Nach fast 50 Jahren zieht sich Jerry Greenfield von der Eismarke Ben & Jerry‘s zurück. Der Mitgründer wirft dem Mutterkonzern Unilever vor, der Marke ihre politische Stimme genommen zu haben und damit den ursprünglichen Werten untreu geworden zu sein.

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Greenfield und der zweite Mitgründer Ben Cohen hatten sich bei dem Verkauf an den Lebensmittelriesen im Jahr 2000 das Recht festschreiben lassen, für ihre Werte einzustehen. Beide blieben im Unternehmen – auch wenn sie das Geschäft selbst nicht mehr steuerten.
Ben & Jerry‘s: Marke stehe nicht zum Verkauf
Über 20 Jahre lang habe man sich unter dem Dach von Unilever „für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte“ eingesetzt, schrieb Greenfield nun in einer Mitteilung. Jetzt sei Ben & Jerry‘s aber „zum Schweigen gebracht worden“, aus Angst, die Mächtigen zu verärgern. Unter diesen Umständen könne er nicht mehr im Unternehmen bleiben.
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Der Mutterkonzern wies die Vorwürfe allerdings zurück. Man sei anderer Meinung und habe ein „konstruktives Gespräch“ mit beiden Gründern gesucht, hieß es in einer Stellungnahme unter anderem beim „Wall Street Journal“. Unilever will sein Eiscreme-Geschäft – inklusive Ben & Jerry‘s – bald in ein eigenständiges Unternehmen auslagern. Cohen und Greenfield hatten zuletzt Interesse bekundet, ihre Marke zurückzukaufen, doch Unilever betonte, diese stehe nicht zum Verkauf.
Konflikte mit Unilever
Greenfield erklärte zudem, er könne nicht länger „guten Gewissens“ bleiben. Die zugesicherte Unabhängigkeit sei verloren gegangen. Greenfields langjähriger Partner Ben Cohen hatte die Erklärung am Mittwoch auf der Social-Media-Plattform Instagram öffentlich gemacht. „Es war noch nie so wichtig wie heute, für die Werte Gerechtigkeit, Gleichheit und unsere gemeinsame Menschlichkeit einzustehen“, schrieb der 74-Jährige in seiner Stellungnahme.
In den vergangenen Jahren war der Streit um die politische Ausrichtung immer heftiger geworden. 2021 kündigte Ben & Jerry’s an, keine Produkte mehr in israelisch besetzte Gebiete zu verkaufen, weil dies „inkonsistent“ mit den Unternehmenswerten sei. Im Mai dieses Jahres wurde Cohen sogar festgenommen, nachdem er im US-Senat gegen Militärhilfen für Israel protestiert hatte.
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Zuletzt kam es zum Bruch, als Unilever den Ben-&-Jerry’s-Chef David Stever entließ. Die Marke warf dem Konzern vor, damit unliebsame politische Positionen verhindern zu wollen. Unilever wies die Vorwürfe zurück und sprach von dem Versuch, einen Dialog mit den Gründern zu führen.
Magnum Ice Cream Company übernimmt
Unilever lagert sein Eiscreme-Geschäft derzeit in ein neues Unternehmen namens Magnum Ice Cream Company aus, zu dem auch Ben & Jerry’s gehören soll, wie die „New York Times“ berichtete. Die Firma bedankte sich bei Greenfield „für seine Unterstützung über viele Jahrzehnte“, widersprach aber seiner Sichtweise. „Wir teilen seine Sichtweise nicht und haben versucht, mit beiden Mitbegründern in einen konstruktiven Dialog zu treten“, hieß es in der Stellungnahme.
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Vergangene Woche protestierte Mitgründer Cohen dann vor einem Hotel, in dem Magnum seine Pläne für Investoren präsentierte. Auf Instagram schrieb er: „Wenn Ben & Jerry‘s für das eintreten will, was wichtig ist, müssen wir unabhängig sein.“
mit dpa






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