Mit Steuersenkungen auf breiter Front will der konservative griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis enttäuschte Anhänger zurückgewinnen und die Weichen für seine Wiederwahl in zwei Jahren stellen. Von dem Steuerpaket profitieren vor allem der Mittelstand und kinderreiche Familien.

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„Wir wissen alle sehr gut, wie schwierig es für die Griechen ist, über die Runden zu kommen“, sagte Mitsotakis am Samstagabend in einer wirtschafts- und sozialpolitischen Grundsatzrede im nordgriechischen Thessaloniki. „Daher ist es unsere oberste Priorität, ihre Einkommen zu stärken.“

Griechenland: Mitsotakis will Einkommenssteuer um zwei Prozentpunkte senken

Mitsotakis kündigte an, dass ab 2026 die Einkommensteuersätze durchgehend um zwei Prozentpunkte gesenkt werden. Für Familien mit Kindern sieht das Steuerpaket zusätzliche Erleichterungen vor. Ehepaare mit zwei Kindern zahlen künftig auf Jahreseinkommen bis 20.000 Euro nur 16 statt 22 Prozent Einkommensteuer. Für Familien mit vier Kindern bleiben Jahreseinkommen bis 20.000 Euro steuerfrei. Einkommen bis 30.000 Euro werden für kinderreiche Familien künftig nur mit 18 statt 28 Prozent besteuert.

Auch für junge Berufseinsteiger gibt es Steuererleichterungen. Bis zum 25. Lebensjahr bleiben 20.000 Euro im Jahr steuerfrei. 26- bis 30-Jährige zahlen statt bisher 22 nur neun Prozent Einkommensteuer.

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Regierung will mit neuer Steuerpolitik Anreize zur Familiengründung geben

Damit will die Regierung Anreize schaffen, Familien zu gründen und Kinder zu kriegen. Griechenland hat eine der ungünstigsten demografischen Prognosen der EU. Im vergangenen Jahr starben doppelt so viele Menschen wie geboren wurden. Setzt sich der Trend fort, wird die Bevölkerung des Landes von heute 10,3 Millionen bis zum Jahr 2100 auf 7,3 Millionen schrumpfen.

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Die Regierung will auch die Lebensbedingungen auf dem Land verbessern. Die Immobilien-Besitzsteuer wird ab 2026 in allen Ortschaften mit weniger als 1500 Einwohnern halbiert und 2027 ganz gestrichen. Auf Inseln mit weniger als 20.000 Einwohnern wird der Mehrwertsteuersatz um ein Drittel gesenkt.

Kampf gegen Steuerhinterziehung spült Geld in die Kassen

Mitsotakis beziffert die Kosten des Steuerpakets auf 1,6 Milliarden Euro. Finanziert werden soll es aus den unerwartet hohen Haushaltsüberschüssen. Im vergangenen Jahr lagen die Steuereinnahmen 1,8 Milliarden Euro über dem Plan, in den ersten sieben Monaten 2025 betrug der Überschuss sogar 2,2 Milliarden. Die Mehreinnahmen sind vor allem den Erfolgen bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung zu verdanken.

Der einstige Krisenstaat Griechenland hat in den vergangenen Jahren ein wirtschaftliches Comeback erlebt. Die Wirtschaft wächst seit dem Ende der Pandemie doppelt so schnell wie im EU-Durchschnitt. Die einst defizitären Staatsfinanzen sind saniert.

Aber viele Menschen spüren bisher kein Wirtschaftswunder. Die Realeinkommen liegen ein Fünftel unter dem Vorkrisenniveau. Das drückt auf die Stimmung. In jüngsten Umfragen kommt die Regierungspartei Nea Dimokratia nur auf rund 22 Prozent der Stimmen, gegenüber 41 Prozent bei der Wahl von 2023. Jetzt sucht Premier Mitsotakis mit dem Steuerpaket einen politischen Neustart. Spätestens im Frühjahr 2027 wird in Griechenland gewählt.