Für Lufthansa, Easyjet & Co. lohnt sicht fliegen – vor allem außerhalb Deutschlands. Erstmals hat die Lufthansa-Gruppe in diesem Sommer mehr Flugzeuge im Ausland als im Inland stationiert. Jetzt will die Bundesregierung gegensteuern und die von der Ampel umgesetzte Erhöhung der Luftverkehrssteuer wieder zurücknehmen. Was das für Branche und für Passagiere bedeutet.

Worüber wird jetzt diskutiert?

Das entsprechende Vorhaben findet sich auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD wieder. „Die luftverkehrsspezifischen Steuern, Gebühren und Abgaben wollen wir reduzieren und die Erhöhung der Luftverkehrsteuer zurücknehmen“, heißt es dort. Beschlossen ist jedoch noch nichts, aber eine mögliche Senkung der Abgabe ist Thema bei den anstehenden Haushaltsberatungen der Koalition. Den Entwurf des Haushalts soll das Bundeskabinett Ende Juli beschließen.

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Druck in dieser Sache macht nach Informationen dieser Redaktion auch das Verkehrsministerium. „Es ist jetzt vor allem an Minister Schnieder, bis zum Vorliegen des Haushaltes hier entsprechende Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die dafür notwendigen finanziellen Spielräume geschaffen werden“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Isabel Cademartori, dieser Redaktion. Heike van Hoorn, Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums, begrüßte gegenüber unsere Redaktion die Pläne. „Das kann jedoch nur der Anfang sein, denn die Steuer wäre damit ja nicht abgeschafft. Weitere Entlastungen müssen folgen, so etwa auch bei den Luftsicherheitsgebühren“, sagte sie.

Die Ampel-Koalition hatte im Mai 2024 die Luftverkehrsteuer deutlich erhöht. Daraufhin hatten zahlreiche Airlines, darunter Easyjet und Ryanair, Verbindungen von deutschen Flughäfen gestrichen und Flieger an ausländischen Airports stationiert.

Was bringt eine Senkung der Steuer mit Blick auf den Ticketpreis?

Das kommt auf die Länge des Fluges an. Bei Kurzstrecken machte die Steuererhöhung der vorherigen Bundesregierung rund drei Euro höhere Kosten pro Ticket aus, bei Mittelstrecken waren es etwa sieben Euro und bei Langstrecken circa 13 Euro. Der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg bewertet eine mögliche geringere Luftverkehrsabgabe positiv – für Passagiere und Airlines.

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„Die Luftfahrt ist ein margenschwaches Geschäft“, sagte Schellenberg dieser Redaktion. „Wenn eine Airline an einem Flugticket 15 bis 20 Euro verdient, dann sieht man, dass eine Rücknahme um wenige Euro schon einen ganz deutlichen Einfluss auf den Gewinn der Fluggesellschaft hat.“ Einigt sich die Bundesregierung tatsächlich darauf, die Luftverkehrssteuer wieder zu senken, gehe man damit einen deutlichen Schritt auf die Airlines zu. Schellenberg zufolge würde sich damit auch eine neue Wertigkeit des Sektors aus Sicht der Politik zeigen. Er verwies auf zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland bei Airlines, Flughäfen, aber auch Industrieunternehmen wie Airbus. „Da gab es in der Vergangenheit eher die politische Idee, abzukassieren und Geld einzusammeln“, sagte der Experte.

Auch für Verbraucher sieht Schellenberg positive Folgen durch ein etwaiges Absenken der Steuer. Als Reaktion darauf sei vorstellbar, dass Airlines wieder mehr Flüge, neue Strecken oder auch höhere Kapazitäten aus Deutschland heraus anböten. „Das bedeutet mehr Wettbewerb und im Durchschnitt möglicherweise auch günstigere Preise“, schlussfolgerte der Branchenkenner. Zuletzt habe es bei vielen Verbindungen schlichtweg nur noch einen Anbieter gegeben.

Was müsste noch passieren, damit Flugreisen deutlich günstiger werden?

„Das Argument, woanders ist es günstiger, wird bleiben“, sagte Schellenberg. Dass sich Airlines günstigere Gebühren an den deutschen Flughäfen wünschten, sei ja nachzuvollziehen. Mit jeder Tariferhöhung im Öffentlichen Dienst stelle sich aber die Frage, wie das gehen solle, erklärte der Experte angesichts der vielen Staatsbediensteten bei den Airports. Wichtig sei, dass man mit Blick auf Sicherheitskontrollen und auch Gepäckabfertigung effizienter werde. Ein komplettes Aus für die Luftverkehrssteuer – wie etwa in Schweden – sei nicht realistisch. „Wichtig ist jetzt, dass man sich nichts Neues ausdenkt und auch den Airlines wieder zeigt, dass sich Investitionen in Deutschland wieder lohen“, so Schellenberg.

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Vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hieß es, man brauche „mindestens eine Halbierung der staatlichen Standortkosten“, um Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Erreichbar sei dies durch ein komplettes Aus der Luftverkehrssteuer. Alternativ sei es denkbar, besagte Steuer zu halbieren und bei Luftsicherheitsgebühren und Flugsicherungsentgelten „deutlich“ zu entlasten. Stattdessen drohe aber laut BDL derzeit das Gegenteil: Ein im Koalitionsvertrag festgehaltenes Aus zu einer nationalen Vorgabe für klimafreundliche Kraftstoffe (PtL-Quote) stehe auf der Kippe, so der Verband. Bleibt die Quote, drohten den Airlines hohe Strafzahlungen, weil der Treibstoff faktisch nicht vorhanden sei, was sich wiederum auch auf Ticketpreise auswirken dürfte.

Wie teuer ist Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern?

Da gibt es immense Unterschiede. „Startet ein Airbus-A320-Flugzeug in Berlin oder Frankfurt zu einem europäischen Ziel, liegen die Steuern und Gebühren bei 4200 Euro. In Madrid sind es 660 Euro, in Istanbul nur 520 Euro“, sagte eine Sprecherin der Lufthansa Group unserer Redaktion. Folgen dieser enorm hohen Kosten seien gravierend. „Airlines fliegen außerhalb unseres Landes rentabler“, ergänzte sie. Die Lufthansa-Gruppe mit Airlines wie Lufthansa, Eurowings, Brussels und auch der italienischen ITA hat daraus ebenfalls Konsequenzen gezogen. „In diesem Jahr sind erstmalig mehr Flugzeuge an unseren ausländischen Drehkreuzen (also in Wien, Zürich, Brüssel und Rom) stationiert als in Frankfurt und München“, so die Sprecherin.

Lufthansa zufolge haben sich seit 2019 die staatlich bedingten Standortkosten verdoppelt. Lufthansa-Airline-Chef Jens Ritter plädiert für einen Kurswechsel. „In keinem anderen europäischen Land ist Fliegen so teuer. Das trifft nicht nur unsere Industrie, sondern auch Reisende und den Wirtschaftsstandort Deutschland“, so Ritter zu dieser Redaktion. Laut BDL-Zahlen kommt Deutschland aktuell nur noch auf 86 Prozent des Sitzplatzangebots von 2019, der europäische Durchschnitt liege bei 101 Prozent. Auch die Zahl der Strecken und der angebotenen Flüge zwischen der Bundesrepublik und dem restlichen Europa sei seit 2019 deutlich gesunken.