Wie schon im vergangenen Jahr ruhen die Baustellen der Bahn rund um die Weihnachtsfeiertage. Das kündigte Bahnchefin Evelyn Palla nun an. Auch wird das Sitzplatzangebot erhöht. „Alles wird rollen, was rollen kann“, verspricht die Vorständin. Beim letzten Weihnachtsfest hat die Bahn 413 ICE eingesetzt, so viele wie nie zuvor. Wie das konkrete Angebot an den bevor stehenden feiertagen aussehen wird, will das Unternehmen am Ende dieser Woche bekannt geben.

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Obwohl die Züge so unpünktlich fahren wie noch nie, springen die Kunden nicht ab. . „Wir haben deutlich mehr Tickets für den Weihnachtsverkehr verkauft als im Vorjahr“, berichtet Palla über ein Buchungsplus von sechs Prozent. Dennoch geht sie nicht von überfüllten Zügen aus. Da Heiligabend in die Wochenmitte falle, werde sich der Reiseverkehr über mehrere Tage verteilen. 

Fahrtgastverband über Deutsche Bahn: „Man macht es den Leuten schwer“

In Sachen Pünktlichkeit spricht Palla Klartext. „Wir werden wahrscheinlich am Jahresende eine ‚5‘ vorne sehen“, sagt sie. Die von ihrem Vorgänger angestrebte Pünktlichkeitsquote von 65 bis 70 Prozent wird demnach weit verfehlt. Zuletzt war gerade einmal jeder zweite Zug fahrplangemäß unterwegs. Am größten Ärgernis für die Fahrgäste wird sich auch im kommenden Jahr wenig ändern. Der Zustand der Infrastruktur verschlechtert sich schneller als erwartet. 28.000 Baustellen sollen dies zwar ändern, doch sorgen diese selbst erst einmal für einen unzuverlässigen Verkehr. Auch zwei Generalsanierungen stehen auf dem Programm. Betroffen sind die Strecken zwischen Nürnberg und Passau sowie zwischen Köln und Hagen. Zudem bleibt die aktuell in den Sanierung steckende Verbindung von Hamburg nach Berlin noch bis ins Frühjahr gesperrt.

„Endlich sagt mal einer die Wahrheit“, kommentiert Detlef Neuß vom Fahrgastverband Pro Bahn die Ankündigungen. Es sei auch Frau Palla nicht möglich, „mehr Pünktlichkeit mit einem Fingerschnipsen herzustellen.“ Das setze auch die Politik unter Druck, die jahrzehntelang zu wenig in die Infrastruktur investiert habe. „Die Leute wollen Bahnfahren, aber man macht es ihnen schwer“, bedauert Neuss. 

Deutsche Bahn will Kunden mit Sofortprogramm besänftigen

Immerhin will Palla die Gemüter der Kunden mit einem besseren Service besänftigen. „Am 1. Januar starten wir ein Sofortprogramm“, kündigt sie an. Die Bordbistros sollen verlässlicher geöffnet sein und unterwegs auch mit Speisen oder Getränken aufgefüllt werden. In den Zügen sollen die Toiletten verfügbarer sein und die Wagen häufiger gereinigt werden. 

Auch die Information der Reisenden will Palla ausbauen. „Da gibt es Dinge, die wir besser machen können“, sagt die Bahnchefin. Schließlich steht auch die Sicherheit und Sauberkeit an den Stationen im Fokus des Sofortprogramms. An den Bahnhöfen werden zusätzliche Videokameras installiert und an den großen Bahnhöfen beginnt ein „Frühjahrsputz“, wie Palla sagt. 

Die erste Frau an der Spitze des Bahnkonzerns will das Unternehmen im kommenden Jahr umkrempeln. Derzeit erarbeitet eine kleine Gruppe von Managern ein Konzept dafür, dass anschließend umgehend umgesetzt werden soll. Erklärtes Ziel des Umbaus ist die Verlagerung von Entscheidungskompetenzen aus der Zentrale hin zu den Unternehmensbereichen, die davon betroffen sind. So hat Palla zuletzt auch den Regionalverkehr der Bahn aufgestellt und den Geschäftszweig damit aus den roten Zahlen zurück in die Gewinnzone geführt. Wie der Umbau konkret ausgestaltet werden soll, ist noch nicht bekannt. „Wir wollen bessere und schnellere Entscheidungen“, gibt die Managerin das Ziel vor.