Liebe Leserin, lieber Leser,
man muss der Bundesregierung eines lassen: Selten war ein politischer Effekt so pünktlich wie dieser. Punkt 12 schnellt der Spritpreis nach oben. Transparenz erreicht: Wir wissen jetzt ganz genau, wann es teuer wird.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Die neue Regel – weniger Preisänderungen pro Tag, mehr Transparenz für Verbraucher – sollte Ordnung ins Chaos bringen. Weniger Preis-Hickhack, mehr Übersicht, fairerer Wettbewerb. Klingt gut. In der Praxis wirkt es eher wie ein tägliches Ritual: Die Konzerne drehen mittags einmal gemeinsam am Rad. Und danach darf wieder ein wenig heruntergespielt werden.
An der Zapfsäule herrscht kein fairer Wettbewerb
Das Problem ist kein Geheimnis, sondern ein klassischer Lehrbuchfall: Wenn alle zur gleichen Zeit erhöhen dürfen, erhöhen eben auch alle zur gleichen Zeit. Wettbewerb sieht anders aus. Eher wie ein stilles Einvernehmen. Ganz ohne Absprache, aber mit erstaunlich synchronem Ergebnis.
Natürlich wäre es zu einfach, jetzt nur auf die Politik zu zeigen. Die Preise werden auch von globalen Krisen getrieben, vom Ölmarkt, von Konflikten weit weg. Aber genau deshalb hätte man besonders sorgfältig überlegen müssen, ob ein Eingriff wirklich hilft. Oder ob ein solcher nur einen Mechanismus schafft, der für alle sichtbar nur eine Richtung kennt: nach oben.
Hier wurde an der falschen Stellschraube gedreht
Was bleibt, ist ein System, das Transparenz geschaffen hat. Allerdings nicht über günstige Gelegenheiten, sondern über den teuersten Moment des Tages. Immerhin: Wer um kurz nach 12 Uhr tankt, weiß jetzt, dass er garantiert den falschen Zeitpunkt erwischt hat. Auch eine Form von Planungssicherheit.
Vielleicht ist das die eigentliche Lehre: Man kann Märkte regulieren. Aber manchmal reguliert man vor allem den Moment, in dem sie uns besonders deutlich zeigen, wie sie funktionieren.
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