Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband warnt angesichts der von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf den Weg gebrachten Apothekenreform vor negativen Folgen für Patienten. „Diese Apothekenreform ist ein Irrweg“, sagte der Bundesvorsitzende des Verbands, Markus Beier, dieser Redaktion. So werde man weder die Versorgung verbessern noch die Hausarztpraxen entlasten. „Stattdessen wird die Reform die Patientensicherheit gefährden und für mehr Chaos in unserem ohnehin schon überkomplexen Gesundheitswesen sorgen“, so Beier weiter.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Die Hausärzte kritisierten mit Blick auf die geplante Reform, dass Apotheken in Zukunft in bestimmten Fällen verschreibungspflichtige Medikamente ohne vorherige ärztliche Untersuchung und ohne ärztliche Verschreibung abgeben könnten. „Das ist ein gefährliches Vorhaben, das Fehlmedikationen Tür und Tor öffnet. Gerade bei verschreibungspflichtigen Medikamenten wie beispielsweise Antibiotika müssen Sorgfalt und Sicherheit Priorität haben!“, sagte Beier.

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Apotheken: Hausärzte zweifeln an fachlicher Eignung

Apotheker seien laut Hausärzten dafür nicht qualifiziert. Ob eine Erkrankung unkompliziert sei oder nicht, könne nur durch eine ärztliche Untersuchung festgestellt werden. Diese solle in Zukunft aber in bestimmten Fällen einfach durch eine kurze Einschätzung einer Apothekerin oder eines Apothekers am Tresen ersetzt werden. Beier: „Die Apothekerinnen und Apotheker verfügen aber schlichtweg nicht über die notwendigen Kompetenzen, um einschätzen zu können, ob es sich beispielsweise um einen einfachen viralen Infekt oder eine Lungenentzündung handelt!“ Und er forderte: „Wer so krank ist, dass er ein verschreibungspflichtiges Medikament braucht, der muss auch zwingend eine Ärztin oder einen Arzt sehen!“

Gesundheitsministerin Warken hatte am Freitag ein Gesetzespaket zur geplanten Apothekenreform in die Ressortabstimmung gegeben. Apotheker sollen demnach in bestimmten Fällen verschreibungspflichtige Medikamente auch ohne vorheriges Rezept abgeben dürfen, sie sollen zudem mehr impfen und auch neue Test-Angebote zur Vorsorge anbieten dürfen. Öffnungszeiten sollen zudem flexibler gestaltet werden können. Ziel der Reform ist es laut Gesundheitsministerium, den Apotheken bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu geben, um ein flächendeckendes Apothekennetz zu erhalten.

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Apotheken: Hausärzte erbost – „komplett widersinnig“

Kritik seitens des Hausärzteverbands gab es auch an Warkens Plänen, dass Apotheken mehr impfen sollen. Apotheken können schon seit langem Grippe- und Coronaimpfungen verabreichen. Das Angebot werde jedoch von Patienten „quasi nicht nachgefragt“. „Obwohl also offensichtlich ist, dass durch die Apothekenimpfungen die Impfquoten nicht erhöht werden konnten, plant die Bundesregierung nun die Kompetenzen der Apotheken nach dem Motto ‚Viel hilft viel‘ massiv auszuweiten“, so der Verbandsvorsitzende Beier. Das sei komplett widersinnig.