In Bayern hat das Finanzamt der Stadt Kaufbeuren eine Rekord-Summe von vier Milliarden Euro als Erbschaftssteuer erhalten. Wie die „Bild“ zuerst berichtet, stammt die im April eingegangene Zahlung aus dem Nachlass des Unternehmers und Multimilliardärs Heinz Hermann Thiele, der bereits im Februar 2021 im Alter von 79 Jahren verstarb. Wegen des Steuergeheimnisses gibt es dafür keine offizielle Bestätigung. Inzwischen berichteten aber mehrere Medien über die Rekord-Erbschaftssteuer. Thiele war einer der reichsten Menschen Deutschlands.

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Laut dem Statistischen Bundesamt verzeichnete Deutschland die bisher höchsten Einnahmen aus der Erbschaftssteuer mit 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2023. Die vier Milliarden Euro aus dem Erbe Thieles könnten somit in diesem Jahr den Großteil aller Erbschaftssteuern ausmachen.

Heinz Hermann Thiele: Erben des Selfmade-Milliardärs zahlen Rekord-Steuer
Als 28-Jähriger hatte der gebürtige Mainzer nach seinem Jurastudium 1969 bei dem Münchner Mittelständler Knorr-Bremse angefangen – als Sachbearbeiter in der Patentabteilung. 1979 wurde er Vertriebschef, 1985 übernahm er die Firma, die Bremssysteme für Schienen- und Nutzfahrzeuge entwickelt.
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In seinem Unternehmen, das er vom Sanierungsfall zu einem profitablen Weltmarktführer mit fast 30.000 Beschäftigten und rund sieben Milliarden Euro Umsatz gemacht hatte, war Thiele zuletzt stellvertretender Vorsitzender und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates. Auch Vossloh, ein Unternehmen für Bahntechnik, gehörte zeitweise zu seinem Firmenimperium.
Einer breiten Öffentlichkeit wurde Thiele bekannt, als er in der Corona-Pandemie zum größten Aktionär der Lufthansa aufstieg. Sein Vermögen wurde auf zwischen 15 und 17 Milliarden Euro geschätzt.
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Erben klagten gegen Aufteilung im Testament
Laut der „Bild“ habe Thiele geplant, sein Vermögen in einer Familienstiftung zu erhalten. Die dafür 2018 gegründete Heinz-Hermann-Thiele-Familienstiftung sei jedoch erst 2023, zwei Jahre nach seinem Tod, von den Behörden anerkannt worden. In der Folge klagte unter anderem Thieles Witwe, Nadia Thiele, die als Vorerbin im Testament eingesetzt war und den Großteil des Vermögens eigentlich in die Stiftung überführen sollte. Vor Gericht scheiterte sie mit ihrer Forderung nach mehr Mitspracherecht.
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Nadia Thiele klagte außerdem gegen die hohe Vergütung des Testamentvollstreckers Robin Brühmüller, der dafür um die 250 Millionen Euro erhalten sollte. Im Jahr 2024 kam es zu einer Einigung zwischen beiden. Thieles Sohn Henrik wiederum verzichtete bereits 2017 für eine Summe von 25 Millionen Euro auf seinen Teil des Erbes. Juristisch versuchte er, das erfolglos rückgängig zu machen. Das Landgericht München wies 2023 seine Klage ab.
Die vier Milliarden Euro Erbschaftssteuern wurden nun im April diesen Jahres endlich an den Staat überwiesen. Das Geld habe schon länger bereitgestanden.
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Erbschaftssteuer in Deutschland umstritten
Die Erbschaftssteuer in Deutschland ist eine Steuer, die fällig wird, wenn jemand Vermögen erbt – also Geld, Immobilien, Unternehmen oder andere Werte. Wie viel Steuer gezahlt werden muss, hängt davon ab, wie nah die Erben mit der verstorbenen Person verwandt sind und wie viel sie erben.
Enge Verwandte wie Ehepartner und Kinder zahlen weniger Steuern, weil sie hohe Freibeträge haben: Ehepartner dürfen bis zu 500.000 Euro steuerfrei erben, Kinder bis zu 400.000 Euro. Erst wenn das Erbe diese Beträge übersteigt, fällt Steuer an – zwischen 7 und 50 Prozent, je nach Höhe des Erbes und Verwandtschaftsgrads.
Bei besonders reichen Menschen, die Millionen oder sogar Milliarden hinterlassen, greift die Steuer oft nur teilweise. Grund dafür sind gesetzliche Ausnahmen, vor allem bei Unternehmensvermögen. Wer z. B. eine Firma erbt und sie mindestens fünf Jahre weiterführt, kann unter bestimmten Bedingungen fast das ganze Erbe steuerfrei erhalten. Kritiker sagen, dass sehr reiche Familien dadurch oft kaum Erbschaftssteuer zahlen müssen, während Normalverdiener deutlich mehr leisten müssen.
Bei der Erbschaftssteuer handelt es sich um eine Landessteuer, der Milliardenbetrag steht damit erst einmal dem Freistaat Bayern zu. Über den Länderfinanzausgleich profitieren aber auch andere Bundesländer von der Rekordsumme.
os/dpa







