Noch bis Ende April läuft ein Designwettbewerb für die neuen Euro-Scheine. Doch parallel arbeitet die Europäische Zentralbank (EZB) an gänzlich virtuellem Bargeld. In den kommenden Wochen entscheidet sich, ob und wann der digitale Euro eingeführt wird.
Was ist der digitale Euro?
Der digitale Euro ist eine neue Form von Bargeld. Anders als Scheine und Münzen ist er virtuell. Er lässt sich zum Beispiel in einer digitalen Brieftasche, englisch: Wallet, auf dem Mobiltelefon transportieren. Mit ihm soll man in Geschäften genauso bezahlen können wie mit klassischem Bargeld. Und die Oma kann dem Enkel statt eines Scheins auch das digitale Geld schicken. Das alles soll anonym sein und auch funktionieren, wenn das Mobiltelefon nicht mit dem Internet verbunden ist.
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Wird Bargeld abgeschafft?
„Wichtig ist: Bargeld bleibt erhalten“, sagt Jorim Gerrard, Referent Digitaler Euro bei der Bürgerbewegung Finanzwende, die sich für nachhaltige Finanzwirtschaft einsetzt und die der ehemalige Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick (Grüne) gegründet hat. „Der digitale Euro soll diese sicherste Form unseres Geldes aber digital zugänglich machen.“
Warum denken EZB und EU-Kommission, dass der digitale Euro nötig ist?
Die Zahl der Menschen, die bar bezahlen, nimmt überall in Europa ab. In manchen Ländern, etwa in Skandinavien oder Großbritannien, wird fast alles mit der Karte oder zum Beispiel dem Mobiltelefon bezahlt. In Deutschland liefen 2017 nach Zahlen der Bundesbank noch 74 Prozent aller Zahlungen in bar, 2023 waren es nur noch 51 Prozent, Tendenz fallend. In der Euro-Zone sank der Anteil von 74 auf 52 Prozent. EU und EZB wollen digital die Kontrolle behalten.
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Es gibt bereits zahlreiche digitale Bezahlmöglichkeiten. Warum ist noch eine weitere nötig?
Auch 25 Jahre nach dem Start der europäischen Gemeinschaftswährung fehlt eine einheitliche europäische Lösung für digitales Bezahlen. „Der digitale Euro ist der vielversprechendste Weg, sich aus der Abhängigkeit von US-Unternehmen wie Visa, Mastercard und Paypal beim digitalen Bezahlen zu lösen“, sagt Gerrard. Er könne auch neue Abhängigkeiten verhindern, etwa von Big-Tech-Unternehmen wie Apple und Google.
Wie wichtig sind die US-Zahlungsanbieter wirklich?
Mit Ausnahme von Belgien, Frankreich und Deutschland nutzen alle anderen Euro-Länder bei Kartenzahlung vor allem die Technik von Mastercard oder Visa, wie die Europäische Zentralbank 2025 ermittelt hat. In Deutschland ist die heimische Girocard (EC-Karte genannt) am wichtigsten, die im Ausland auch über Visa- und Mastercard-Systeme läuft. Im Onlinehandel dominiert europaweit Paypal, außer in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Portugal mit heimischen Lösungen. Den US-Zahlungsabwickler nutzen auch Privatpersonen am liebsten, um Freunden und Bekannten Geld zu schicken.
Was unterscheidet den digitalen Euro von Kreditkartenzahlung, Apple Pay und Google Pay sowie Wero?
Der digitale Euro soll über ein eigenes, unabhängiges europäisches System laufen. Und: „Dass der digitale Euro per Gesetz überall im Euro-Raum verfügbar ist und angenommen werden muss, ist ein riesiger Vorteil im Vergleich zu Angeboten privater Unternehmen wie Banken und Finanzdienstleistern“, sagt Experte Gerrard. Der digitale Euro wird wie Euro-Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel.
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Wer mit Karten von Mastercard oder Visa bezahlt, nutzt deren Abrechnungstechnik. Die US-Firmen Apple und Google liefern nur eine bequeme Möglichkeit, per Mobiltelefon oder Digitaluhr zu bezahlen. Dabei muss eine (Kredit-)Karte hinterlegt werden. Abgewickelt wird dann im Hintergrund meist über Visa oder Mastercard.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Wero ist mit dem eigenen Girokonto verbunden. Bezahlen funktioniert hierbei wie eine Überweisung in Echtzeit. Hinter Wero stehen große europäische Banken und Finanzunternehmen, die das System in der Euro-Zone ausrollen wollen. Bisher ist es vor allem in Belgien, Deutschland und Frankreich verfügbar.
Warum ist Zahlungsabwicklung in Europa interessant für US-Anbieter?
Jedes Mal, wenn jemand mit einer Kreditkarte bezahlt oder Geld über Paypal schickt, fallen Gebühren an. In der Regel muss ein Händler sie zahlen. Auch die Banken verdienen an Gebühren.

Wer baut die nötige Software für den digitalen Euro, und wer kümmert sich darum, dass alles glattläuft?
„Die Europäische Zentralbank baut die Infrastruktur auf. Die gehört als öffentliches Gut dann uns allen“, sagt Finanzwende-Experte Gerrard. Die Bundesbank und fünf weitere Zentralbanken sollen dafür sorgen, dass alle Zahlungen reibungslos laufen.
Was kostet der digitale Euro?
Die Berater von PwC schätzten die Gesamtkosten für die Banken der Euro-Zone auf bis zu 18 Milliarden Euro. Auftraggeber der Studie waren Banken und Sparkassenverbände. Die EZB kommt auf 1,3 Milliarden Euro, um den digitalen Euro zu entwickeln und ihn auszugeben. Die jährlichen Betriebskosten des Systems belaufen sich demnach auf 320 Millionen Euro. Jedoch kosten auch Scheine und Münzen Geld. Sie müssen gedruckt oder geprägt, transportiert, geprüft und verwahrt werden.
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Welche Kritik gibt es am digitalen Euro?
Vor allem Banken sehen die Pläne kritisch. Sie arbeiten mit Angeboten wie Wero selbst an europäischen Alternativen. Der digitale Euro könnte hier eine neue Konkurrenz sein. Bemängelt wird außerdem, dass Privatkunden einen Teil ihres Geldes möglicherweise lieber als digitalen Euro halten statt auf dem Girokonto. Gerade in Krisenzeiten könnten so Einlagen abfließen, die eine wichtige Refinanzierungsquelle für Kredite sind. Allerdings könnte ein festgelegtes Haltelimit für den digitalen Euro verhindern, dass zu viel Geld abfließt.
Wann kommt der digitale Euro?
Im Mai soll das EU-Parlament über den digitalen Euro entscheiden. Danach verhandeln Parlament, EU-Kommission und der Rat der Mitgliedstaaten über die Einzelheiten. Wenn das entsprechende Gesetz Ende 2026 fertig ist, könnte die EZB im kommenden Jahr einen Test starten. Eingeführt würde der digitale Euro dann 2029.









