragten an, ihren letzten Einkauf bar bezahlt zu haben.
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Zudem sieht das neue Gesetz zahlreiche Ausnahmen vor. Geschäfte ohne bemannte Kassen müssen Bargeld ebenso wenig annehmen wie Läden, in denen dadurch Sicherheitsrisiken für Beschäftigte entstehen könnten. Händler können sich außerdem auf einen unverhältnismäßigen Aufwand für Bargeldsysteme berufen. Mehr als 25 Münzen müssen sie nicht akzeptieren. Unklar ist bislang auch, wie Verstöße gegen die Regelung kontrolliert oder sanktioniert werden sollen.




