Ist die Rente noch sicher? Was können Versicherte selbst privat tun, um im Alter auch finanziell sorgenfrei leben zu können? Sandra Klug ist Altersvorsorge- und Rentenexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. An dieser Stelle beantwortet sie regelmäßig Fragen zu den Themen private Vorsorge und Rente. Heute: Ob man Beamte und Selbstständige zur Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse verpflichten sollte – und welche Folgen das hätte.
Frau Klug, Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat mit ihrem Vorhaben, Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen lassen zu wollen, eine Debatte ausgelöst. Warum wird die Frage, wie man die Finanzlage der Rentenversicherung verbessern kann, so emotional diskutiert?
Sandra Klug: Da kann ich nur raten. Ich glaube, dass auch Verlustängste eine Rolle spielen. Niemand gibt gerne etwas von möglicherweise bereits erreichten Ansprüchen ab. Da geht es auch ganz viel darum, Pfründe zu verteidigen.

Was halten Sie von der Idee, Beamte in die Rentenkassen einzahlen zu lassen?
Klug: Grundsätzlich finde ich die Idee gut, finde aber, sie geht nicht weit genug. Man könnte auch Selbstständige miteinbeziehen. Und zwar nicht nur diejenigen, die keine Versorgungswerke haben, sondern auch die Berufsgruppen mit eigenen Pflichtversorgungseinrichtungen. Warum sollten Ärztinnen und Ärzte oder Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bessergestellt sein als andere?
Heute sind nicht alle Selbständigen verpflichtet, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Was würden Sie in so einem Fall mit Blick auf die eigene Absicherung im Alter empfehlen?
Klug: Auch Selbstständigen empfehlen wir, sich darüber Gedanken zu machen, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Die Renten sind heute definitiv höher als die, die aus privaten Rentenversicherungen zu erwarten sind. Darüber hinaus gibt es Vorteile wie Witwen- und Waisenversorgung und unter Umständen eine Erwerbsminderungsrente. Erstaunlich ist, dass sich dennoch weiterhin das Vorurteil hält, Selbstständige hätten ausschließlich Nachteile in der gesetzlichen Rente. Das halte ich für falsch.
Für sogenannte freie Berufe – zum Beispiel Ärzte, Architekten, Ingenieure oder Rechtsanwälte – gibt es berufsständische Versorgungswerke. Lohnen die sich?
Klug: Zum Teil fehlt die Alternative. Viele der betroffenen Berufe sind pflichtversichert im jeweiligen Versorgungswerk. Ob die sich lohnen, kommt auf das Versorgungswerk an. Manche machen es besser als andere.
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Aber die gezahlte Rente liegt häufig über dem Durchschnitt der gesetzlichen Rentenversicherung. Welche Vorteile haben die Versorgungswerke gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung?
Klug: Die Rente ist häufig höher, ja. Aber das liegt nicht zwangsläufig daran, dass die Versorgungswerke besser wirtschaften. Diese Berufe verdienen oft mehr Geld als der Durchschnitt. Bei den Versorgungswerken können Versicherte zudem wählen zwischen einkommensabhängiger und starrer Einzahlung. Und auch zusätzliche Einzahlungen sind möglich. Darüber hinaus gibt es eine Mischung zwischen schlichtem Kapitalansparen und dem Umlageverfahren. Versorgungswerke sind darüber hinaus freier in der Frage, worin das Kapital angelegt wird. Auch Kapitalmarkt und Immobilieninvestitionen sind erlaubt – anders als bei der gesetzlichen Rentenversicherung, die umlagefinanziert ist. Gleichzeitig gibt es immer wieder Versorgungswerke, die in Schieflage geraten.
Würden Sie sich mehr Kontrollen wünschen?
Klug: Das muss nicht unbedingt sein. Wir sprechen hier über Berufsgruppen, die nicht ganz so vulnerabel sind. Diese können sich selbst organisieren und zu Mitgliederversammlungen gehen und dort Kontrolle üben. Anstatt Regulierung zu fordern, könnte man Selbstkontrolle zunächst besser leben. Scheitert dies, könnten Regulierungen folgen.
Aber auch die Versorgungswerke kommen am demografischen Wandel nicht vorbei. Müssen Ärzte & Co. deshalb künftig mit geringeren Rentenzahlungen rechnen?
Klug: Das werden wir sehen. Der demografische Wandel an sich ist ja nicht neu. Alle haben sich seit Jahren, sogar Jahrzehnten, darauf vorbereiten können. Und nun werden wir sehen, wie es dann in den nächsten Jahren läuft. Aber sicherlich ist das kein Selbstgänger und man sollte sich als Versicherter dort nicht in totaler Sicherheit wiegen und lieber auch privat vorsorgen.
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Bei einer größeren Rentenreform: Müsste man da Vorsorgewerke von Ärzten & Co. ebenfalls inkludieren?
Klug: Ich bin für Politik nicht zuständig, aber ich finde aus einem Solidaritätsgedanken heraus: Warum sollen bestimmte Personengruppen herausgehalten werden? Ob das realisierbar ist und welche Konsequenzen das hat, kann ich als Verbraucherschützerin nicht beurteilen.



