• Bei einem großflächigen Stromausfall spielen Tankstellen eine entscheidende Rolle
  • Denn ohne Strom lässt sich kein Kraftstoff aus den Tanks pumpen
  • Wie gut sind Deutschlands Tankstellen auf ein Blackout vorbereitet?

Der Stromausfall in Berlin hat die Diskussion über Deutschlands Krisenvorsorge erneut angestoßen. Ein Punkt wird dabei bislang kaum beachtet: Wie die Versorgung mit Kraftstoff im Falle eines länger andauernden Stromausfalls sichergestellt werden kann. Denn selbst wenn Notstromaggregate laufen und Einsatzkräfte bereitstehen, entscheidet sich ihre Einsatzfähigkeit an einem Ort: der Tankstelle.

Blackout-Gefahr: Tankstellen fehlt es an flächendeckender Notstromversorgung

„Eine flächendeckende Notstromversorgung von Tankstellen existiert in Deutschland nicht“, sagt ein Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands (TIV). Trotz jahrelanger Warnungen sei das Thema von Politik und Mineralölkonzernen vernachlässigt worden. Dabei wären die Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls dramatisch: Sollte es zu einem großflächigen Blackout kommen, brechen „binnen circa zwei Tagen die gesamte individuelle und weitere Teile der gewerblichen Mobilität in Gänze zusammen“, so der Sprecher weiter.

„Der Grund hierfür ist der Umstand, dass die Zapfsäulen an Tankstellen zwingend Strom benötigen, um die Pumpen zu betätigen, die aus den Erdtanks unter einer Tankstelle den Sprit nach oben pumpen“, sagt er. Fällt der Strom aus, könne kein Kraftstoff mehr gefördert werden. Gleichzeitig verfügten Tankstellen „in aller Regel nicht über Notstromaggregate, die auf Dieselbasis betrieben werden können“. Die Mineralölgesellschaften hätten aus Sicht des Verbands bislang keine ausreichende Vorsorge getroffen, während einzelne Pächter die Kosten für derartige Aggregate nicht tragen könnten.

Eine Tankstelle ist nach einem Stromausfall ohne Strom
Eine Tankstelle in Berlin ist nach einem Stromausfall ohne Strom und mit Flatterband abgesperrt.© Christophe Gateau/dpa | Christophe Gateau

Tankstellen ohne Notstrom: große Gefahr für kritische Infrastruktur

Die Folgen reichen dabei weit über den privaten Autoverkehr hinaus. Ohne funktionierende Tankstellen können Einsatzfahrzeuge nicht betankt werden, ebenso wenig Notstromaggregate, die andernorts den Betrieb aufrechterhalten sollen.

Auch interessant

Diese Lücke sieht auch Kai Hoffmann, Geschäftsführer der HO-MA Notstrom GmbH. „Viele Tankstellen haben kein Notstromaggregat“, sagt er. Das werde in der Debatte oft unterschätzt. Zwar seien Krankenhäuser vorbereitet und hielten Diesel für 48 bis 72 Stunden vor. „Danach muss nachgetankt werden. Wenn dann keine Tankstellen funktionieren, hilft das beste Notstromaggregat nichts.“ Besonders problematisch sei aus seiner Sicht, dass es bislang keine verbindlichen Vorgaben gebe, Tankstellen als Teil der kritischen Infrastruktur abzusichern. Sein Fazit fällt nüchtern aus: „Ich will keine Panik machen, aber: Wenn es wirklich großflächig dunkel wird, ist die Lage problematisch.“