Ist die Rente noch sicher? Was können Versicherte selbst privat tun, um im Alter auch finanziell sorgenfrei leben zu können? Sandra Klug ist Altersvorsorge- und Rentenexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. An dieser Stelle beantwortet sie regelmäßig Fragen zu den Themen private Vorsorge und Rente. Heute: Ob Eltern angesichts der von der Koalition geplanten Frühstart-Rente jetzt schon ein Depot für ihr Kind eröffnen sollten.

Frau Klug, mit der Frühstart-Rente planen Union und SPD für jedes Schulkind zwischen 6 und 18 Jahren monatlich zehn Euro auf ein Altersvorsorgedepot einzuzahlen. Los soll es bereits ab Januar 2026 gehen. Ein guter Plan?

Sandra Klug: Na ja, das steht und fällt mit der Rendite der Anlage. Diese hängt auch von den Kosten der Anlage ab. Wenn es bei der Umsetzung wieder auf ein Versicherungsprodukt wie bei der Riester-Rente hinausläuft, haben wir nichts gewonnen.

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Was sollte man anders als bei Riester machen?

Klug: Nötig ist ein kostenarmes Produkt, das in einen weltweiten ETF investiert. Die Umsetzung ist unklar. Im Koalitionsvertrag steht ja bislang lediglich, dass dieses Depot zusammen mit der Privatwirtschaft umgesetzt werden soll. Das Horrorszenario, das sich vor meinem geistigen Auge dazu realisiert, ist ein ETF in einer fondsgebundenen Rentenversicherung. Das nützt nichts, die Kosten der Versicherung wären viel zu hoch.

Wenn es die Versicherungswirtschaft nicht machen soll, wer kann es dann machen?

Klug: Notwendig wäre, die Fondswirtschaft mit ins Boot zu bekommen, damit die Möglichkeit besteht, einfach in ETFs zu investieren. Das heißt, die klassischen Anbieter könnten ihre Fonds auf den MSCI World für diese Art Depot öffnen. Was dann aber noch nicht geklärt ist, ist die Rentenphase.

Das heißt also die Zeit, in der die Auszahlung beginnen sollen.

Klug: Genau. Die Auszahlungsphase muss nicht zwingend über Versicherungsgesellschaften laufen. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass von dem in diesem Altersvorsorgedepot angesparten Kapital Rentenpunkte gekauft werden. Das Geld wird dann also der gesetzlichen Rentenversicherung zugeführt. Das wäre vorteilhaft, weil die Rentenpunkte und die damit verbundene monatliche Auszahlung bis zum Lebensende definitiv mehr wert wären als jedes Rentenversicherungsprodukt. Oder man organisiert die Auszahlung ebenfalls über ein Aktiendepot.

Alle cleveren Tipps von Frau Klug

Wie viel Geld anzusparen, wäre denn möglich?

Klug: Wer zwischen sechs und 18 Jahren monatlich zehn Euro einzahlt, das Geld bis zur Rente nicht anrührt, hat dann – sechs Prozent Zinsen pro Jahr angenommen – 43.000 Euro.

Man soll bis zu einem noch festzulegenden Höchstbetrag nach dem 18. Lebensjahr monatlich privat weiter einzahlen können. Was sollte man sich da leisten?

Klug: Ob es sich lohnt, weiter privat einzuzahlen, werden die Rahmenbedingungen zeigen. Dazu kann ich im Moment nichts sagen.

Was heißt das für Eltern? Auf die Frühstartrente warten oder jetzt schon ein Kinderdepot bei einem der zahlreichen Anbieter eröffnen?

Klug: Mein Rat ist, ein Kinderdepot zu eröffnen und mit einem ETF-Sparplan schon einmal anzufangen. Erst einmal abwarten, wann und was da noch kommt. Ist es so weit, kann man sich über die Möglichkeiten informieren und schauen, ob man sich anders aufstellt. Die Verbraucherzentralen beraten gerne dazu.