Bei Stromspeichern, einer Schlüsseltechnologie des künftigen Energiesystems, macht Deutschland Fortschritte. Auch bei Wärmepumpen, schweren elektrischen Lkw, Solaranlagen und Windkraft geht es voran, wie der neue Energiewende-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) argumentiert. Währenddessen wurde ein Gesetzentwurf aus dem Haus von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bekannt, in dessen Folge sich das Ausbautempo der erneuerbaren Energien vermindern könnte.

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„Die Politik sollte die günstigen Rahmenbedingungen nutzen, statt auf die Bremse zu treten“, sagte Studienautor Wolf-Peter Schill, der Leiter des DIW-Forschungsbereichs „Transformation der Energiewirtschaft“. „Auch wenn die Stromnachfrage derzeit langsamer steigt als erwartet: Der Strom wird später fehlen, wenn die Erneuerbaren jetzt nicht kräftig ausgebaut werden.“ Der Energiewende-Monitor, der die Entwicklung zentraler Technologien im zweiten Halbjahr 2025 analysiert, liegt dieser Redaktion vorab vor.
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Energie: Batteriespeicher mit mehr Kapazität helfen, Strom effizient zu nutzen
Zu den positiven Nachrichten gehört laut DIW die „Dynamik bei der Speicherkapazität der Großbatterien“. Diese sei im zweiten Halbjahr 2025 um 0,8 Gigawattstunden (Milliarden Wattstunden) gewachsen. Das bedeutet einen Zuwachs von gut 25 Prozent. Batteriespeicher sind wichtig, um das zeitweilige Überangebot erneuerbarer Elektrizität für Zeiten zu sichern, in denen Solar- und Windkraftwerke wenig produzieren.
Die zunehmende Batteriekapazität dürfte dazu beigetragen haben, dass „die Zahl der Stunden mit negativen Großhandelspreisen im zweiten Halbjahr 2025 deutlich zurückgegangen ist“. Mehr Speicher sorgen so dafür, das vorhandene Stromangebot ökonomisch sinnvoll zu nutzen. Allerdings legen die Speicherkapazitäten noch auf niedrigem Niveau zu.
Wärmepumpen machen die Hälfte neuer Heizungen 2025 aus
Fast die Hälfte der neu installierten Heizungen waren 2025 elektrische Wärmepumpen. Insgesamt hat ihre Zahl 2,2 Millionen Anlagen erreicht. Dies setzt das DIW ins Verhältnis zur künftig erwartbaren Gesamtmenge der Wärmepumpen, die die Forscher mit 11,8 Millionen angeben. Knapp ein Fünftel der Wohnhäuser, für die die Technik infrage komme, sei also bereits mit Wärmepumpen ausgestattet. Das gilt unter der Voraussetzung, dass im Zuge der geplanten Wärmewende mehr oder weniger alle heute noch fossil betriebenen Heizungen ersetzt werden.
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Bei den elektrischen Fahrzeugen stellt DIW-Forscher Schill den Fortschritt besonders im Segment der Elektro-Sattelzüge fest. Im zweiten Halbjahr 2025 seien dort 4,5 Prozent der Neuanmeldungen auf diese schweren E-Lkw entfallen, im ersten Halbjahr erst zwei Prozent.
Verantwortlich dafür macht Schill bessere Batterietechnik und Ladeinfrastruktur. Trotzdem ist der Anteil neuer E-Fahrzeuge bei allen Neuanmeldungen noch niedrig – für Lkw liegt er insgesamt bei 10,9 Prozent, für Pkw bei 20,4 Prozent, Tendenz jedoch deutlich steigend.
Solarenergie wächst, reicht aber noch nicht für Energiewende-Ziel
Großen relativen Zuwachs registriert das Wirtschaftsinstitut im Bereich der Solarenergie. Mittlerweile beträgt die installierte Leistung der Photovoltaik-Kraftwerke 117 Gigawatt. „Dies entspricht etwas mehr als der Hälfte der Leistung, die im Jahr 2030 installiert sein soll.“ Um dieses im Erneuerbare-Energien-Gesetz niedergelegte Ziel zu erreichen, müsse das Ausbautempo aber noch etwas steigen, erklärte Schill. Auch die Leistung der Windkraftwerke an Land wuchs 2025 deutlich, wobei der Abstand zur Zielmarke dort noch etwas größer ist.

Schills Fazit: „Bei der Energiewende sehen wir derzeit Fortschritte in vielen Bereichen, aber insgesamt noch nicht das Tempo, das für Klimaschutz und Energiesouveränität wünschenswert wäre.“ Der zweite Begriff weist daraufhin, dass sich die Debatte über die Energiewende verschoben hat. Stand früher der Klima-Aspekt im Vordergrund, wird nun auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit von autokratisch regierten Großmächten betont, die die Eigenversorgung mittels erneuerbarer Energien ermögliche.
Bund plant Kostenbeteiligung für neue Wind- und Solarparks am Netzausbau
Der vom DIW analysierten Dynamik könnte allerdings bald ein Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums zuwiderlaufen. Dem kürzlich bekannt gewordenen Text zufolge sollen neue Wind- und Solarkraftwerke künftig einen Teil der Kosten des Netzausbaus tragen.

Die Bundesnetzagentur würde neuen Wind- und Solarparks dann eine Beteiligung an den Baukosten zusätzlicher Stromleitungen aufbürden, die zu ihrem Anschluss nötig sind. Unter anderem mit dieser Maßnahme will Ministerin Reiche die Stromrechnungen der Privathaushalte und Unternehmen drücken, in denen die Netzkosten enthalten sind.
Entfall von Entschädigungen könnte Ausbau erneuerbarer Energien bremsen
Außerdem könnten Erneuerbare-Energie-Anlagen unter bestimmten Umständen keine Entschädigungen mehr erhalten, wenn sie zu viel Strom produzieren, der nicht gebraucht wird. Heute werden diese Ausgleichszahlungen – Fachjargon: Redispatch – ebenfalls auf die Stromrechnungen umgelegt. Die Wind- und Solarparkbetreiber planen die Entschädigungen derzeit als Teil ihrer Erträge ein.
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Fielen die Entschädigungen weg, machte das Investitionen in Ökokraftwerke unattraktiver, befürchtet der Bundesverband Erneuerbare Energie. „Der Ausbau erneuerbarer Energien wird ausgebremst und bewusst behindert“, kritisierte auch Grünen-Politiker Michael Kellner. Er fordert stattdessen, das Wachstumstempo der Kraftwerke beizubehalten und beispielsweise mehr Batteriespeicher anzuschließen. Noch aber ist der Gesetzentwurf nicht fertig. Im nächsten Schritt muss Reiche ihn mit der SPD-Seite abstimmen. Schließlich braucht er die Zustimmung des Bundestages.







