Eigentlich klingt die Idee sehr einfach. Anleger wollen zum Beispiel mit Aktienfonds wie ETF eine ordentliche Rendite erzielen und zugleich mit ihrem Geld etwas Gutes bewirken. Das kann zum Beispiel die Finanzierung von Umweltschutzinvestitionen oder auch in die Energiewendeprojekten sein. Aber auch soziale Belange oder der Kampf gegen Korruption, Pornos oder Glücksspiel sind manchen Sparern wichtig.

Für diese Nachfrage haben Fondsgesellschaften passende Produkte aufgelegt. Das sind zum Beispiel Fonds, die Investments in einzelne Branchen ausschließen. Lange verzeichneten diese nachhaltigen Geldanlagen Milliardenzuflüsse von Anlegern. Doch ganz so einfach ist es in der noch jungen Sparte der Finanzprodukte nicht. Denn die Kriterien für Nachhaltigkeit werden sehr unterschiedlich interpretiert. Für Empörung unter Klimaschützern sorgte beispielsweise die Entscheidung der EU, in ihrem Kriterienkatalog dafür sowohl Atomkraft als auch Gaskraftwerke aufzunehmen.

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Nachhaltige Gehaltanlage: Selbst Waffen sind nicht mehr tabu

Ende vergangenen Jahres hat die EU die Ansprüche weiter gelockert. Nun sind auch Waffen nun nicht mehr tabu. Nur die Produktion geächteter Waffen wie Streumunition oder Landminen werden ausgeschlossen. Über diese Lockerung streitet die Finanzbranche inzwischen. Die Anbieter nachhaltiger Fonds verhalten sich nach Angaben der Stiftung Warentest unterschiedlich. Gesellschaften wie Deka oder Union Investment schließen Rüstung in diesem Segment weiterhin aus. Die DWS nur bei Fonds, die im Namen das Nachhaltigkeitskürzel ESG (Environment, Social, Gover­nance) tragen, das auf deutsch für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung steht.

Doch viele ESG-Fonds erhöhten ihren Rüstungsanteil auch, beobachtet die Ratingagentur Morningstar. „Mit der Zuspitzung der geopolitischen Lage überdenken auch Anleger die Rolle von Rüstungs- und Verteidigungsunternehmen in nachhaltigen Portfolios“, heißt es in einer Analyse des Unternehmens. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer besteht in der schwächeren Entwicklung der nachhaltigen Geldanlagen im Vergleich zu konventionellen Investments. Lange warfen sie leicht höhere Renditen ab.

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Sind Waffen nachhaltig? „Waffen richten immer Schaden an“

Jetzt boomen andere Branchen – fossile Energien und eben Rüstung. Den Abstand wollen manche Fonds durch einen höheren Rüstungsanteil verringern. Das zeigt sich auch an den Aktienkursen der wenigen großen europäischen Rüstungsfirmen. Die Kurse von Rheinmetall, Renk oder Hensoldt haben sich vervielfacht, seit klar ist, dass sich Europa nun selbst in seine Verteidigung kümmern und dafür viel Geld ausgeben muss. Die Aufrüstung stößt auch auf eine wachsende Akzeptanz. Da verwundert es nicht, dass auch private Anleger vom Aufschwung der Branche profitieren wollen. „Manchen Anlegern ist das Hemd näher als die Hose“, stellt Roland Kölsch vom FNG-Siegel (Forum nachhaltige Geldanlagen).

Neues Artilleriewerk von Rheinmetall
Die Aktie von Rheinmetall hat in den letzten Jahren um rund 2.400 Prozent zugelegt. Wer damals investiert hat, hat seinen Einsatz also mehr als verzwanzigfacht.© Julian Stratenschulte/dpa | Julian Stratenschulte

Für Kölsch sind Waffen auch bei notwendigen Verteidigungsanstrengungen kein nachhaltiges Geschäft. „Zum einen richten Waffen eben immer Schaden an, zum anderen ist es ein Fakt, dass Waffen trotz aller Exportkontrollen regelmäßig in die Hände von Despoten gelangen“, sagt er. Es habe auch vor dem russischen Überfall auf die Ukraine Kriege in aller Welt gegeben, ohne dass jemand deshalb Rüstung als nachhaltig einstufen wollte. Den Experten ärgert die Doppelmoral der EU in dieser Frage.

Verteidigungsindustrie: „Sicherheit ist die Mutter aller Nachhaltigkeit“

Ganz anders argumentiert die Rüstungsindustrie. „Sicherheit ist die Mutter aller Nachhaltigkeit“, behauptet der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV). Die Branche beklagte immer wieder, dass die Finanzierung ihrer Geschäfte durch die Nachhaltigkeitsregeln der EU erschwert werden. Ob dieses Problem nun noch aktuell ist, hat der BDSV auf Anfrage bisher nicht bestätigt.

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Nachhaltige Banken lehnen die neue Einstufung der Rüstungsindustrie strikt ab. „Waffen nun unter dem Deckmantel der Sicherheit als „sozial nachhaltig“ zu labeln, verwässert die Nachhaltigkeitsdebatte weiter“, kritisieren sie in einer gemeinsamen Erklärung. Dies gefährde das Vertrauen von Investorinnen und Investoren. Neben der GLS-Bank haben auch die kirchlichen Institute ein gemeinsames Positionspapier unterzeichnet. Auch die niederländische Triodos-Bank schließt Investments in Rüstung weiterhin aus.

Auf längere Sicht liegen nachhaltige Geldanlagen trotz der aktuellen Delle weiter im Trend. Das hat eine Umfrage des Bankenverbands ergeben. Allerdings fühlen sich die potenziellen Anleger schlecht informiert und wollen klare Standards für diese Produkte. „Anlegerinnen und Anleger brauchen verständliche Orientierung und Transparenz“, erklärt Verbandschef Heiner Herkenhoff.