Donald Trump hat seinen Wunschkandidaten gefunden. Kevin Warsh, 55, Ex-Notenbanker und Wall-Street-Mann, soll im Mai Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank Fed ablösen. Die Nominierung, die noch vom Senat bestätigt werden muss, ist mehr als ein Personalwechsel. Sie ist ein Test, wie unabhängig die mächtigste Zentralbank der Welt in Trumps zweiter Amtszeit noch ist. Eine Frage, die Finanzmärkte, Europa und Deutschland betrifft.

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Kevin Warsh stammt aus Albany im Bundesstaat New York, studierte an Elite-Unis, arbeitete sieben Jahre bei Morgan Stanley im Investmentbanking und wechselte 2002 ins Weiße Haus – als Wirtschaftsberater von Präsident George W. Bush. 2006 wurde er mit 35 Jahren jüngster Gouverneur in der Geschichte der Fed – zuständig unter anderem als Verbindungsmann vom damaligen Fed-Chef Ben Bernanke zur Wall Street während der Finanzkrise 2008.
Heute ist Warsh Dozent am konservativen Hoover-Institut der Stanford-Universität und Partner des legendären Investors Stanley Druckenmiller. Er sitzt in Aufsichtsräten von UPS und der koreanischen E-Commerce-Firma Coupang.
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Kevin Warsh profilierte sich als scharfer Kritiker der Fed
Politisch ist Warsh Republikaner, bestens vernetzt und verheiratet mit Jane Lauder, der Enkelin der Kosmetik-Magnatin Estée Lauder und Tochter von Ronald Lauder, einem bedeutenden Spender der Republikanischen Partei – und ehemaligen Klassenkameraden von Trump.
In Washington gilt Warsh als jemand, der sich jahrelang systematisch in Stellung gebracht hat – „die lange Kampagne des Kevin Warsh“, wie das „Wall Street Journal“ schreibt.
Als Fed-Gouverneur war Warsh skeptisch gegenüber Niedrigzinsen, misstrauisch gegenüber großangelegten Anleihekäufen. Noch 2010 warnte er vor zu lockerer Politik, die Inflation und Blasen erzeugen könne.
In den vergangenen Jahren profilierte er sich als scharfer Kritiker der Fed unter Jerome Powell, der bis heute allen Anfeindungen Trumps und Aufrufen zur Zinssenkung widerstanden hat. „Inflation ist eine Entscheidung“, sagte Warsh 2025 in einem viel beachteten Gespräch am Hoover-Institut – nicht Putin oder Lieferketten seien schuld, sondern die Zentralbank, die zu lange zu viel Geld in den Markt gepumpt habe.
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Warsh trifft zwei Trump-Wünsche gleichzeitig
Seine Reformidee klingt zunächst orthodox. Die Fed müsse zu ihrem Kernauftrag – Preisstabilität – zurückkehren, ihre riesige Bilanz schrumpfen und sich aus quasi-fiskalischer Politik heraushalten. Gleichzeitig schlug er einen für Trump attraktiven Dreh vor: Wenn man „die Druckerpresse leiser stellt“, könnten die Zinsen trotzdem niedriger liegen.
Damit trifft Warsh zwei Trump-Wünsche zugleich: ein Fed-Chef, der den Vorsitzenden Powell öffentlich abräumt – und einer, der deutlich tiefere Zinsen nicht grundsätzlich ablehnt, solange er sie anders begründet.
Trump selbst lobte seinen Favoriten prompt als künftig „einen der großen Fed-Vorsitzenden“. Was die Frage aufwirft: Wird Warsh nach Trumps Pfeife tanzen? Oder ein Mann der Fed bleiben, also unabängig?
Seine Vita verspricht beides. Warsh hat wiederholt die Unabhängigkeit der Zentralbank verteidigt. „Die Unabhängigkeit der Zentralbank ist kostbar“, sagte er schon 2010, sie sei „Eckstein der Glaubwürdigkeit“ der Fed. Er mahnte aber zugleich, die Notenbank müsse sich diese Unabhängigkeit durch gute Ergebnisse „verdienen“.
Gleichzeitig hat er sich klar an Trumps Seite positioniert. Er kritisierte Powells Kurs, war Teil der konservativen Kampagne gegen „zu langsame“ Zinssenkungen und fordert, Teile der Fed-Kompetenzen dem US-Finanzministerium zuzuschieben.
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Was bedeutet Warsh für Zinsen und die Märkte?
Im Senat, wo die Republikaner eine knappe Mehrheit haben, stehen deshalb ungemütliche Anhörungen an. Einige Senatoren haben Bauchschmerzen, während der laufenden Untersuchung gegen Powell (wegen angeblich millionenschwerer Kostenüberschreitung beim Umbau des Fed-Gebäudes) nahtlos den Nachfolger des Präsidenten durchzuwinken. Andere fürchten den Eindruck, die Fed werde zur verlängerten Werkbank des Weißen Hauses.
Was bedeutet Warsh für Zinsen, Dollar und Märkte? Die erste Reaktion der Finanzmärkte auf Trumps Nominierung ist eindeutig: Der Dollar zieht an, Gold und Silber geben nach. Investoren lesen Warsh eher als klassischen Zentralbanker, also jemanden, der Inflationsbekämpfung und solide Bilanzen im Blick hat und kein Zinssenkungsautomat ist.
Kurzfristig könnte das zwei Effekte haben. Mehr Zinsunsicherheit: Warsh hat einerseits tiefere Leitzinsen ins Spiel gebracht, andererseits einen deutlichen Kurswechsel bei der Bilanz angekündigt. Aber: Wenn Anleger glauben, dass Warsh die Inflation ernster nimmt als Powell, steigt die Attraktivität von US-Anlagen. Für Europa heißt das: Druck auf den Euro, potenziell erschwerte Exporte – aber gleichzeitig günstigere Energie- und Rohstoffpreise, weil Öl in Dollar abgerechnet wird.

Für Deutschland bedeutet ein glaubwürdigerer Inflationskämpfer in Washington zunächst Entspannung. Die Sorge vor einem dauerhaft entwerteten Dollar sinkt, globaler Inflationsdruck könnte nachlassen. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass eine zu aggressive Straffung – oder Kommunikationsfehler zwischen Weißem Haus und Fed – die ohnehin fragile Weltkonjunktur aus der Spur bringt.
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Gerade für die exportabhängige deutsche Wirtschaft ist das ein schmaler Grat. Ein zu schwacher Euro und ein zu starker Dollar können zwar kurzfristig Wettbewerbsvorteile schaffen. Aber eine durch Fed-Fehlsteuerung ausgelöste Rezession in den USA würde Nachfrage und Investitionen weltweit dämpfen.











