Deutschland spricht über Rheinmetall, denn ohne Skyranger & Co. dürfe das Vorhaben, die Bundeswehr kriegstüchtig zu machen und so Russland abzuschrecken, kaum umsetzbar sein. Deutschlands wichtigster Rüstungskonzern hat militärische Aufträge in zigfacher Milliardenhöhe in der Pipeline. Fast vergessen wird da, dass die Düsseldorfer auch eine zivile Sparte haben. Und von dieser kommt jetzt eine Innovation, die Fachleute aufhorchen lässt.
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Konkret geht es um den Automobilbereich, das Segment von Rheinmetall, das vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine für einen beträchtlichen Teil des Konzernumsatzes verantwortlich war. Rheinmetall Power Systems ist eigenen Angaben zufolge bereits seit dem vergangenen Jahr dabei, einen sogenannten Ladebordstein zu erproben. Grundsätzlich kann mit der Technik – so wie mit einer handelsüblichen Ladesäule auch – ein Elektroauto wieder aufgeladen werden.

Rheinmetall denkt neu: Wie der Ladebordstein überzeugen soll
„Bei unserem Produkt wird die Ladeelektronik in die Maße eines handelsüblichen Bordsteins integriert, um das Laden von Elektrofahrzeugen direkt am Fahrbahnrand zu ermöglichen – ohne störende Poller, ohne Eingriffe in den Gehwegbereich und ohne Kompromisse in puncto Sicherheit oder Ästhetik“, erläutert ein Rheinmetall-Sprecher gegenüber dieser Redaktion. Damit werde die urbane Ladeinfrastruktur neu gedacht, nämlich platzsparend, robust, barrierearm und integriert in bestehende Stadtstrukturen.
Rheinmetall selbst ist damit regulär seit Mitte dieses Jahres auf dem Markt. „Im öffentlichen Straßenraum wurden die ersten Ladebordsteine im April 2024 in Köln verbaut und in Betrieb genommen. Seit Abschluss der dortigen Pilotierung im Mai 2025 ist der Ladebordstein serienreif“, so der Sprecher weiter. Bislang seien Angaben des Unternehmens zufolge mehr als 150 Ladebordsteine ausgeliefert worden – für den öffentlichen Straßenraum und beispielsweise für Geschäftsparkplätze. Bislang gibt es in Köln, Nörvenich, Neuss, Düsseldorf, Dortmund und Braunschweig solche Rheinmetall-Ladebordsteine. Das Herzstück des Ladebordsteins, das Elektronikmodul, wird in einem Werk in Frankreich gefertigt.
Rheinmetall: Stadtwerke-Fachmann erklärt Vorzüge der Ladeinfrastruktur-Innovation
In Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt Düsseldorf sind bislang laut Angaben der ausführenden Stadtwerke 14 Ladebordsteine verbaut worden. Man plane derzeit gezielt weitere Standorte, sagt der für den Ausbau der Ladeinfrastruktur zuständige Mitarbeiter bei dem kommunalen Versorgungsunternehmen, Klaus Schüßler, im Gespräch mit dieser Redaktion. Grob sei die Zielsetzung, im kommenden Jahr zwischen 50 und 100 neue Ladebordsteine zu errichten – im Stadtgebiet und darüber hinaus.
Schüßler zufolge habe der Ladebordstein gegenüber den herkömmlichen Ladesäulen einen entscheidenden Vorteil – und zwar die Kompaktheit. In einigen Straßen- und Bürgersteigbereichen sei es schlichtweg nicht möglich, handelsübliche Ladestationen so zu errichten, dass dann auch noch Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen vorbeikämen. „Unser Ziel ist es, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur in Düsseldorf aufzubauen. Der Ladebordstein bietet für uns die Möglichkeit, das auch in Straßen zu tun, in denen das vorher nicht möglich war“, erklärt Schüßler weiter.

Rheinmetall: Kunden loben technische Robustheit – bislang keine Störungen
Neben der kompakten Bauweise sei auch seine Robustheit ein Vorteil des Ladebordsteins. Die Technik biete vergleichsweise wenig Angriffsfläche für Vandalismus, so der Stadtwerke-Mitarbeiter. Und bislang habe man auch noch keine Ausfälle mit Blick auf technische Störungen zu beklagen gehabt. Bei anderen Ladesäulen käme es dem Experten zufolge hingegen schon mal vor, dass ein Softwareupdate oder ein defektes Ladekabel für Durcheinander sorge. Praktisch: Weil Ladebordsteine im Boden verbaut seien, laufe man als Nutzer auch eher nicht Gefahr, über Kabel zu stolpern, sagt der Ladeinfrastruktur-Fachmann.

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Wirtschaft in Berlin
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Geladen wird das E-Auto über die Technik mit einer Leistung von 22 Kilowatt (kW), was als sehr schnell gilt. In den meisten E-Autos ist serienmäßig ein On-Board-Ladegerät verbaut, was das AC-Laden (Wechselstrom) mit einer maximalen Ladeleistung von elf kW erlaubt. Die Stadtwerke Düsseldorf setzen eigenen Angaben künftig auf einen Infrastruktur-Dreiklang mit Blick auf das Laden der Stromer: die herkömmlichen Ladesäulen, die Schnellladestationen (Gleichstrom mit hoher Leistung ab 50 kW) und eben Ladebordsteine. Mehr Leistung sei dabei zwar Rheinmetall zufolge theoretisch möglich, „aber aktuell nicht in Planung“.
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Rheinmetall-Ladebordstein bald auch für Privatverbraucher? Das sagt ein Sprecher
Das Unternehmen hat aber durchaus konkrete Ideen, wenn es um die Weiterentwicklung der Technik geht. „Das Kernprodukt soll künftig günstiger, noch einfacher zu warten, noch robuster sein. Es sollen neue Features hinzukommen, wie etwa eine Parksensorik zur Detektion von (Fehl-)Belegungen des Parkplatzes vor dem Ladebordstein sowie eine Anzeige für Betreiber und Kunden“, erklärt der Sprecher. Zudem solle sich die Benutzbarkeit für Personen mit eingeschränkter Mobilität mithilfe einer Einsteckhilfe verbessern. „Und zuletzt wollen wir alternative Module anbieten – wie zum Beispiel ein überfahrbares Modul für Logistikflotten“, sagt er weiter.

Vorstellbar ist grundsätzlich auch, den Ladebordstein an Privatkunden zu verkaufen. Gegenwärtig liege der Fokus aber auf Städten und Gemeinden beziehungsweise auf Betreibern von Ladeinfrastruktur wie beispielsweise Stadtwerken als Kunden, heißt es. „Ob es möglicherweise zukünftig auch ein Angebot für private Interessenten geben wird, wird derzeit geprüft. Die Abwicklung ist vorstellbar über Vertriebskanäle unserer Kooperationspartner“, so der Rheinmetall-Sprecher.
Rheinmetall prüft derzeit den Verkauf der Automotive-Sparte
Ob dann allerdings noch Rheinmetall selbst Anbieter sein wird, ist nicht sicher. Der Rüstungskonzern sucht bereits seit einiger Zeit nach einem neuen Besitzer für das zivile Geschäft. Der Sprecher umreißt auf Anfrage grob den Zeitplan dafür: „Wir gehen davon aus, dass der Verkauf innerhalb der kommenden Monate abgeschlossen werden kann.“ Wie der Konzern am Mittwoch mitteilte, soll nun mit zwei Bietern über den Verkauf der Sparte verhandelt werden. Recherchen des „Handelsblatts“ zufolge soll es sich bei den Interessenten um Investoren aus dem Private-Equity-Bereich handeln. Bedeutet: Möglicherweise wird die Autosparte nach einem Verkauf auch zerschlagen.






