Gut 400.000 Wohnhäuser in Deutschland sind stark durch Hochwasser bedroht – meistens, weil sie nahe an Flüssen stehen. Im Katastrophenfall kann das zu gigantischen Kosten für die Allgemeinheit führen. Seit der extremen Überschwemmung des Ahrtals 2021 wird immer wieder über die sogenannte Elementarschadenversicherung diskutiert. Denn nur gut die Hälfte der hiesigen Wohngebäude sind für solche Fälle versichert.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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Vor dem Abschluss der Verträge schrecken viele Immobilienbesitzende zurück, weil die Prämien gerade für die besonders gefährdeten Häuser sehr hoch liegen. Andererseits argumentieren Politikerinnen und Politiker, der Staat solle nicht die Kosten tragen müssen, die die Privaten nicht zu schultern bereit sind.
Elementarschadenversicherung: Versicherer bringen neuen Vorschlag ein
Wie also könnte eine Lösung aussehen? Darüber wurde auch in dieser Woche intensiv gerungen. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag lag das Thema auf dem Tisch. Eine Lösung wurde noch nicht gefunden. Zuvor hatte bereits der Verband der Versicherungen (GDV) eine Lösung vorgeschlagen, die quasi alle Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohnhäusern betrifft: Die Mitgliedsunternehmen können die gut 400.000 Gebäude mit sehr hohem Risiko und potenziell sehr hohen Kosten an eine noch zu gründende Firma „Elementar Re“ weiterreichen.
Diese stelle den betroffenen Eigentümern bezahlbare Prämien in Rechnung und würde ihre möglichen Verluste im Katastrophenfall durch eine regelmäßige Umlage auf alle Gebäudeversicherungen abdecken. „Viele zahlen sehr wenig, damit wenige nicht unbezahlbar viel zahlen müssen“, beschreibt der GDV das Prinzip.
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Elementarschadenversicherung: Zahlen alle ein bisschen mehr, um Kosten zu begrenzen?
Die zusätzlichen Versicherungskosten für ein gefährdetes Haus am Fluss ließen sich mit diesem Modell beispielsweise auf 1.200 Euro pro Jahr begrenzen, sagte Anja Käfer-Rohrbach, die Vize-Geschäftsführerin des Verbandes. Um die Kostendifferenz im Schadenfall auszugleichen, müssten alle andere Gebäudeversicherungen vielleicht um zehn Euro jährlich teurer werden. Der Verband hält das für eine akzeptable Kostenverteilung.
Für den Fall, dass dieser Mechanismus bei einem extremen Naturereignis nicht ausreicht, wollen die Versicherer zwei weitere Stufen einbauen: Einen neuen Sicherungsfonds der Branche und eine staatliche Garantie der Kostenübernahme, sollten die Schäden 30 Milliarden Euro übersteigen.
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Politik ringt um verpflichtende Elementarschadenversicherung
Außerdem rät der Verband dazu, dass möglichst alle Gebäude mit einer Elementarschadenversicherung ausgestattet werden. Bei neuen Verträgen soll das automatisch enthalten sein, bei alten bis zu einem Stichtag aufgenommen werden. Allerdings würde der GDV Hausbesitzern erlauben, diesen zusätzlichen Bestandteil abzulehnen. Damit ginge allerdings der Verzicht auf staatliche Finanzhilfe im Schadenfall einher.
Die Überlegungen der momentanen schwarz-roten Bundesregierung gehen grundsätzlich in eine ähnliche Richtung. Differenzen herrschen im politischen Raum allerdings darüber, ob der Abschluss der Elementarversicherung verpflichtend sein soll. Während die Regierungskoalition das nur prüfen will, setzen sich die Landesregierungen für die gesetzliche Pflicht ein.
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Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucher-Infodienst Finanztip plädiert ebenfalls für die Pflicht zum Vertragsabschluss. Sein Argument: Im Extremfall würde der Staat auch unversicherte Geschädigte nicht hängen lassen, wenn diese ihr Haus durch eine Flut verlören. Darauf würden manche Hausbesitzer spekulieren und ihre Kosten weiter auf die Allgemeinheit abwälzen. Auch das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz in Kehl setzt sich für eine verpflichtende Lösung ein und beruft sich auf Frankreich als Beispiel.








