Ist die Rente noch sicher? Was können Versicherte selbst privat tun, um im Alter auch finanziell sorgenfrei leben zu können? Sandra Klug ist Altersvorsorge- und Rentenexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. An dieser Stelle beantwortet sie regelmäßig Fragen zu den Themen private Vorsorge und Rente. Heute: Ob sich eine private Pflegezusatzversicherung lohnt.
Frau Klug, Deutschland spricht über die Schieflage bei der Pflegeversicherung. Es gibt sogenannte private Pflegezusatzversicherungen. Empfehlen Sie, eine solche abzuschließen?
Sandra Klug: Grundsätzlich wird hier ein Problem privatisiert, das eigentlich nicht in die private Hand gehört. Momentan gibt es schlicht zu wenig Geld in den öffentlichen Pflegekassen, um alle Kosten zu decken. Aber schaut man sich Verträge von privaten Zusatzversicherungen an, an, stellt man schnell fest, dass sich durchschnittlich verdienende Angestellte diese Policen kaum leisten können. Aus unserer Sicht ist eine Zusatzversicherung eher in wenigen Fällen empfehlenswert.
Mit Pflegetagegeld-, Pflegekosten- und Pflegerentenversicherungen gibt es unterschiedliche Produkte auf dem Markt. Welches ist das richtige?
Klug: Zunächst sollte der Bedarf geklärt werden. Dabei hilft ein Kassensturz. Wie viel Geld wird im Alter vorhanden sein, welche Rücklagen gibt es und was soll vererbt werden. Ist nach der Abwägung eine Absicherung gewünscht, wäre eine Pflegetagegeldversicherung das Mittel der Wahl.
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Warum?
Klug: Weil dabei im besten Fall pflegegradunabhängig ein bestimmter Betrag ausgeschüttet wird. Bei der Pflegekostenversicherung müssen Versicherte Belege sammeln und einreichen. Das kann für ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen erhebliche Schwierigkeiten nach sich ziehen. Eine Pflegerentenversicherung ist extrem teuer und deshalb auch nicht empfehlenswert. In jedem Fall sollte man das genau durchrechnen und unabhängige Beratung nutzen.
Haben Sie dazu mal eine Rechnung aufgestellt?
Klug: Laut Stiftung Warentest lag 2023 der Beitrag bei einer Pflegekostenversicherung für einen 55-Jährigen bei 116 Euro im Monat. Statistisch gesehen bleiben Menschen für dreieinhalb Jahre ein Pflegefall. Unterstellt, die Versicherung würde monatlich 1500 Euro zahlen, dann würden 63.000 Euro in diesen 3,5 Jahren ausbezahlt. Der Beitrag von 116 Euro müsste mindestens bis zur Pflegebedürftigkeit gezahlt werden, also auch noch im Rentenbezug. Wird stattdessen ab dem 55. Lebensjahr für 30 Jahre lang ein breit gestreuten ETF bespart, sind mit einem monatlichen Sparbetrag von circa 60 Euro nach 30 Jahren um die 70.000 Euro im Spartopf. Tritt der Pflegefall nicht ein, lassen sich die die 70.000 Euro vererben.
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Ab welchem Alter sollte man darüber nachdenken, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen?
Klug: Problematisch ist, dass die Entwicklung des Beitragsniveaus unklar ist. Die Beiträge können erheblich ansteigen. Auch die Rahmenbedingungen können sich verändern. Es ist möglich, dass eine große Pflegereform kommt – und danach mehr Leistungen aus der Pflegekasse übernommen werden. Ich würde empfehlen, bereits in jungen Jahren mit dem Besparen eines ETF anzufangen – und sich so ein Vermögen aufzubauen, von dem man dann im Ernstfall auch Pflegekosten bezahlen kann.
Würden solche Versicherungsprodukte denn überhaupt ausreichen, um den Eigenanteil für Pflegekosten auf null zu reduzieren?
Klug: Wir sehen viele Produkte, die niemals reichen werden. Stehen Verbraucherinnen und Verbraucher vor einem Neuabschluss, können sie die Leistungshöhe beeinflussen. Aber je umfangreicher so eine Zusatzversicherung, desto teurer.
Gibt es bessere Optionen, sich für möglicherweise hohe Pflegekosten abzusichern?
Klug: Ja. So früh anfangen zu sparen, wie möglich.




