Es war eine Nachricht, die in der vergangenen Woche zig Haushalten Sorgen bereitete: Wird deutschen Haushalten der DSL-Anschluss abgeschaltet? Die EU-Kommission hat bis 2030 das Ende der Kupferkabel-Anschlüsse als Ziel gesetzt, in Deutschland sorgte ein Impulspapier der Bundesnetzagentur für Wirbel. Droht Verbrauchern also das unfreiwillige DSL-Aus, sobald Glasfaser verfügbar ist? „Nein, das steht im Moment nicht an. Die Menschen sollen freiwillig wechseln und es wird niemand ohne Anschluss dastehen“, versichert der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, in einem Gespräch mit dieser Redaktion. „Im Moment wollen wir dafür sehr frühzeitig den Rahmen klären und so auch den weiteren Ausbau vorantreiben.“

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Wirtschaft in Berlin
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Der Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland schreitet immer mehr voran. „Ende 2024 haben wir 5,3 Millionen aktive Glasfaseranschlüsse verzeichnet“, nennt Müller die aktuellste Zahl. „Dazu muss man wissen, dass weitere 3,3 Millionen Kunden unmittelbar Glasfaser geschaltet bekommen können, wenn sie sich dazu entscheiden.“ Theoretisch haben nach Daten des FTTH Council Europe rund 16 Millionen deutsche Haushalte Zugang zu einem Glasfaseranschluss.

Am leichtesten sei es, Glasfaser in Städten zu verlegen. „Im ländlichen Raum ist die Lage herausfordernder“, meint Müller. Die EU habe hier ehrgeizige Wunschvorstellungen. „Deutschland schlägt sich dabei noch nicht sehr glorreich. Wir haben noch einiges aufzuholen.“
Hintergrund: Fast alle Dörfer ohne Glasfaser – nur in einem Bundesland nicht
Glasfaser: Für wen sich der Umstieg lohnt
Allerdings zögern auch noch viele Haushalte, einen Vertrag abzuschließen. „Je mehr Verbraucher einen Vertrag abschließen, desto eher lohnt sich der Ausbau für die Unternehmen“, sagt Müller. Allerdings ist die Motivation unterschiedlich hoch, sich für oder gegen Glasfaser zu entscheiden. Selbst der Netzagenturchef möchte keine konkrete Empfehlung abgeben. „Das muss deshalb jeder selbst entscheiden – aber es lohnt sich, sich Gedanken zu machen. Auch wenn man es aktuell noch nicht braucht, ist es eine Investition in die Zukunft.“
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Die Entscheidung hänge stark von den persönlichen Bedürfnissen jetzt und in der Zukunft ab, meint der Bundesagentur-Chef: „Meine beiden Töchter könnten gar nicht ohne. Dasselbe gilt für Gamer oder Menschen, die viel im Homeoffice arbeiten und große Datenmengen nutzen. Meine Eltern brauchen die Technik dagegen nicht, wissen aber, dass Glasfaser den Wert des Hauses steigert.“
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Unterdessen warnen Verbraucherzentralen vor teuren Übergangsverträgen. „Noch ist vielerorts unklar, wann Glasfaseranschlüsse tatsächlich verfügbar sein werden“, so die Verbraucherzentrale Hamburg. Dennoch berichteten Verbraucher zunehmend von Verkaufsgesprächen, bei denen sie zu Abschlüssen gedrängt würden, oft an der Haustür. Auch bei der Netzagentur gingen 2024 Beschwerden in einem dreistelligen Bereich dazu ein.

Glasfaser: Verbraucherschützer warnen vor Übergangsverträgen
„Dabei stellen in vielen Fällen nicht die Glasfaserverträge selbst das Problem dar, sondern vielmehr teure Übergangsverträge, die bis zur tatsächlichen Freischaltung der Glasfaserleitung laufen“, warnen Verbraucherschützer. In den Paketen seien oft hohe Datenraten, Streamingdienste und TV-Funktionen enthalten, die viele gar nicht benötigten.
Ein Beispiel, so die Verbraucherzentrale: „Eine Verbraucherin hat einen Telefon- und DSL-Vertrag für 34,99 Euro monatlich. Als ihr ein Glasfaseranschluss für 44 Euro angeboten wird, wechselt sie den Anbieter. Bis zur Freischaltung ihres Highspeed-Anschlusses ist sie jedoch an einen Premium-Tarif gebunden, der regulär fast 80 Euro pro Monat kostet.“




