Fehlende Fachkräfte gefährden nach einer neuen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zentrale Versorgungsbereiche in Deutschland. In der Analyse, die dieser Redaktion vorab vorlag, berechneten die Forscher die sogenannte Fachkräftelücke erstmals nach Branchen und nicht wie zuvor nach Berufsgattungen. Demnach konnten im vergangenen Jahr in den zehn Branchen mit den größten Engpässen mehr als 260.000 Stellen rechnerisch nicht mit entsprechend qualifizierten Arbeitskräften besetzt werden.
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Besonders groß war die Fachkräftelücke im Gesundheitswesen, wo über 46.000 Stellen rechnerisch unbesetzt blieben. Hier fehlten vor allem Physiotherapeutinnen und -therapeuten (11.979), Pflegekräfte (7174) und zahnmedizinische Fachangestellte (6778). Die zweitgrößte Lücke bestand im Baugewerbe mit knapp 41.300 rechnerisch nicht besetzbaren Stellen. Besonders gefragt seien Fachkräfte für Bauelektrik (10.496) sowie für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (8648) gewesen.
Pflege: Fachkräftemangel gefährdet laut IW Köln zentrale Versorgungsbereiche
An dritter Stelle folgt der IW-Erhebung zufolge der Bereich öffentliche Verwaltung und Soziales mit mehr als 37.600 rechnerisch nicht besetzbaren Positionen – darunter vor allem für Fachkräfte der öffentlichen Verwaltung (4603) und der Kinderbetreuung (4451). Auch in der Industrie fehlt es im vergangenen Jahr an Personal. In der Herstellung von Metallerzeugnissen konnten 2024 knapp 18.500 Stellen rechnerisch nicht besetzt werden, im Maschinenbau rund 18.000.
Wegen der schwachen Konjunktur seien die Fachkräfteengpässe zwar zuletzt zurückgegangen, eine Entwarnung für den Arbeitsmarkt bedeute dies aber nicht. Besonders in wichtigen Versorgungsbereichen fehle weiterhin Personal, was auch im Alltag spürbar sei, erklärte die IW-Expertin Valeria Quispe gegenüber unserer Redaktion. „Engpässe im Gesundheitswesen führen zu langen Wartezeiten bei Terminen, fehlendes Personal im Baugewerbe bremst den Wohnungsbau“, so Quispe weiter. Die Expertin empfahl Unternehmen in betroffenen Branchen, gezielt Beschäftigte ohne Berufsabschluss für Aus- und Weiterbildung zu gewinnen, stärkere Anreize für ein längeres Erwerbsleben zu setzen und die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte zu fördern.
Das IW berechnet seit 2020 den Fachkräftebedarf in Deutschland für knapp 1300 Berufsgattungen auf Basis einer eigenen Methodik – bislang allerdings nur für einzelne Kernberufe. Die neue Methode berücksichtige alle Berufe eines Wirtschaftszweigs. So ließen sich Engpässe branchenübergreifend und innerhalb einzelner Branchen differenziert erfassen.




