Zwischen Deutschland und dem Iran liegen mehr als 5000 Kilometer. Trotz dieser Entfernung sind schon jetzt die ersten Auswirkungen des aktuellen Kriegs gegen den Iran und dessen Gegenschläge spürbar: Seit Sonntag steigt der Benzinpreis an den Tankstellen im Land an. Der Auslöser? Der Iran hat als führender Ölproduzent die wichtige Straße von Hormus im Persischen Golf gesperrt. Über diesen Seeweg wird ein Fünftel der weltweiten Erdölmenge transportiert.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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In Deutschlands Hauptstadt sorgte der Blick auf die Spritpreise an den Tankstellen am Dienstagmorgen für einen Schock. So lag der durchschnittliche Preis für einen Liter Diesel bei 1,90 Euro pro Liter. „Das bedeutet einen Preisanstieg von 20 Cent pro Liter Diesel“, sagt Andreas Hölzel vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). Damit überstieg der Literpreis Diesel den Benzinpreis sehr knapp um einen Cent. An vereinzelten Tankstellen konnten die Autofahrer im Laufe des Tages sogar den Sprung über die 2-Euro-Grenze für das Benzin beobachten.

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Ölpreis steigt nach Angriff auf den Iran deutlich an

Entscheidend für den Spritpreis ist der Rohölpreis an der Börse, sagt Hölzel. Für Europa ist die wichtige Ölsorte Brent ausschlaggebend. Bereits am Freitag zeigte sich ein leichter Preisanstieg für ein Barrel (159 Liter) Brent. Mit dem am Samstag erfolgten Angriff der USA und Israels auf den Iran schnellte der Preis dann am Montag auf 66,48 Euro.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Nur einen Tag später verteuerte sich der Ölpreis um knapp fünf Euro auf 72,55 Euro und erreichte damit ein Sechsmonatshoch. Falls der Preis diesen Aufwärtstrend fortsetzt, rückt sogar das Zwölfmonatshoch von 76,77 Euro in greifbare Nähe, was für alle Autofahrenden wahrscheinlich einen erneuten Anstieg des Benzinpreises bedeuten würde. Hölzel sieht den aktuellen Ölpreis jedoch bisher nicht als dramatisch an. „Wir rechnen aber weiterhin mit einer Verteuerung des Sprits“, sagt er. Das läge unter anderem an der unsicheren Entwicklung im Nahen Osten.

Benzinpreise: Experten erwarten nur kurzfristigen Preisschock

Ähnlich sieht das Henrik Müller, Professor für Wirtschaftskommunikation an der TU Dortmund: „Ein Anstieg des Benzinpreises auf über zwei Euro ist denkbar.“ Er gehe aber davon aus, dass dies nur eine kurzfristige Reaktion ist. Hintergrund ist laut Müller, dass das Öl-Angebot inzwischen flexibel ist, insbesondere wegen der Fracking-Förderkapazitäten in den USA, die bei steigenden Preisen hochgefahren werden.

Benzinpreise Tankstelle
An einer Esso-Tankstelle in Berlin knackte der Liter Super bereits die 2-Euro-Marke. © FMG | Peter Schink

Für Autofahrer war der starke Anstieg am Montag zwar einerseits ein Schock, andererseits gab es schon vor einem guten halben Jahr einen kurzfristigen Spritpreisanstieg aufgrund von Angriffen auf den Iran. Damals hatten die USA mehrere iranische Atomanlagen angegriffen. „Die aktuell unsichere Lage hält wahrscheinlich länger an als im vergangenen Jahr. Sie ist aber zum Beispiel nicht mit dem starken Anstieg zu Beginn des Angriffskriegs von Russland gegen die Ukraine zu vergleichen“, sagt ADAC-Experte Hölzel.

Ukraine-Krieg ließ Spritpreise 2022 ebenfalls in die Höhe schnellen

Mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 schossen die Benzinpreise stark in die Höhe. Grund dafür: Russland ist nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölexporteur der Welt. Der Brent-Preis verzeichnete im März 2022 ein Monatshoch von 116,02 Euro pro Liter. Der Spritpreis folgte: Die Zwei-Euro-Grenze erreichte er am 10. März. Zum Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 kostete ein Liter E10 noch 1,757 Euro und Diesel 1,670 Euro, was vergleichbar mit den Preisen vor dem Beginn des Krieges im Iran ist.

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Der ADAC sagte dem „Hamburger Abendblatt“ im März 2022, dass der Ukraine-Krieg und die zunehmenden Sorgen um die Energieversorgung die Kosten derart in die Höhe trieben, dass sich der Literpreis für Diesel innerhalb einer Woche um beinahe 40 Cent verteuerte, auf im Schnitt 2,15 Euro pro Liter. Der Liter Super E10 kletterte in der Zeit um 27,6 Cent auf 2,103 Euro. Zum Vergleich: 2021 hat der Liter Diesel noch 1,315 Euro und der Liter Super E10 1,454 Euro gekostet.

Steigern Ölkonzerne ihre Gewinne durch gestiegene Tankstellenpreise?

Schon damals stellte sich die Frage, wer von dem rasanten Anstieg der Tankstellenpreise wirklich profitierte. Eine Analyse des Forschungs- und Beratungsbüros Energycomment im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace vom April 2022 stellte fest, dass es in dem Jahr eine Diskrepanz zwischen der Entwicklung der internationalen Rohölpreise und der europäischen Tankstellenpreise gab.

Der Rohölpreis stieg von Januar bis März 2022 um rund 19 Cent pro Liter, Diesel im Schnitt um rund 30 Cent pro Liter. Dadurch ergaben sich allein für Deutschland für den Monat März zusätzliche Gewinne der Ölindustrie von 1,2 Milliarden Euro. „Höhere Einkaufspreise konnten die zeitweisen Rekordpreise nur zum Teil erklären“, zitierte das Abendblatt die Analyse. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, dass die Ölkonzerne seit dem russischen Angriffskrieg mindestens 3 Milliarden Euro durch die höheren Mineralölpreise verdient haben. 

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Während die Industrie von den Kriegen profitiert, leiden auf der anderen Seite die Verbraucher. Dennoch hat der ADAC auch noch Tipps für alle Sparfüchse. „Wichtig zu wissen ist, dass die Spritpreise normalerweise im Tagesverlauf durchschnittlich um dreizehn Cent nach unten gehen“, sagt Hölzel. Diese Linie sei aktuell zwar etwas außer Kraft gesetzt, jedoch sei die Tendenz immer noch bemerkbar. Zudem empfehle er allen Autofahrenden, vor dem Tanken Apps oder Portale aufzurufen und die einzelnen Preise an den Tankstellen miteinander zu vergleichen.