Für Deutschland ist die geplante digitale Brieftasche ein Glücksfall. Zum einen für den Alltag: Sie wird vieles für viele Menschen einfacher machen. Zum anderen, weil sie nicht so entsteht, wie andere Digitalprojekte. Der Staat hat keinen Auftrag ausgeschrieben und lange mit der Vergabe gebraucht, sondern sich getraut, per Wettbewerb nach einer Lösung zu suchen. Trotz oder gerade wegen der Komplexität.

Donnerstag

Wirtschaft in Berlin

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Die staatliche Sprunginnovationsagentur koordinierte. Mehrere junge und in höchstem Maße motivierte Expertenteams starteten. Deutschlands Spitzenforscher und Sicherheitsexperten waren eingebunden. Der Prototyp war nach knapp einem Jahr fertig – ein enormes Tempo.

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Digitale Wallet: Der Wettbewerb motiviert innovative Digitalexperten

Das Vorgehen sollte auf andere Digitalprojekte übertragen werden. Vor allem auf jene, die bundesweit überall einheitlich sind. Klare Vorgaben zu Funktionalität und Sicherheit lassen sich leicht formulieren, ein Zeitrahmen ebenfalls setzen, eine Jury aus Experten aufstellen. Kein träger Verwaltungsapparat schreckt ab, der Wettbewerb motiviert vor allem junge innovative Digitalexperten. Das Ergebnis ist schneller da, sehr wahrscheinlich praxistauglicher und tatsächlich auch günstiger als bei einer komplizierten Ausschreibung nebst Vergabe und Kontrolle durch Behörden.

Kommentarfoto Björn Hartmann
Björn Hartmann, Wirtschaftskorrespondent© Reto Klar | Reto Klar

Dazu müsste allerdings die deutsche Kleinstaaterei enden, das Beharren darauf verschwinden, es selbst am besten zu wissen. Bauanträge einzureichen oder das Auto umzumelden, unterscheidet sich in München nicht wesentlich von Hamburg oder Berlin. Die Länder, Städte und Kommunen könnten sich mit zentral entwickelten funktionalen Lösungen auf Wichtiges konzentrieren, etwa mehr Bürgerservice. Und Geld sparen würden sie auch.