Vier Millionen Fahrzeuge, ein milliardenschweres Versprechen – und ein spätes öffentliches Eingeständnis von Elon Musk: Teslas bisherige Hardware reicht nicht aus, um vollautonomes Fahren zu ermöglichen. Nur mit einem Upgrade sollen die Autos von allein fahren können.

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Bei der Präsentation der Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 ruderte Tesla-Chef Musk ungewöhnlich deutlich zurück. „Ich wünschte, es wäre anders, aber Hardware 3 hat einfach nicht die Fähigkeiten, um unbeaufsichtigtes FSD zu erreichen“, sagte er. Gemeint ist der bordeigene Computer (HW3), der in Millionen Fahrzeugen verbaut ist.
Vier Millionen Tesla mit alter Hardware betroffen
Rund vier Millionen Tesla-Fahrzeuge sind mit dieser Hardware unterwegs. Käuferinnen und Käufer konnten gegen Aufpreis die sogenannte „Full Self-Driving“-Software (FSD) erwerben – mit Aussicht auf künftig vollständig autonomes Fahren. In Europa zahlten viele Käufer über 6000 Euro für die FSD-Option, obwohl das Feature nie in vollem Umfang geliefert wurde, wie „der Standard“ schreibt. In den USA sollen Kunden laut Berichten von „Electrek“ teilweise bis zu 15.000 Dollar gezahlt haben.
Dieses Versprechen wird nun teilweise wieder zurückgenommen. Ohne Hardware-Upgrade ist das Ziel nicht erreichbar. Der Grund: HW3 verfügt laut Musk nur über etwa ein Achtel der Speicherbandbreite der neueren Generation HW4 (auch AI4 genannt). Verbaut wurde die ältere Technik vor allem zwischen 2019 und 2023.
Für viele Kundinnen und Kunden hat das konkrete rechtliche Folgen. In mehreren Ländern wächst der Druck auf Tesla. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe beim Verkauf der FSD-Option den Eindruck vermittelt, Fahrzeuge mit HW3 seien grundsätzlich für vollautonomes Fahren geeignet.
In den Niederlanden etwa hat sich eine sogenannte „HW3-Claim“-Initiative gebildet, der sich bereits über 4000 Betroffene angeschlossen haben. Auch in Australien laufen ähnliche Sammelklage-Ansätze. Ob es zu einer breit angelegten gerichtlichen Klärung kommt, ist offen.
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Autonomes Fahren bei Tesla weiter Zukunftsmusik
Sogar über die Hardwarefrage hinaus dämpfte Musk die Erwartungen. In der Telefonkonferenz sagte er, dass unbeaufsichtigtes autonomes Fahren derzeit noch nicht für den großflächigen Einsatz bereit sei. Man wolle zunächst „wesentliche architektonische Verbesserungen“ an der Software abschließen, bevor ein Rollout im großen Maßstab erfolge.
Damit bleibt sich Musk treu: Seit Jahren verschiebt er die Zeitpläne für autonomes Fahren. Ursprünglich hatte er bereits 2015 als Durchbruchsjahr genannt, aktuell spricht er von Ende 2026.
Technisch bewegen sich Tesla-Fahrzeuge weiterhin auf Level 2 der SAE-Skala. Das bedeutet Assistenzsysteme, bei denen der Fahrer jederzeit eingreifen muss. Gleichzeitig wurde FSD-Käuferinnen und -Käufern mindestens Level 3, teils Level 4 in Aussicht gestellt.
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Tesla-Kunden vor Kostenfrage: Upgrade oder neues Auto?
Für betroffene Kundinnen und Kunden bleibt damit nur die Nachrüstung. Tesla plant den Austausch zentraler Komponenten – inklusive Computer und Kameras. Alternativ bietet Tesla vergünstigte Inzahlungnahmen für neuere Modelle an. Parallel sollen sogenannte „Mikrofabriken“ entstehen, um die Umrüstung effizient durchzuführen.
Gleichzeitig treibt Tesla die internationale Zulassung von FSD (überwacht) voran. Nach der Genehmigung in den Niederlanden sollen weitere EU-Staaten sowie China im zweiten Quartal folgen.
Tesla: Robotaxi-Geschäft langsamer als geplant
Die FSD-Probleme bremsen auch das Robotaxi-Geschäft. Während Musk zuvor eine flächendeckende Einführung in den USA in Aussicht gestellt hatte, spricht er nun davon, dass Robotaxis bis Ende 2026 nur in etwa einem Dutzend Bundesstaaten verfügbar sein könnten.

Bisher sind nur wenige Robotaxis in Austin, Dallas und Houston (alle Texas) unterwegs. Zum Vergleich: Fahrerlose Wagen der Google-Schwesterfirma Waymo sind in den USA bereits für mehr als 500.000 bezahlte Fahrten mit Passagieren pro Woche unterwegs. Musk rechnet erst im nächsten Jahr mit „signifikanten“ Umsätzen durch FSD oder Robotaxis.
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Strategiewechsel: Tesla als KI- und Robotik-Konzern
Parallel dazu verschiebt Tesla seinen Fokus immer weiter weg vom klassischen Autogeschäft und hin zu einer KI- und Robotikfirma. Im Fokus steht der humanoide Roboter „Optimus“. Dieser soll laut Musk langfristig „das größte Produkt von Tesla aller Zeiten“ werden und millionenfach produziert werden. Dafür sollen die Fabrik in Texas für eine Jahresproduktionskapazität von 10 Millionen und die Fabrik in Kalifornien für eine Million Roboter ausgebaut werden. Business Insider berichtet, Musk erwarte den Produktionsstart in Texas für den Sommer 2027.

Um diese Neuausrichtung umzusetzen, erhöht Tesla seine Investitionen massiv. Für 2026 wurden die geplanten Ausgaben von 20 auf rund 25 Milliarden Dollar angehoben – unter anderem für neue Fabriken und KI-Infrastruktur. Das belaste zwar den Cashflow, sei aber notwendig, um das Unternehmen „für die nächste Ära zu positionieren“, wie Finanzchef Vaibhav Taneja erklärte.
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Erstes Quartal bei Tesla wohl wieder besser
Operativ hat sich Tesla nach einem schwächeren Vorjahr im ersten Quartal 2026 verbessert. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 22,4 Milliarden Dollar (19,1 Milliarden Euro). Der Gewinn legte um 17 Prozent auf 477 Millionen Dollar zu. Beide Werte lagen über den Erwartungen der Analysten.
Das Unternehmen sieht Wachstum vor allem in Asien und Südamerika. In Europa und Nordamerika habe sich die Nachfrage stabilisiert. Das schwache Vorjahr sei unter anderem durch Boykottaufrufe gegen CEO Elon Musk im Zusammenhang mit seiner Rolle in der Regierung von US-Präsident Donald Trump belastet worden.
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Trotz der verbesserten Zahlen bleibt Tesla vorsichtig. Das Unternehmen verweist auf Unsicherheiten bei Nachfrage, Lieferketten und Priorisierung. Der Aktienkurs reagierte zunächst positiv – doch die später angekündigten massiven Investitionen sorgen auch für Skepsis unter den Anlegern.
mit dpa










