Immer mehr Banken reduzieren ihre Filialen – und damit auch die Zahl der Bankautomaten. Längst nutzen viele einen anderen, kostenlosen Service, wenn sie Bargeld erhalten wollen: die Abhebung an der Supermarktkasse. „Wir stellen eine deutliche Zunahme fest“, konstatiert Ulrich Binnebößel, Abteilungsleiter für Zahlungsverkehrsthemen beim Handelsverband Deutschland (HDE).

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Wirtschaft in Berlin

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Einer aktuellen Studie des Handels-Marktforschungsinstituts EHI zu Folge wurden im Jahr 2024 in knapp 137 Millionen Transaktionen 13,5 Milliarden Euro an Kunden ausgezahlt – 15 Millionen Transaktionen und eine um rund 1,2 Milliarden Euro höhere Auszahlungssumme als noch im Jahr zuvor. Von einer Verfünffachung seit 2019 spricht Binnebößel. Im Durchschnitt hoben die Kunden pro Ladenkassen-Transaktion nach Angaben des HDI etwas über 99 Euro ab.

Geld abheben im Supermarkt: Insbesondere auf dem Land verschwinden Filialen

Das „Cashback“ genannte Verfahren gibt es bereits seit 2013. Die Entgelte im Girocard-System würden zwischen Händlern und kartenherausgebenden Banken verhandelt, erklärt die Kreditwirtschaft.

Das vor ein paar Jahren zunächst als zusätzlicher Service eingeführte Angebot gewinne auch deshalb stark an Bedeutung, weil es immer weniger Alternativen gibt, betont der Handelsverband. Banken und Sparkassen schließen aus Kostengründen Filialen und bauen Bankautomaten ab. Gerade auf dem Land, wo es teurer wird, ein dichtes Filialnetz aufrechtzuerhalten, verließen sich die Kreditinstitute zunehmend auf den Service des Handels, so der HDE. Nach Angaben der für die Bargeldversorgung zuständigen Bundesbank wurden seit 2018 mehr als 9.000 Bankautomaten abgebaut, ein Rückgang von knapp 16 Prozent.

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Bis zu 1000 Euro an Shell-Tankstellen abheben – das geht nicht mehr

Ein aktuelles Beispiel ist die Direktbank DKB, die im Juni ihre letzten Geldautomaten aus dem Verkehr genommen hat. Der Betrieb verursache hohe Kosten, begründet die DKB. Auch ändere sich das Zahlungsverhalten der Kunden.

Bis zu 1000 Euro Bargeld konnten Kunden bis vor Kurzem noch an Shell-Tankstellen abheben – sogar ohne zu tanken. Doch auch dieser Service wurde zum 1. Juli eingestellt. Das meldete die Cash Group, der unter anderem Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank angehören. Bislang hatten 1.300 von 2.000 deutschen Shell-Tankstellen an der Kooperation teilgenommen.

Einzelhandel kritisiert: Banken lagern eigene Aufgaben auf Handel aus

Der Einzelhandel übernehme zunehmend die Aufgaben der Banken und entlaste die Kreditwirtschaft von Kosten durch die Vorhaltung von Filialen und Bankautomaten, kritisiert der HDE. Die Händler fordern von den Kreditinstituten deshalb, wenigstens auf Gebühren zu verzichten, die sie bezahlen müssen, wenn sie ihren Kunden Barabhebungen beim Einkauf ermöglichen. Nach Angaben des EHI fallen für die Händler pro Girocard-Transaktion zwischen 0,1 und 0,2 Prozent des ausgezahlten Betrages als Gebühr an. Die Kosten würden auf die Endpreise umgelegt und damit an die Kunden weitergegeben. 

Nach geltendem Recht haben die Kunden allerdings keinen Rechtsanspruch auf den bequemen Bargeldbezug im Supermarkt. Außerdem dürfen Händler einen Mindestumsatz zur Bedingung machen. Ohnehin ist das Geldabheben an der Ladenkasse rechtlich immer an einen Einkauf gekoppelt. Dafür gibt es keine Branchenbeschränkung, Geldabheben ist theoretisch auch im Baumarkt möglich.

Kreditwirtschaft: Handel profitiere vom „Cashback“-Verfahren

Die Kreditwirtschaft argumentiert vor allem mit der Freiwilligkeit des Angebots. Die Möglichkeit, Bargeld an der Kasse anzubieten, werde von den Händlern als Profilierungsmöglichkeit genutzt. Das sogenannte „Cashback“-Verfahren ergänze die Bargeldversorgung der Banken und Sparkassen, es ersetzte sie nicht.

Für den Handel ist der Service mit logistischen Herausforderungen verbunden, schließlich muss immer eine ausreichender Bargeldvorrat sichergestellt werden, auch morgens, wenn noch nicht viele Kunden eingekauft haben und nur kleine Bargeldbeträge für das Wechselgeld in den Kassen sind.

Problematisch könnte es werden, wenn die EU im Rahmen der geplanten neuen Zahlungsrichtlinie eine Entkoppelung von Abhebung von Einkauf erlaubte. Allerdings wäre das Angebot nach bisherigem Stand für den Handel voraussichtlich auch dann weiterhin freiwillig.

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Postbank bietet neues Modell an – Handel zieht mit

Bewegung bringen könnte dagegen eine neue Variante des Bargeldservice im Laden, bei dem die Händler besser abschneiden. So bietet beispielsweise die Postbank ihren Kunden den „Bargeld-Code“ an: danach können diese fast 1000 Euro pro Tag abheben oder einzahlen. Der Service funktioniere über einen Barcode, generiert über die Postbank-App, erklärt ein Postbank-Sprecher. Partner seien unter anderem Rewe, Penny, die Drogeriemarktfilialisten dm, Rossmann und Budni, Netto, die toom Baumärkte, Real, Tegut oder Kaufland – insgesamt bislang mehr als 12.500 teilnehmende Geschäfte.

Anders als beim klassischen „Cashback“-Verfahren sei kein Einkauf nötig, betont die Postbank. Der Händler werde von der Bank beauftragt. Organisiert wird der Zahlungsvorgang über einen Zahlungsdienstleister. „Beim Bargeld-Code bezahlen die Einzelhändler keine Gebühr, im Gegenteil: die Einzelhändler erhalten von uns eine Vergütung für den Service“, erklärt der Sprecher des Instituts.

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Der mögliche Auszahlungsbetrag sei bis zu fünfmal höher. Zudem könnten Kunden mit dem Bargeld-Code Geld in derselben Höhe Geld auf ihr Girokonto einzahlen. Das sei wichtig für Geschäftskunden. Die Postbank App zeige al­le teil­neh­men­den Läden in der Nä­he an.

Einen ähnlichen Service bietet auch die Commerzbank-Tochter Comdirect an. Möglich seien Ein- und Auszahlungen, so das Institut. Nach Angaben der Postbank können ab Ende August auch die Kunden der Deutschen Bank den Bargeld-Code über ihre App nutzen.