Deutschland – wer kann da künftig noch schwimmen? 52 Prozent der Hallenbäder in Deutschland sind rundum sanierungsbedürftig. Es müssen nicht nur Umkleiden renoviert werden, sondern Fassaden, Pumpen, andere Technik erneuert werden. Nur: Meistens fehlt dafür Geld. Zumal Baukosten gestiegen sind, Zinsen auch. In kaputten Schwimmhallen in Stadt und Land können allerdings keine Schwimmkurse angeboten werden. Dabei ist die Nachfrage groß.
Auch interessant
Das geht aus einer Branchenumfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 113 kommunalen Betreibern von bundesweit 124 Hallenbädern hervor. VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing sagte dieser Redaktion, der die Umfrage exklusiv vorliegt: „Nur Sanierungen verhindern dauerhafte Schließungen. Der Erhalt unserer kommunalen Bäder ist die zentrale Voraussetzung, um wieder ein Land von sicheren Schwimmern zu werden.“ Er fordert Bund und Länder auf, mehr für den Erhalt der Hallenbäder zu tun.
Hallenbäder: Zum nächsten Bad ist es für viele Bundesbürger nicht weit
Noch mag der eine oder andere seine Bahnen im Freibad ziehen, womöglich ausgestattet mit einem Neoprenanzug gegen das kältere Wasser. Doch langsam beginnt überall die Hallenbad-Saison, schwimmt es sich mit einem Dach über dem Kopf doch angenehmer. Die Entfernungen sind machbar, das ist weniger das Problem.
Auch interessant
„Bis zum nächsten Hallenbad haben es die meisten Menschen in Deutschland nicht weit: Mit dem Auto sind sie in höchstens zehn Minuten dort, mit dem Rad in knapp einer halben Stunde. In Städten fallen die Wege etwas kürzer aus – rund sieben Minuten mit dem Auto oder 15 Minuten mit dem Rad. Auf dem Land dauert es nur etwas länger, etwa 11 Minuten mit dem Auto und 32 Minuten mit dem Fahrrad“, erklärte Stefan Neumeier, der als Geograf am Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen die Wege bis zu einem Hallenbad nachgerechnet hat.
Hallenbäder: Teuer im Unterhalt und in der Instandhaltung
Er macht dabei regionale Unterschiede aus: In vielen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sind die Wege „vergleichsweise länger“. Neumeier bezieht sich auf Daten aus dem Bäderatlas, einem offiziellen Verzeichnis der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen, wonach es hierzulande knapp 3200 Hallenbäder gibt.

Allein: Die Hallenbäder kosten schon im Unterhalt – und ihre Instandhaltung erst recht. Die meisten seien im Laufe der 1960er und -70er Jahre gebaut worden, so Marc Elxnat, der sich beim Deutschen Städte- und Gemeindebund um Sportstätten kümmert: „Sie sind in die Jahre gekommen, der Investitionsstau ist noch größer als bei Freibädern.“ Um ein Hallenbad nun zu sanieren, seien bis zu drei Jahre zu veranschlagen.
Hallenbäder: Betreiber verzweifeln an kosten für die Sanierung
Laut der VKU-Umfrage ist bisher nicht einmal jedes fünfte Bad frisch saniert. Es hakt vor allem an der Finanzierung: 83 Prozent aller Badbetreiber erklärten, dass der Finanzbedarf hoch und die Fördermittel unzureichend oder unpassend seien, 69 Prozent finden darüber hinaus den Finanzierungsbedarf und die Zinsbelastung „zu hoch“, 72 Prozent meinten, dass die Baukosten wegen angespannter Lieferketten, Material- und Personalkosten „enorm gestiegen“ seien.
- Richtig in Gold investieren: ETF, ETC oder Münzen und Barren?
- Unter Trump: So sicher ist das deutsche Gold in den USA noch
- Faule Deutsche? Experten sagen, ob wir wirklich zu wenig arbeiten
- Gold kaufen: Profis geben wichtige Tipps für Anfänger
- Job & Gehalt: Experte verrät, was bei Gehaltsverhandlungen wirklich zieht
- Wohnen und Mieten: Reich werden mit Airbnb – Zwei Brüder verraten, wie es geht
Vier bis fünf Milliarden Euro veranschlagt Elxnat, um nicht nur Hallen-, sondern auch die Freibäder, also die Bäderlandschaft in Deutschland insgesamt zu retten. Er fordert: „Wir brauchen neue Förderprogramme für den Breitensport und die Infrastruktur, mit denen dauerhaft und verlässlich pro Jahr eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt werden.“ Die schwarz-rote Bundesregierung stelle im Koalitionsvertrag stattdessen aber nur 250 Millionen Euro pro Jahr in Aussicht – „das ist genauso viel wie zuvor auch schon und entspricht nicht der aktuellen Brisanz“.
Hallenbäder: Nachfrage nach Schwimmzeiten hoch, aber Kapazitäten fehlen
Das zu wenige Geld wird offenbar auch nicht klug verteilt. Das Förderprogramm Sport, Jugend, Kultur (SJK) sei bisher, kritisiert VKU-Mann Liebing, eher für Leuchtturmprojekte gedacht als für finanziell schwache Kommunen: „Dabei ist es besser, Hunderte einfache Bäder zu sanieren und zu erhalten, als zehn neue Hochglanzbäder zu bauen.“ Nur wer Bäder saniere, erhalte sie und den Schwimmunterricht. Und der sei entscheidend, Schwimmen eine „zentrale Lebensfertigkeit, die im Ernstfall Leben rettet, unser Land aber zunehmend verlernt“.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
Abonnieren Sie kostenlos den Wirtschafts-Newsletter der Berliner Morgenpost
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
79 Prozent der Badbetreiber gäben an, dass Kinder heute schlechter schwimmen könnten als vor zehn Jahren. 68 Prozent konstatierten, dass Kinder zudem später schwimmen lernten. Und: 62 Prozent erklärten, dass die Nachfrage nach mehr Schwimmzeiten für Vereine und Kurse groß ist. Nur: Fast zwei Drittel haben keine weiteren Kapazitäten für zusätzliche Schwimmzeiten von Kursen. Es rechnet sich für sie bisher auch nicht ausreichend. Stattdessen öffnen sie lieber die Kasse, dann kommen die Schwimmer, die Eintritt zahlen.

Zwar erhalte das Gros der Badbetreiber, nämlich 93 Prozent, von Kommunen oder Land Geld dafür, die Bahnen fürs Schulschwimmen freizuräumen. Doch gäben 91 Prozent an, dass dieses Entgelt „nicht kostendeckend“ sei. Die meisten forderten darum: Rauf damit! 42 Prozent der Badbetreiber plädierten zudem für eine frühere Schwimm-Einschulung, also dafür, dass nachmittags Bahnen freigehalten werden, damit alle Kinder schon im Kita-Alter Schwimmen lernen – und nicht nur jene, deren Eltern einen Privatkurs zahlen. Soll heißen: Wird das Schwimmen richtig gerettet, haben alle was davon.






