Der deutsche Mittelstand altert. Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer stehen kurz vor dem Ruhestand, immer weniger finden eine realistische Nachfolge für ihren Betrieb. Die Folge: Jedes vierte mittelständische Unternehmen in Deutschland erwägt, nach dem altersbedingten Rückzug der heutigen Inhaber zu schließen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels, die dieser Redaktion vorab vorliegt.

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Demnach streben von denjenigen Unternehmerinnen und Unternehmern, die ihren Rückzug aus der Firma bis Ende 2029 planen, 569.000 keine Fortführung des Unternehmens an. Das entspricht etwa 114.000 Geschäftsaufgaben pro Jahr. Dem stehen 545.000 mittelständische Unternehmen gegenüber, die im selben Zeitraum eine Nachfolgeregelung anstreben – rund 109.000 pro Jahr, vorausgesetzt, diese Pläne werden tatsächlich umgesetzt. An der Befragung, die von KfW Research zwischen Mitte Februar und Juni 2025 durchgeführt wurde, nahmen mehr als 13.000 mittelständische Unternehmen teil.
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Alter der Inhaber steigt: Mittelstand kämpft mit Nachfolgeproblemen
Haupttreiber dieser Entwicklung ist das Alter der Inhaber. Mit 57 Prozent ist inzwischen mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer 55 Jahre oder älter. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil noch bei 20 Prozent. Das Durchschnittsalter bei mittelständischen Inhabern beträgt knapp über 54 Jahre. Bei denjenigen, die bis Ende 2026 eine Nachfolge planen, liegt es sogar bei über 66 Jahren.
Zwar streben weiterhin viele Unternehmer eine Übergabe an. Die Studie zeigt, dass die familieninterne Nachfolge dabei nach wie vor die bevorzugte Lösung ist: 55 Prozent derjenigen mit Nachfolgeplänen würden ihr Unternehmen am liebsten innerhalb der Familie übergeben. In der Praxis scheitert dieser Wunsch jedoch häufig: 47 Prozent der Befragten mit Stilllegungsplänen geben an, dass es in der Familie kein Interesse an einer Fortführung gibt, etwa durch die eigenen Kinder.

Bürokratie erschwert Unternehmensnachfolge deutlich
Hinzu kommt ein Faktor, der zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen hat: die Bürokratie. 42 Prozent der Unternehmer mit Stilllegungsabsicht nennen sie als Grund für ihre Entscheidung – zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Kein anderer Faktor hat innerhalb eines Jahres so stark an Gewicht gewonnen. KfW Research beziffert den bürokratischen Aufwand im Mittelstand auf durchschnittlich sieben Prozent der gesamten Arbeitszeit der Beschäftigten. Das entspricht rund 32 Stunden pro Monat sowie etwa 1,5 Prozent der jährlichen Gesamtkosten eines Unternehmens.
Was viele Inhaber bereits im laufenden Betrieb als Belastung empfinden, wirkt im Zusammenhang mit einer Nachfolge besonders abschreckend. Denn eine Unternehmensübergabe bringt zwangsläufig eine ganze Reihe administrativer Pflichten mit sich: rechtliche Prüfungen, gesellschaftsrechtliche Anpassungen, steuerliche Fragen von der Einkommen- bis zur Erbschaftsteuer sowie zahlreiche Informations- und Meldepflichten – vom Handelsregister über Kammern bis zu Berufsgenossenschaften. Das schreckt viele Inhaber ab – insbesondere, wenn sie zum ersten Mal damit konfrontiert sind.
Das zeichne sich auch bei handwerklichen Betrieben ab. „Im Handwerk zeichnet sich seit Jahren ein strukturelles Nachfolgeproblem ab, das sich vor dem Hintergrund auch des demografischen Wandels weiter zu verschärfen droht“, sagt eine Sprecherin des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Besonders betroffen seien kleinere Betriebe mit bis zu vier Beschäftigten. Die Folge sei ein „stilles Sterben“ im Handwerk, das jedes Jahr zehntausende Arbeitsplätze und Fachkräftekapazitäten verschwinden lasse.
„Ohne rechtzeitige und passende Nachfolgelösungen droht nicht nur der Verlust von Know-how, sondern auch eine spürbare Verschlechterung der Versorgung mit handwerklichen Produkten und Dienstleistungen, insbesondere im ländlichen Raum.“ Die größte Hürde dabei sei der fehlende Nachwuchs. „Demografisch bedingt gehen die Meisterprüfungszahlen zurück, gleichzeitig ist das Interesse an einer Selbstständigkeit gering, auch innerhalb der Familie“, sagt die Sprecherin.
Zugleich seien Bürokratie und hohe Abgaben ein entscheidendes Hemmnis dabei, sich selbstständig zu machen. „Bürokratie ist einer der zentralen Gründe dafür, dass viele Betriebe keine Nachfolge finden“, so die Sprecherin. „Sie belastet nicht nur die aktuellen Inhaberinnen und Inhaber, sondern schreckt potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger bereits im Vorfeld ab.“ Speziell im Handwerk käme hinzu, dass viele Betriebe stark auf die jeweilige Inhaberin oder den Inhaber zugeschnitten seien.
Verkaufspreise für Unternehmensnachfolge steigen deutlich an
Abseits der familieninternen Übergabe erwägen 42 Prozent der Befragten mit Nachfolgeplänen, ihr Unternehmen extern zu verkaufen. Einer der sensibelsten Punkte dabei ist der Kaufpreis. Wer innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Nachfolge plant, rechnet laut Studie im Durchschnitt mit einem Verkaufspreis von 499.000 Euro. Vor sechs Jahren waren es noch 372.000 Euro. Preisbereinigt entspricht das einem Plus von rund 9,5 Prozent.

Im Median liegen die Erwartungen bei 375.000 Euro – mehr als doppelt so viel wie vor sechs Jahren, als es noch 175.000 Euro waren. Zudem strebt inzwischen mehr als ein Viertel der Unternehmer mit Nachfolgeplanungen in den kommenden fünf Jahren einen Verkaufspreis von über einer Million Euro an; 2019 waren es noch 18 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die mit weniger als 50.000 Euro zufrieden wären, von 18 auf 5 Prozent gesunken. Doch unabhängig vom Kaufpreis bleibt die größte Hürde der Mangel an geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern. 69 Prozent der mittelständischen Unternehmen sehen darin ein Hemmnis, unabhängig davon, ob bei ihnen eine Übergabe ansteht.
Gründungsbereitschaft fehlt: Nachfolgelücke im Mittelstand wächst
Zwar ist die Zahl der Existenzgründungen zuletzt leicht gestiegen. Sie reicht jedoch bei Weitem nicht aus, um die demografische Lücke zu schließen. Denn besonders fehlen sogenannte Übernahmegründungen, bei denen Gründerinnen und Gründer bestehende Unternehmen übernehmen oder sich beteiligen. Nur noch 17 Prozent der Gründungen entfielen 2024 auf diesen Weg – weniger als halb so viele wie Anfang der 2000er-Jahre.
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„Deutschlands Wirtschaft kämpft um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit“, sagt KfW-Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher. „Die mittelständischen Unternehmen sind bekanntermaßen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.“ Entscheidend sei daher, das Fortbestehen möglichst vieler mittelständischer Unternehmen zu sichern. „Wir brauchen daher nachhaltig mehr Gründungsbereitschaft in Deutschland“, so Schuhmacher. „Der Bürokratieabbau ist ein Baustein, der zu mehr Gründungen führen kann.“ Zudem zeige sich, dass Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereits einen Nachfolger gefunden hätten, wieder stärker investierten. „Die Lösung der Nachfolgeproblematik ist daher auch entscheidend, um die Investitionen im Mittelstand anzukurbeln.“





